Bildung im Wandel

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Sprachen darüber, welche Auswirkungen der demografische Wandel an die Bildungseinrichtungen stellt: Petra Crone, Christin Haidle, Joachim Stöver, Marion Görnig und Kathleen Müller. ▪

KIERSPE ▪ „Die Abwanderung der jungen Leute ist ein deutlich größeres Problem als der Geburtenrückgang“, so begründete die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Crone die Situation, die dafür sorgt, dass der demografische Wandel in ländlichen Bereichen deutlich stärker spürbar ist als in den Großstädten.

Die Politikerin war nach Kierspe gekommen, um mit den beiden großen Bildungsträgern der Region, Volkshochschule Volmetal und der kirchlichen Einrichtung Haus Nordhelle, über die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Region und die Angebote der beiden Institutionen zu sprechen. Einig waren sich die Gesprächspartner, dass ein weiteres „Herunterfahren“ der Angebote aufgrund der finanziellen Lage der Kommunen die Situation nur noch weiter verstärken würde.

Auch in einem weiteren Punkt herrschte Einigkeit, nämlich darin, in naher Zukunft einen „Arbeitskreis“ ins Leben zu rufen, der konkrete Handlungshinweise erarbeiten solle. „Dann aber sicher mit deutlich mehr Beteiligten“, so Marion Görnig, die als Direktorin der VHS zu dem Treffen am Donnerstag eingeladen hatte.

So sollen in Zukunft auch die Schulen ins Boot geholt werden. „Es ist einfach wichtig, dass die Schüler möglichst früh erkennen, dass es Bildungsangebote außerhalb der Schule gibt und, dass das Lernen durchaus auch freiwillig geschehen kann“, erklärte die Direktorin.

Klar war allen Beteiligten auch, dass lebenslanges Lernen mehr als nur ein Schlagwort sei. „Wenn das Lernen für den Beruf aufhört, dann setzt ganz stark noch einmal soziales Lernen ein. Die Menschen suchen Antworten, wie sie mit neuen Lebenssituationen zurecht kommen“, schildert Joachim Stöver, Haus Nordhelle, seine Erfahrungen, nach der die Seminarteilnehmer in der eigenen Einrichtung auch immer älter würden: „Früher kamen viele Vorruheständler zu uns, die nutzen die Zeit heute lieber für Reisen und andere Aktivitäten. Dafür suchen die Menschen, die älter als 70 Jahre sind, nun verstärkt Hilfe und Orientierung in unseren Kursen.“

Eine Erfahrung die Marion Görnig aufgrund ihrer Kenntnisse so nicht teilen kann. Sie sieht zwar auch, dass seit Jahren auch Ältere gerne lernen, doch grundsätzlich sieht sie in der eigenen „Kundschaft“ einen Spiegel der Gesellschaft.

Nach dem Bekunden aller Beteiligten sei es aber unverzichtbar, bei dem Nachdenken über neue Bildungsangebote alle Generationen im Blick zu behalten.

„Wichtig ist, dass jede Region ihr eigenes Modell entwickelt, wie mit den Herausforderungen der Zukunft umgegangen werden soll, da die Unterschiede zwischen Stadt und Land einfach zu groß sind“, erklärte Petra Crone, die sich dabei auf Erfahrungen bezog, die sie mit diesem Thema in den vergangenen Monaten als Mitglied des Ausschusses Familie, Senioren, Frauen und Jugend des Deutschen Bundestages gemacht habe. ▪ Johannes Becker

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