Bei der Bildung für Kinder mehr Chancengleichheit

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Die SPD-Ortsvereinsvorsitzende konnte am Dienstagabend, als es um das Thema „Bildung = Luxus!?“ ging, als Referenten den Landtagskandidaten Gordan Dudas begrüßen. Er sagte, wie mehr Chancengleichheit für Kinder erzielt worden ist und in Zukunft auch noch soll. ▪

KIERSPE ▪ Kritisch mischte sich die SPD-Ortsvereinsvorsitzende Monika Baukloh in die Diskussion um das Betreuungsgeld ein, als sie feststellte: „Die Schere wird noch größer, wenn dieses Geld in die Betreuung zuhause investiert wird und nicht in die Kindertagesstätten“.

Damit leitete sie am Dienstagabend im Rathaus in die Thematik des Stadtgesprächs zum provokativ formulierten Thema „Bildung = Luxus!? – Wieviel wert ist uns die Bildung unserer Kinder“ ein. Baukloh formulierte die sozialdemokratische Forderung dazu, dass alle gleiche Startmöglichkeiten haben müssten, was aus ihrer Sicht derzeit aber längst nicht der Fall sei. „Wir wollen, dass sich das ändert“, stellte sie fest und begrüßte den Redner des Abends, den Landtagskandidaten und bisherigen heimischen Abgeordneten Gordan Dudas.

Der freute sich, seit der Auflösung des Landtags vor wenigen Wochen bereits zum fünften Mal in Kierspe sein zu dürfen. Da er selbst die Gesamtschule besucht habe, fühle er sich hier praktisch zuhause, wenn er auch aus Lüdenscheid komme. Er konstatierte analog zu John F. Kennedy einst: „Ich bin ein Kiersper“. Nach seiner Darstellung ist Deutschland eines der reichsten Länder der Welt und das Wissen und die Köpfe der Menschen seien die Ressourcen des Landes. Doch seien die Deutschen, die sich nach Selbsteinschätzung auch bei der Bildung unter den ersten drei eingestuft hätten, durch die Pisa-Studie auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden: Da habe Deutschland nämlich nur im unteren Mittelfeld abgeschnitten, was eine Diskussion ausgelöst habe. Aus Dudas’ Sicht fällt auf, dass Deutschland das Land in Europa sei, wo eine soziale Selektierung stattfinde. Denn Kinder aus Akademiker- und Besserverdienerhaushalten hätten nachweislich bessere Bildungschancen, wodurch wertvolle Ressourcen verschenkt würden. Er und die SPD trete dafür ein, dass sich da etwas ändere. „Wir müssen hier neue Ansätze finden, was bedeutet, dass Kinder und Jugendliche frühzeitig gefördert werden müssen“, befand Dudas. Und da erkennt er viel Nachholbedarf, den die Sozialdemokraten anpacken wollten. So gebe es nach wie vor bei der U3-Betreuung zu wenig Angebote. Er verwies jedoch auf das Landesprogramm über 400 Millionen Euro zuzüglich der Bundesmittel zu deren Ausbau hin. Allerdings äußerte er Zweifel, dass der Rechtsanspruch wirklich ganz schnell umgesetzt werden könne.

Bei der Veranstaltung entstand eine lebhafte Diskussion unter den Besuchern. Einig waren sich alle, dass auf dem Bildungssektor etwas passieren müsse. Es gebe, betonte Dudas, vermehrt alleinerziehende Mütter, womit bereits die soziale Schieflage anfange, weil diese ihren Kindern unmöglich die Ausstattung sichern könnten, die diese eigentlich optimal brauchten. Für sehr wichtig hält der Landespolitiker die Elternbeitragsfreiheit in Kindertagesstätten. Da gebe es aber aktuell ein Gefälle zwischen reichen und armen Städten. So sei der Kita-Besuch in der Landeshauptstadt Düsseldorf so gut wie kostenlos, während in seiner hochverschuldeten Heimatstadt Lüdenscheid dagegen beim Spitzensatz 400 Euro bezahlt werden müssten.

Nach Meinung von Dudas ist Bildung ein Menschenrecht, bei dem jeder die gleichen Möglichkeiten haben müsse. Eine Abhängigkeit vom Elterneinkommen sei nicht hinzunehmen.

„Bei der Revision des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) hat die Landesregierung in einem ersten Schritt schon die schlimmste Schieflage beseitigt und im zweiten sollte jetzt an die Strukturen gegangen werden, was sich durch die Neuwahlen aber verzögert“, machte der SPD-Kandidat bei der Wahl am 13. Mai aufmerksam. Er sieht übrigens ebenfalls die Gefahr, dass das Betreuungsgeld von bildungsfernen Familien einfach kassiert wird, ohne dass es den Kindern zu Gute kommt, was er als „Katastrophe“ bezeichnete.

Die Sprachstandstests zeigten, dass in die Schulen viele Kinder mit erheblichen Sprachstörungen kämen, womit die Probleme bei der Schullaufbahn laut Dudas vorprogrammiert seien. Hier müsse bereits im Kindergarten angesetzt werden. Auch im Schulbereich habe die Landesregierung bei vielen Entwicklungen erfolgreich gegengesteuert: So sei die freie Grundschulwahl, die mancherorts für große Probleme gesorgt hatte, wieder eingeschränkt und stattdessen den Kommunen die Möglichkeit gegeben worden, die Schulbezirksgrenzen wieder einzuführen. In der Schulkonferenz sei eine Drittelparität festgelegt und die Kopfnoten seien abgeschafft worden, listete er auf.

„Mit dem Boom der Offenen Ganztagsgrundschulen, die von der letzten Regierung eingeführt worden sind, hat niemand gerechnet. Doch hat sich gezeigt, dass hier gewisse einheitliche Richtlinien und Rahmenbedingungen vorgegeben werden müssen und da sind wir dran“, ging er auf einen anderen Bereich ein. Positiv äußerte er sich zu dem zusammen mit der CDU nach 30 Jahren in Nordrhein-Westfalen erzielten Schulfrieden mit der Schaffung der neuen Sekundarsschule, der die ideologische Diskussion auf dem Rücken der Kinder endlich beendet hätte. Es gebe bislang rund 40 Neugründungen. „Einzige Kröte“, die geschluckt werden hätte müssen, sei, dass es keine eigene Oberstufe gebe, sondern stattdessen nur Kooperationen mit Gesamtschulen und Gymnasien vorgesehen seien. Die Landesregierung arbeite derzeit unter Hochdruck an den Rahmenbedingungen und der qualitativen Ausstattung.

Außerdem warb er für die Inklusion, also die Beschulung Behinderter an Regelschulen, wobei er allerdings im Hinblick auf die aktuelle Diskussion in Kierspe einräumte, dass die UN-Konvention zwar umgesetzt werden müsse, was jedoch nicht funktioniere, wenn die personellen und räumlichen Ressourcen an einer Schule nicht gegeben seien. Weiterhin warb er für den Ausbau des Ganztags: „Bis 2015 muss jedes Kind die Möglichkeit haben, eine Ganztagsschule zu besuchen“, gab er als Zielvorgabe vor, was jedoch, wie er einräumte, nur unter finanzieller Beteiligung des Bundes funktionieren könne.

Zum Hochschulstudium erinnerte er daran, dass die Landesregierung die Studiengebühren wieder abgeschafft und Universitäten zum Ausgleich mit entsprechenden Finanzen ausgestattet habe, wodurch es auch hier nun mehr Chancengleichheit gebe. Für die Region erwähnte er, dass die Fachhochschule Lüdenscheid dazu beitragen könne, die Verluste an jungen Menschen zurückzuführen. Wichtig sei dafür aber, dass die Mobilität im heimischen Raum verbessert werde. „Der Bildungsstandard in der Region, wobei er ganz Südwestfalen meinte, müsse unbedingt weiter ausgebaut werden, um diese nach vorne zu bringen. Wie Gordan Dudas formulierte, sei die Region eine Bildungsregion. Und daran muss seiner Meinung nach weiter gearbeitet werden.

Rolf Haase

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