Bildung eines Zentrums als Chance verstanden

CIMA-Experte Michael Karutz sagte in der Einwohnerversammlung am Mittwochabend im Rathaus, worauf es bei der Entwicklung des Einzelhandels ankommt und wie Kierspe-Mitte als Hauptzentrum geformt werden kann. ▪

KIERSPE ▪ Bei der Diskussion um das Einzelhandelskonzept in Kierspe hielten sich die Bürger mit Fragen zurück. Wie das Konzept aussehen soll...

Mit dem Einzelhandelskonzept solle als vorrangiges Ziel eine Stärkung des zentralen Versorgungsbereichs Kierspe-Mitte erreicht werden. Dieser umfasse das Gebiet zwischen Springerweg und Thingslindestraße sowie dem Einkaufspark Wildenkuhlen. Zudem müsse durch geeignete Maßnahmen eine Verzahnung innerhalb dieses Raumes geschaffen werden, sagte der Diplomgeograf Michael Karutz, als er in Begleitung von Franka Klocke, ebenfalls von der CIMA-Beratungs- und Management-Gesellschaft aus Köln, nochmals sein Gutachten vorstellte.

Weiterhin solle versucht werden, den Branchenmix vor Ort zu optimieren und die Strukturen am Bahnhof und im Dorf zu erhalten, möglichst sogar noch zu verbessern.

Nur wenig besucht bei dem schönen Sommerwetter war die Einwohnerversammlung zum neuen Einzelhandelskonzept, zu der die Stadt im Rahmen der vom Rat beschlossenen Bürgerbeteiligung am Mittwochabend ins Rathaus eingeladen hatte. Dreiviertel der Besucher waren Mitglieder der im Rat vertretenen Fraktionen. Entsprechend kamen auch nur wenige Fragen und Diskussionsbeiträge, denn die Kommunalpolitiker waren vorher zur Zurückhaltung angehalten worden.

Eingangs erläuterte Karutz die Bedeutung der zentralen Versorgungsbereiche: Für den Bereich Kierspe-Mitte ist dieser als Hauptzentrum geplant und für den Bahnhof als Nebenzentrum und das Dorf als Nahversorgungszentrum. Sie sollten als Instrument genutzt werden, um die Entwicklung an diesen Standorten gezielter als bisher steuern zu können. Als Problem hob der CIMA-Experte hervor, dass die Fachmarktlage am Wildenkuhlen bislang noch nicht oder nur teilintegriert sei. Daraus einen integrierten Standort zu machen, ordnete er schon als große Herausforderung ein. „Ich glaube jedoch, dass es zu schaffen ist, hier eine Verknüpfung mit dem Bereich Rathaus und Rewe-Markt zu erhalten“, zeigte er sich optimistisch. Durch den Abriss der Gebäude an der Kreuzung sei bereits eine Sichtbeziehung entstanden, die die Situation spürbar verbessere.

Als positiv wertete er zudem, dass es im Gespräch mit der Bezirksregierung gelungen sei, den Baumarkt in das Fachmarktzentrum zu integrieren, der bislang noch abgekappt war. So erhält der Hagebau nun Erweiterungsmöglichkeiten nach hinten hinaus, um seinen Garten- und Außenbereich zu vergrößern. Was als ein wichtiges Ziel angesehen wird, um mehr Kundenakzeptanz zu erreichen und somit den Standort langfristig zu sichern.

Karutz ging außerdem auf die „Kiersper Liste“ ein, die Aufschluss gibt über die in den verschiedenen Lagen noch möglichen und auch nicht möglichen Sortimente: Als grundsätzlich zentrenrelevant gelten ohnehin Bücher, Zeitschriften, Papier- und Schreibwaren, Bekleidung, Schuhe und Lederwaren, Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik, Computer und Eletrohaushaltsgeräte, Foto und Optik, Haus- und Heimtextilien, Haushaltswaren, Einrichtungszubehör ohne Möbel, Uhren und Schmuck sowie Spielwaren und Sportartikel.

„Kiersper Liste“

mit Sortimenten

Als nahversorgungsrelevant speziell in Kierspe werden Lebensmittel, Getränke, Reformwaren, Tabakwaren, Drogerie- und Hygieneartikel, Apotheken, Schnittblumen und kleine Topfpflanzen, Zeitschriften und Zeitungen sowie Schreibbedarf aufgelistet. Ergänzend in der abschließenden Kierspe Liste werden noch Bastelbedarf, Fahrräder und Musikinstrumente aufgeführt. Großflächiger Einzelhandel dieser Branchen mit Flächen ab 800 Quadratmeter dürfe nur innerhalb der zentralen Versorgungsbereiche angesiedelt werden.

Als nicht zentrenrelevant gelten dagegen Möbel, Antiquitäten, Farben, Tapeten, Bodenbeläge und Teppiche, Baustoffe, Sanitärwaren, Werkzeuge, Eisenwaren, Autozubehör, Reifen, Gartenartikel, große Topfpflanzen, Campingartikel, sperriger Babybedarf wie Kinderwagen, Tierbedarf sowie Elektrogroßgeräte. Großflächiger Einzelhandel in diesen Branchen, so Karutz, dürfe in Kierspe auch außerhalb der abgegrenzten zentralen Versorgungsbereiche angesiedelt werden.

Von Markus Eigner wurde gefragt, warum die Zentrumsbildung überhaupt der richtige Weg sei und ob es nicht besser sei, stattdessen die dezentralen Lagen zu stärken, die dadurch nur gefährdet würden. Aber wie der Diplomgeograf erläuterte, wolle das Konzept gerade dabei Hilfestellung geben, dem Zerfleddern in Einzelstandorte, in denen die Geschäfte sich nicht mehr gegenseitig tragen könnten, zugunsten der Schaffung eines Zentrums entgegenzuwirken. Durch die Ausweisung zentraler Versorgungsbereiche im Dorf und am Bahnhof werde jedoch parallel versucht, auch diese Standorte zu erhalten oder sogar zu entwickeln, machte Karutz aufmerksam. „Wir haben uns genau dagegen entschieden, die Kölner Straße aufzugeben“, betonte er und unterstrich, dass er hier durchaus Potenzial sehe.

Eigner sah durch die Zentrumsbildung zudem die Gefahr von mehr Verkehr. Dem hielt allerdings der städtische Planer Rainer Schürmann entgegen, dass es die größten Verkehre in Kierspe von und nach Meinerzhagen gebe über die B 54 und die Heerstraße und dass das weitere besondere Problem des hohen Kiersper Binnenverkehrs sicher nicht in den Griff zu bekommen sei. Die Nordumgehung solle künftig den starken Ziel- und Quellverkehr aufnehmen und ableiten. Mehr Einkaufsqualität, so die Hoffnung, könne zudem helfen, die Verkehre aus Kierspe heraus zu verringern.

Bürgermeister Frank Emde erläuterte am Mittwochabend abschließend, wie es im Rahmen der Bürgerbeteiligung nun weitergeht: So würden als nächstes die Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer, die Einzelhandelsverbände und die Nachbarstädte gehört. ▪ rh

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare