An 365 Tagen im Jahr in Bereitschaft

234 Einsätze, vier Großbrände - das war 2019 für die Freiwillige Feuerwehr

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Im Juni musste die Kiersper Feuerwehr zu einem von vier Großbränden, die es 2019 gab, ins Industriegebiet ausrücken.

Kierspe - Während Berufsfeuerwehrleute genau wissen, wann sie Dienst tun, sind die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr immer in Bereitschaft. Das soll sich – zumindest ein wenig – in Kierspe ändern. Nur eine Neuerung von vielen, die auf die Wehrleute in diesem Jahr zukommt.

234 Einsätze listet die Feuerwehr-Statistik für das vergangene Jahr auf, wobei 44 Brände unterschiedlicher Intensität gezählt wurden. So gab es vier Großbrände, 15 mittelgroße Feuer und 25 Kleinbrände. Die Wehr musste aber auch zu 117 sogenannten technischen Hilfeleistungen ausrücken – dahinter verbergen sich unter anderem Unfälle, Sturm- und Wasserschäden, Ölspuren und Türöffnungen, wobei letztgenante weiter auf einem hohen Niveau liegen.

31 Mal mussten Wehrleute ausrücken, damit der Rettungsdienst in eine Wohnung konnte, weil dort ein hilfebedürftiger Mensch vermutet wurde. Aber es gab auch 29 Fehlalarme, die von Brandmeldeanlagen ausgelöst wurden und weitere vier, die auf Rauchwarnmelder in Privathäusern zurückzuführen waren. Dreimal mussten Kiersper Wehrleute ausrücken, um überörtliche Hilfe zu leisten – in Halver, Meinerzhagen und Marienheide.

Erledigt wurden alle diese Einsätze von den 127 Mitgliedern der vier Züge, auf die sich die 100 Männer und 27 Frauen ungleichmäßig verteilen. So ist der Löschzug Rönsahl mit seinen 18 Mitgliedern am schlechtesten besetzt, weshalb, zu dessen Unterstützung, auch immer der Löschzug 1 mitalarmiert wird. Hilfe kommt bei Einsätzen im Grenzdorf aber auch oft aus dem Oberbergischen Kreis.

Entspannt hat sich die Situation im Löschzug 4 (Volme-Neuenhaus), dort fehlten vor allem in der Löschgruppe Volme Wehrleute, mittlerweile kann diese aber auf 30 Freiwillige zurückgreifen, in Neuenhaus sind es 24. Dabei ist aber auch klar, dass gerade tagsüber längst nicht alle dieser Wehrleute zur Verfügung stehen. „Die Tagesverfügbarkeit ist weiterhin ein großes Problem, wir hoffen aber, dass wir mit der Zusammenlegung der beiden Innenstadtzüge und einer geänderten Alarm- und Ausrückeordnung da einiges tun können“, ist der stellvertretende Wehrleiter Mike Budde zuversichtlich.

Umzug im zweiten Quartal

Wann genau die Zusammenlegung der Löschzüge 1 und 2 zu dem neuen „Löschzug 1 Stadtmitte“ erfolgen wird, hängt von der endgültigen Fertigstellung und der Lieferung von Inventar für das neue Gebäude ab. Budde: „Ich gehe aber vom zweiten Quartal aus.“ Formal wird der neue Zug auf einer Versammlung am 25. Januar gebildet, dann wird auch das neue Kommando ernannt.

Im März überschlug sich ein Auto auf der Kölner Straße. Die Feuerwehr rückte aus, um technische Hilfe zu leisten.

Doch eine Entlastung werden die Wehrleute aufgrund neuer Alarmierungsarten erst erfahren, wenn man auch ins neue Gerätehaus einzieht. Denn dann sollen bei einem Alarm nicht mehr alle Wehrleute gerufen werden, sondern nur die, die auch tatsächlich gebraucht werden. „Wir werden dann gruppenweise alarmieren, sodass ein Teil des Zuges nur in geraden Wochen, der andere in ungeraden Wochen alarmiert wird“, erklärt Budde, der sich eine weitere Entlastung dadurch verspricht, dass es dann möglich ist, nur einen ganz kleinen Personenkreis zu informieren, beispielsweise bei einer der vielen Türöffnungen.

Damit hofft man, neben den Wehrleuten auch die Arbeitgeber zu entlasten, denen die Mitarbeiter ansonsten bei einem Alarm oft über Stunden fehlen. Nach dem Umzug ins neue Gerätehaus wird es einen Tag geben, an dem alle Rufmeldeempfänger neu programmiert werden. „Bei größeren Einsätzen ist eine gruppenweise Alarmierung natürlich hinfällig, dann werden alle Wehrleute zum Einsatz gerufen, meist dann ja auch zusätzlich zu den Rufmeldeempfängern mit einem Sirenenalarm“, so Budde.

Der Nachwuchs hat großes Interesse

Um die Lücken in den eigenen Reihen, die durch das Alter der Wehrleute oder Umzüge entstehen, füllen zu können, wird weiterhin der Kinder- und Jugendarbeit viel Aufmerksamkeit gewidmet. So werden in beiden Einheiten neue Betreuer dazukommen. Grundsätzlich sieht der stellvertretende Wehrleiter die Entwicklung in den beiden Einheiten aber als ausgesprochen positiv, da das Interesse ungebrochen sei und man, aufgrund der Begeisterung der Kinder und Jugendlichen, weiterhin Wartelisten führe.

Bei all dem geht fast schon unter, dass es in diesem Jahr auch noch ein neues Fahrzeug gibt. Ein Löschfahrzeug (LF) des jetzigen Löschzugs 2 (Stadtmitte) wird durch ein Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF) ersetzt. Der neue Wagen soll nach jetziger Planung Ende März eintreffen – und wird dann vielleicht gleich seinen Platz in dem neuen Gerätehaus finden. Darüber hinaus wird in diesem Jahr der neue Brandschutzbedarfsplan erarbeitet, erstmals von einer Fachfirma.

Davon erhofft sich die Leitung neue Impulse und einen anderen Blick auf die Wehr. Derzeit befindet sich dieser Plan aber noch in der Angebotsphase. „Wenn der Plan vorliegt, werden wir wissen, welche Anschaffungen für die Zukunft notwendig sind“, erklärt Budde. Klar ist aber auch, dass kein Bedarfsplan, keine Zusammenlegung, keine Neuanschaffungen und keine geänderte Struktur den größten Wunsch der Wehrleitung erfüllen kann, nämlich dass es auch in diesem Jahr, genau wie in dem vergangenen, erneut keine bei Einsätzen schwer verletzten Wehrleute gibt.

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