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E-Bikes nur schwer lieferbar - aber Nachfrage bleibt hoch

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Von: Dominic Rieder

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Für Kunden, die bei ihm ein Fahrrad gekauft haben, bietet Ulrich Berg auch eine Service-Werkstatt an – hier im Bild mit einem E-Trekking-Rad, der am zweitmeisten verkauften Fahrradgattung.
Für Kunden, die bei ihm ein Fahrrad gekauft haben, bietet Ulrich Berg auch eine Service-Werkstatt an – hier im Bild mit einem E-Trekking-Rad, der am zweitmeisten verkauften Fahrradgattung. © Rieder, Dominic

Die wirtschaftlichen Auswirkungen sowohl der Corona-Krise als auch des Ukraine-Russland-Krieges sind für viele Branchen gravierend. Auch auf den Fahrradhandel trifft dies zu.

Kierspe - Bereits seit mehr als einem Jahr gibt es weltweit erhebliche Verzögerungen bei den Lieferungen. Bei Wunschbestellungen müssen Kunden entsprechend lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Wer direkt losradeln möchte, sollte also besser auf das beim Händler vorhandene Sortiment zurückgreifen.

Diese Erfahrung hat auch Ulrich Berg, Inhaber des Fahrradgeschäfts X-Bike an der Friedrich-Ebert-Straße in Kierspe gemacht. „Die Lieferschwierigkeiten bestehen nach wie vor“, berichtet der Drolshagener. „Mehr als 200 Fahrräder, die ich vor mehr als einem Jahr bestellt habe, sind im Rückstand. Nur alle zwei bis drei Wochen kommt ein Lkw und liefert fünf bis sechs Räder“, so Berg. Die Lieferketten seien „kaputt“ und das sei ein globales Problem, weiß er.

Schon ein Rad ohne Motor bestehe aus ungefähr 250 Teilen. Bei einem E-Bike – und diese machen mittlerweile deutlich den Löwenanteil bei den Verkäufen aus – seien es noch mal mehrere hundert Einzelteile mehr. „Und diese Teile kommen von überall her, bevor sie an einer Produktionsstätte zusammengefügt werden“, erklärt Berg. Hinzu komme, dass die Hersteller mit Lieferschwierigkeiten rechnen, die voraussichtlich noch zwei weitere Jahre anhalten werden, ergänzt der Geschäftsinhaber von „X-Bike“. Dies führe dazu, dass der Kunde – will er nicht sehr lange Zeit auf sein Wunsch-Rad warten – sich mit den im Laden vorhandenen Modellen zufrieden geben muss. „Zum Glück habe ich noch eine ganz gute Auswahl da und relativ viele Räder vorrätig“, sagt Ulrich Berg. Und erfreulicherweise würden sich die Kunden in Anbetracht der schwierigen Liefersituation verständnisvoll zeigen.

Ulrich Berg zeigt vor seinem Geschäft X-Bike an der Friedrich-Ebert-Straße 186 die bei ihm meistverkaufte Fahrradgattung: das sportliche E-Mountain-Bike.
Ulrich Berg zeigt vor seinem Geschäft X-Bike an der Friedrich-Ebert-Straße 186 die bei ihm meistverkaufte Fahrradgattung: das sportliche E-Mountain-Bike. © Rieder, Dominic

Somit lief das Geschäft für „X-Bike“ – den Lieferproblemen zum Trotz – im ersten Halbjahr 2022 gut. Tendenziell, so Berg, gehe es sogar in Richtung des Erfolgsjahres 2020, in dem sich der Umsatz im Vergleich zu vorherigen Jahren verdoppelte. In Zeiten von aufgrund der Corona-Pandemie eingeschränkten Freizeit-Aktivitäten erlebte das Radfahren einen regelrechten Boom. „Dieser Boom war 2021 aber nicht mehr zu spüren. Das Geschäft lief eher wieder wie in den Jahren vor 2020“, sagt Ulrich Berg. Ohnehin sei 2021 ein schwieriges Jahr gewesen, berichtet der heimische Fahrradhändler. Denn von April bis August, also ausgerechnet in der Hochsaison, fiel er aufgrund einer schweren Knieverletzung aus. Aber sein Ladenlokal schließen musste er während dieser Zeit nicht, denn glücklicherweise half ihm sein Sohn Felix Hinz, eigentlich Student, aus. „Er hat sich den Verkauf gekümmert und mit einem Notprogramm auch den Service-Werkstattbetrieb für unsere Kunden aufrecht erhalten“, erzählt Ulrich Berg.

Der Verkaufsschlager überhaupt in der Fahrradbranche bleibt weiterhin das E-Bike. Der starke Trend der vergangenen Jahre hin zu Elektrorädern hat sich im vergangenen und in diesem Jahr noch einmal weiter verfestigt – auch bei X-Bike. „Gekauft werden immer noch zu mehr als 95 Prozent E-Bikes in fast allen Varianten wie zum Beispiel Mountain-, Trekking- oder auch Citybikes. Das herkömmliche Fahrrad ist ein Auslaufmodell“, macht Ulrich Berg deutlich.

Bemerkenswert dabei: Die in den vergangenen Monaten zwischenzeitlich enorm hohen Spritpreis von deutlich über 2 Euro hätten zu keiner nennenswert gestiegenen Nachfrage geführt. Diese sei schon in den Jahren zuvor da gewesen, so Berg. Hinzu kommt: „Das E-Bike ist hier in der Region mehr ein Freizeit- und Sportgerät und wird weniger für den Weg zur Arbeit genutzt.“

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