Musikalische Botschafter im In- und Ausland unterwegs

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Matthias Weiland (von links), Dirk Pawelka, Clemens Wieland und Jan Schürfeld präsentieren Erinnerungsstücke von erlebnisreichen Fahrten. ▪

KIERSPE ▪ „Über Musik kommt man sich näher“, weiß Clemens Wieland, erster Vorsitzender der Musikgemeinschaft Kierspe sowie aktives Mitglied der Big-Band Swingsound, und meint die Kontakte der Musikusse durch und während ihrer Touren seit über drei Jahrzehnten im In- und Ausland.

Bevor es an diesem Freitag beim Probenabend im Übungsraum unter dem Rathaus an die Instrumente geht, diskutieren die Bandmitglieder über künftige Auftritte, wobei – inspiriert durch die vielen mitgebrachten Fotos auf Papier aus früheren Zeiten und digital aus neueren Zeiten – Erinnerungen an die unzähligen Fahrten wach werden, die die Big-Band-Mitglieder weit über die Grenzen ihrer Heimatstadt hinaus unternommen und zusammengeschweißt haben.

„Unsere erste große Auslandsfahrt ging nach Szeged in Ungarn, bekannt durch das Szegediner Gulasch“, erinnert sich Wieland an die Touranfänge Ende der siebziger Jahre und weist auf das Schlagzeug im Probenraum, das schon zu Gründungszeiten mit von der Partie war. Seit die Big Band 1976 von Emil Franz, dem damaligen Leiter der Musikschule, aus der Taufe gehoben worden war und sich dann 1978 zusammen mit anderen Gruppen zur Musikgemeinschaft formierte, vervollkommnete sie ihr Repertoire zu einer großen Bandbreite, die sämtliche Stilrichtungen abbildet. Angefangen vom klassischen Swing, Jazz über Latin und Rock bis hin zur Pop- und Filmmusik machten sich die rund zwanzig engagierten Musiker, seit 2000 unter der musikalischen Leitung von Dirk Pawelka, schnell einen Namen und erhielten zahlreiche Engagements.

Anfang der Achtziger gab es ein Engagement in Caorle nahe Venedig und, nachdem die Mauer gefallen war, wollten die Swingsounder auch einmal „drüben“ Musik machen, erzählt Jan Schürfeld, langjähriges Bandmitglied und Organisator der Gruppe. So reiste die Band 1990 nach Fischbach in Thüringen, wo sie sich auf der zu DDR-Zeiten bekannten Waldbühne in prächtiger Natur einen Auftritt mit großem Publikum erhoffte. „Doch da fuhr keiner mehr hin, die Grenzen waren ja offen“, erinnert sich Schürfeld und lacht. „Dafür hatten wir auf einem Weinfest in Meißen sehr viel mehr Zuhörer und Spaß“, berichtet er weiter.

In den neunziger Jahren konzertierte die Band auf Einladung des Lions-Club Meinerzhagen-Kierspe mit großem Erfolg in Paris im Park Bois de Bologne, und kombinierte damit einen ersten Besuch in der Partnerstadt Montigny. Hier wollte man die Musiker nicht mehr weg lassen, erzählt Matthias Weiland, Vorsitzender der Big-Band, und ergänzt: „Unser Reisebus war zugeparkt, so haben wir zu viert mit viel Schwung die Autos weggewippt, damit der Bus rauskam.” Das hätte die Musiker aber nicht davon abgehalten, Montigny danach noch zweimal zu besuchen.

1995 und 1997 gastierte die Band im polnischen Danzig, wobei auf diesen zwei Fahrten auch die Grundsteine für zwei Ehen gelegt wurden, ein weiterer auf einer anderen Fahrt. „Musik verbindet eben“, sind sich die Bandmitglieder einig, wenn auch die Aufenthalte an den Auftrittsorten für dauerhafte Kontakte zu kurz seien. Musikalisch spränge der Funke aber immer über. So auch bei ihrer dritten Polenfahrt 2002 nach Masuren. Konzertort war das historische Rathaus in Allenstein, wo gemäß der Würde der geschichtsträchtigen Hallen eher zurückhaltend leise gespielt werden sollte, auch um das Publikum nicht zum Tanzen zu stimulieren. „Das änderte sich schnell“, erzählt Schürfeld, „das Publikum war nicht zu halten, die Tanzfläche war voll und es ging richtig rund.“

Eine ihrer vorerst letztenTouren führte die Big Band 2005 nach Dresden. Seitdem ist sie mehr im näheren Umkreis unterwegs, beispielsweise in Duisburg, Bochum, Bonn oder Essen-Kettwig, und natürlich ist sie auch im heimischen Raum zu hören. So bot die Big Band Swingsound erst kürzlich beim Gemeinschaftskonzert zusammen mit dem Kammerorchester Volmetal und Wipperfürth bei „Jazz meets Classic“ musikalisch Innovatives, was, wie alle übereinstimmen, unbedingt in diesem originellen Rahmen wiederholt werden müsse. Angedacht ist auch ein Wiederholungsbesuch bei der französischen Städtepartnerschaftsgemeinde Montigny, wie auch ein erster Besuch des englischen Denton, aber erst ab 2013. Zuvor muss geübt und Neues ins Repertoire aufgenommen werden, das zum Beispiel auch in die Weihnachtszeit passt und damit zum nächsten Auftritt, dem Weihnachtskonzert am 14. Dezember in der Rönsahler Brennerei. ▪ EST

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