Besinnungstag der katholischen Frauen

Entlang eines langen am Boden markierten „Stimmungsbarometers“ stellten sich die Frauen auf, ganz nach ihrer Einschätzung, ob sie sich Marta oder Maria näher fühlen. Barbara Pott (im Vordergrund) leitete durch den Besinnungstag. - Fotos: Goldbach

Kierspe -  Zwei Frauengestalten – Marta und Maria – standen am Mittwoch beim Besinnungstag im Fokus der Aufmerksamkeit. Die Frauengemeinschaft der katholischen Kirchengemeinde hatte zu der Veranstaltung eingeladen. Knapp 20 Frauen nahmen Teil und erhielten interessante Impulse, die Bibel besonders aufmerksam zu lesen und neu zu verstehen.

Von Gertrud Goldbach

Als Referentin führte Barbara Pott aus Bochum durch den Tag. Sie arbeitet in ihrer Gemeinde als Gemeindereferentin und ist zugleich geistliche Begleiterin auf Diözesanebene. Sie ist in Kierspe keine Unbekannte. Vor drei Jahren gestaltete sie schon einmal einen Besinnungstag in Kierspe und war den Teilnehmerinnen angenehm in Erinnerung geblieben.

„M und M steht für unterschiedliche Begriffe“, setzteBarbara Pott zu ihrer Einführung an. „Zum einen ist das eine bekannte Sektmarke, es kann sich aber auch um bunte süße Schokoladenkugeln mit einem Haselnusskern handeln. In unserem Fall sollen die beiden Buchstaben jedoch Marta und Maria benennen, zwei Frauen mit dem gewissen Extra.“ Die Geschichte der beiden Persönlichkeiten aus der Bibel kennen viele Christen. Jesus kommt in ein Dorf, wird dort freundlich von Marta aufgenommen, die sich um ihn sorgt, während ihre Schwester Maria zu seinen Füßen sitzt und ihm zuhört. Das gefällt Marta nicht und bittet Jesus, Maria zu sagen, dass sie ihr helfen soll.

Viele Künstler haben zu diesem Thema Bilder gemalt. Barbara Pott gab den Frauen Kopien der unterschiedlichsten Darstellungen aus vielen Epochen. Diese Bilder regten die Frauen zu persönlichen Interpretationen an. Sie beschrieben, was sie darauf sahen und was sie ihrer Meinung nach bedeuteten. Schon bald war ein großer Unterschied zwischen den Bildern erkennbar. In einigen Epochen waren auf den Bildern Tische mit Essen und Getränken zu erkennen, andere Bilder zeigten jedoch nur Marta und Maria, manchmal zusammen mit Jesus. So eingestimmt, sollten die Frauen sich entlang eines rot-weißen Stimmungsbarometers aufstellen und selbst einschätzen, ob sie sich eher als Marta, als Maria oder irgendwo dazwischen sahen.

„Vor 20 Jahren hätte ich noch mehr Richtung Marta gestanden“, begründete Christina Jung ihre Entscheidung. „Mein Lebensweg hat sich im Laufe der Zeit aber verändert, darum sehe ich mich jetzt mehr in der Nähe von Maria.“ So vorbereitet, nahmen sich die Frauen nun den Text des Evangeliums vor. „Wir müssen uns klar machen, dass es von dieser Geschichte eine Einheitsübersetzung gibt, die allgemein verständlich ist. Ebenso gibt es geschlechtergerechte Übersetzungen oder auch welche in einer besonders ansprechenden Sprache.“ Beim Verstehen eines so alten Textes ist es wichtig, dass dabei auch die Gepflogenheiten dieser Zeit nicht aus dem Auge verloren werden und die Zeit, in der die Übersetzung erfolgte.

Bis zur Zeit von Kaiser Konstantin und seiner Mutter Helena hätten die Frauen wichtige Rollen in den Hauskirchen innegehabt. Sie übten Leitungspositionen aus. Dies sei unter anderem bei Paulus nachzulesen.

Nach Kaiser Konstantin wurden die Frauen immer mehr aus ihren Rollen als Priesterinnen und Gemeindeleiterinnen heraus gedrängt. „Das ändert sich jetzt nach und nach“, so Barbara Pott. „Schwierigkeiten macht dabei den Frauen heute noch die eigene Schere im Kopf. Für viele ist es schwierig, sie zu schließen.“

Bis zum Nachmittag setzte sich die Frauengemeinschaft mit dem Evangelium auseinander. Gegen 16 Uhr endete der Besinnungstag mit einem gemeinsamen Gottesdienst.

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