Vortrag: Papst Franziskus ist ein Mann der Gesten

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Über die vorrömische Zeit von Papst Franziskus informierte Michael Huhn vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat die Besucher der Herbstgesprächsreihe.

Kierspe - Das Leben von Papst Franziskus, seine Wurzeln und sein kultureller Hintergrund waren das Thema des letzten Abends der Herbstgesprächsreihe der katholischen Kirche des oberen Volmetales, diesmal im Gemeindehaus St. Josef in Kierspe. Referent des Abends war Michael Huhn, Historiker und Leiter der Projektabteilung beim katholischen Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat.

Von Gertrud Goldbach

„Papst Franziskus, Zeichen der Hoffnung und des Aufbruchs“ war das drei Abende überspannende Thema dieser Herbstgesprächsreihe. Während es am ersten Abend um die franziskanische Spiritualität ging, lenkte Bruder Augustinus Diekmann am zweiten Abend das Augenmerk auf den südamerikanischen Kontinent und seine Probleme.

Michael Huhn vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat nahm die vorrömischen Jahre von Papst Franziskus unter die Lupe. „Diese Jahre haben ihn bestimmt“, begann er. Seine Eltern kamen von Italien nach Argentinien. Lange Zeit zählte Argentinien zu den zehn reichsten Ländern der Welt. Papst Franziskus selbst, damals hieß er noch Jorge Mario Bergoglio, begann als junger Mann eine Ausbildung als Chemietechniker. In diesem Beruf arbeitete er einige Jahre, bis er sich entschloss, Theologie zu studieren. Schon bald schloss er sich den Jesuiten an, da ihm die Spiritualität dieses Ordens zusagte. 16 Jahre dauerte seine Ausbildung. Er studierte während dieser Zeit Philosophie, Theologie und Sozialwissenschaften.

Ein Schlüssel in seiner Ausbildung waren die Exerzitien, in denen er mit Fragen zu sich selbst konfrontiert wurde. „Was will ich?“, „Was sind meine Stärken und was meine Schwächen?“, waren Fragen, mit denen er sich auseinandersetzte. Schon bald nach seiner Priesterweihe, wurde er der Leiter der argentinischen Provinz des Jesuitenordens. Theologisch geprägt wurde er von Lucio Gera, dem Begründer der „Theologie des Volkes“, einer argentinischen Variante der Befreiungstheologie.

Argentinien selbst machte eine schwere Zeit durch. Mal wurde es demokratisch regiert, dann kamen Diktatoren an die Macht und dann auch die Militärjunta. „Es war eine sehr schlechte Zeit“, informierte Michael Huhn. „So wurde die Kirche in Argentinien eine Kirche der Märtyrer.“ Papst Franziskus wurde 1992 Weihbischof und 1998 Erzbischof von Buenos Aires. Schon damals war es seine Art, auf die Menschen direkt zuzugehen. Als er hörte, dass es einem seiner Priester in den Armenvierteln sehr schlecht ging, weil dieser Schwierigkeiten mit den örtlichen Drogenkartellen bekommen hatte, machte er sich auf den Weg zu ihm. Er bot ihm an, bei ihm zu wohnen und ihn zu entlasten. Er übernahm für ihn Krankenbesuche, Kommunionunterricht und weitere Tätigkeiten. „Auf Menschen zuzugehen, mit ihnen zu sprechen, sich Zeit für sie zu nehmen, das hat Papst Franziskus damals schon ausgezeichnet“, so Michael Huhn.

„Was glauben Sie, was der Papst bewegen wird, kann man das einschätzen?“, war eine Frage aus der Gruppe der fast 30 anwesenden Frauen und Männer im Gemeindehaus. „Es ist ein mühsames Geschäft“, versuchte Michael Huhn die Frage zu beantworten. „Seine Mitarbeiter sind die alten. Er kann nicht von heute auf morgen das Kirchenrecht ändern und auch die römischen Abläufe auf den Kopf stellen. Papst Franziskus in ein Mann der Gesten. In Argentinien werden die Gesten eher verstanden, während wir in Deutschland eher in Texten denken“, gab Michael Huhn zu bedenken.

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