„Bruch in einem makellosen Lebenslauf“

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Symbolfoto

Kierspe - Sechs Monate auf Bewährung wegen Handels mit Betäubungsmitteln erhielt ein Kiersper, der zudem 100 Sozialstunden ableisten muss.

Eigentlich lief alles glatt im Leben eines Kierspers: Gymnasium, Berufskolleg, Fachabitur, mittlerweile ein Studium. Doch im Oktober 2015 erfuhr er, dass er zwei Monate später überraschend Vater würde. Richter Thomas Kabus fasste im Amtsgericht Lüdenscheid die daraus resultierende Verwirrung zusammen: „Es war eine Lebensphase, wo alles aus dem Ruder lief.“ Denn der Kurs, den der Angeklagte daraufhin eingeschlagen hatte, führte zu einer Hausdurchsuchung, bei der die Beamten Kokain und Amphetamin sicherstellten. Schwerer wog allerdings der Ankauf von 20 Gramm Kokain für stattliche 1250 Euro, die dem Angeklagten auf der Grundlage von Telefonüberwachungen zugeschrieben wurden.

Ein Polizeibeamter aus Gummersbach berichtete von den Ermittlungen, in deren Verlauf eine Marihuana-Plantage in Polen und Verkäufer diverser Drogen hochgenommen wurden. Mit der Bemerkung „Kölner Bonus“ wurde im Gerichtssaal die zweijährige Bewährungsstrafe für einen von ihnen kommentiert. Aufgrund des umfassenden Geständnisses des Angeklagten musste der Verkäufer des Kokains nicht aussagen. Um nicht länger in der vertrauten und verführenden Szene in Kierspe zu sein, sei er Ende 2015 nach dem Schock der Hausdurchsuchung in eine andere Stadt gezogen, erklärte der nicht vorbestrafte Angeklagte. Seitdem habe er nichts mehr mit Drogen zu tun.

Staatsanwältin Ina Pavel würdigte, dass der Angeklagte „zielstrebig sein Leben gestaltet“ habe und beantragte eine Haftstrafe von acht Monaten auf Bewährung – wegen Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Verteidiger Christiansen hielt eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen für ausreichend. Das Schöffengericht ging von einem minderschweren Fall aus und verhängte eine Haftstrafe von sechs Monaten, die erwartungsgemäß zur Bewährung ausgesetzt wurde.

 Richter Thomas Kabus sprach noch einmal von einem merkwürdigen „Bruch in einem makellosen Lebenslauf“ und wies auf die nicht nur geringfügige Überschreitung der Grenze zur nicht geringen Menge an Kokain hin. Als Bewährungsauflage muss der Angeklagte 100 Sozialstunden ableisten. Dafür hat er allerdings drei Jahre Zeit, sodass er zunächst die jetzt anstehenden Prüfungen in der Universität absolvieren kann.

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