Marihuana-Prozess

Bewährungsstrafe für 24-jährigen Meinerzhagener

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Kierspe - Der Marihuana-Prozess ist am Mittwoch zu Ende gegangen. Der 24-jährige Angeklagte aus Meinerzhagen wurde zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Wegen gewerbsmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln in vier Fällen verurteilte die 6. Große Strafkammer des Landgerichts am Mittwoch einen 24-jährigen Meinerzhagener zu einer Haftstrafe von zwei Jahren. Gegen den Antrag des Staatsanwaltes wurde die Strafe trotz einiger Bedenken und Vorstrafen zur Bewährung ausgesetzt. 

Das mag verwundern angesichts der Geschäftstätigkeit eines Mannes, der mit seinen Einkäufen von 50 Gramm schweren Marihuana-Paketen in Köln die Lieferkette bis hinein in die Gesamtschule Kierspe in Gang brachte. Der Vorsitzende Richter Dr. Christian Voigt nannte deshalb die Gründe, die die Kammer für ihre Entscheidung hatte. 

Initiative für Marihuana-Käufe ging von Abnehmern aus

Alle Abnehmer der Ware hatten vor Gericht bestätigt, dass die Initiative für die Ankäufe von ihnen und nicht vom Angeklagten ausgegangen waren. Einfacher Handel mit Betäubungsmitteln, wenn auch gewerbsmäßig und unter Beteiligung von Minderjährigen, ist nicht mit jener Mindeststrafe von fünf Jahren belegt, die dem Angeklagten zunächst gedroht hatte.

Sehr positiv sahen die Richter das umfassende Geständnis des Angeklagten, das sich von manchen Zeugenaussagen deutlich abhob: „Sie waren hier der Einzige, der die Wahrheit gesagt hat“, stellte der Vorsitzende fest. Zur Wahrheit gehörte auch, dass der 24-Jährige Ende April 2015 von sich aus den wenig lukrativen Handel mit Marihuana aufgegeben hatte. 

Wie ausgestanzt wirke der Tatzeitraum von Februar bis April 2015 im Lebenslauf des Angeklagten, der sich ansonsten auf einem guten Kurs befinde: „Wir glauben, dass Sie sich selbst in die Lage versetzt haben, ihr Leben erfolgreich zu führen.“ 

Vier statt drei Jahren Bewährung

Das Geld, das der Angeklagte mittlerweile durch legale Arbeit verdient, macht es unwahrscheinlich, dass er seine Bewährung durch törichte Geschäfte riskieren wird. Um in diesem Punkt auf Nummer Sicher zu gehen, machte die Kammer daraus eine Bewährungsauflage. Der 24-Jährige darf seine derzeitige Arbeitsstelle nicht „schuldhaft“ verlassen. Die Bewährungszeit legte die Kammer zudem auf vier statt der üblichen drei Jahre fest. 

Vor allem in seinem Dank an die Richter war dem Angeklagten die Erleichterung über die Entscheidung anzumerken. In seinem Letzten Wort hatte er sich nochmals für „die Scheiße, die ich verbockt habe“ entschuldigt und einen vorsichtigen Blick auf das Schicksal seines Erzeugers geworfen, der offenbar zum langjährigen Dauerkunden deutscher Strafanstalten geworden ist: „Ich möchte nicht in die Fußstapfen meines Vaters treten!“

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