Betrugsprozess:

22-Jährige für mieses Geschäft nicht verantwortlich

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Gericht (Symbolfoto)

125 Euro überwies ein 38-jähriger Mann aus Finnentrop im April 2019 für einen Tablet-PC, den er auf dem Internet-Portal Ebay-Kleinanzeigen entdeckt hatte. Doch das Gerät erreichte ihn nie. Die Kontaktdaten für das Geschäft deuteten auf eine heute 22-jährige Kiersperin hin, die sich nun wegen Betrugs im Amtsgericht Lüdenscheid verantworten musste.

Lüdenscheid/Kierspe - Doch sie wies dort jede Verantwortung von sich: Ihr Ex-Freund, mit dem sie 2019 noch in Lüdenscheid zusammenlebte, habe ihre Kontaktdaten und ihre Kontoverbindung genutzt, um das „miese Geschäft“ abzuwickeln. „Es ist alles über meine Daten gelaufen.“ Die 125 Euro von ihrem Konto habe sie ihrem Ex-Freund ausgehändigt. Er habe ihr erzählt, dass er bei Ebay etwas verkauft habe. Nachdem der Geschädigte Anzeige erstattet hatte, habe ihr Ex-Freund sämtliche Briefe von der Polizei abgefangen. Sie habe deshalb lange Zeit nichts von den Ermittlungen gegen ihre Person gewusst.

Chaotische Umstände

Ihre Beziehung sei dann unter chaotischen Umständen zu Ende gegangen: Sie zog nach Kierspe, und er verschwand aus der Wohnung in Lüdenscheid, ohne die Nebenkosten zu begleichen. Die Versorgungsunternehmen hielten sich an der jungen Frau schadlos, die noch immer den dafür aufgenommenen Kredit abbezahlt. Der geprellte Finnentroper berichtete, dass er das bezahlte und nicht gelieferte Tablet erneut bei Ebay gefunden habe. Sein Bruder habe sich dann als Interessent für das Gerät ausgegeben, um weitere Informationen über die Anbieterin zu bekommen.

Bei einem Anruf gab der Finnentroper vor, eine Frau anderen Namens zu suchen, woraufhin ihm die Angeklagte ihren Vornamen nannte. Er berichtete von seinem Eindruck, dass die 22-Jährige, die er zweimal angerufen hatte, durchaus von dem Betrug gewusst habe. Aber mehr als ein vages Indiz, dass sie doch von der Geschichte gewusst haben könnte, ergab sich daraus nicht.

Merkwürdig war auch die Frauenhand mit lackierten Fingernägeln, die das „Tablet“ auf dem Werbefoto gehalten hatte. Es war allerdings unklar, ob dieses Foto überhaupt die Hand der Angeklagten zeigte. Lackierte Fingernägel habe sie nicht, versicherte die 22-Jährige. Es fiel schwer, bei ihr ein Motiv für den Betrug auszumachen. Sie hatte eine abgeschlossene Berufsausbildung, steckte in einer weiteren Ausbildung und trat glaubwürdig auf.

Begegnung lieber vermeiden

Vor Gericht wäre eine endgültige Aufklärung der Geschichte nur nach einer Anhörung ihres Ex-Freundes möglich gewesen. Diese Begegnung wollte die 22-Jährige aber lieber vermeiden. Da die beiden Ex-Partner sich vermutlich gegenseitig bezichtigt hätten, wäre eine Aufklärung der Geschichte recht unwahrscheinlich gewesen. Sie stimmte deshalb der Zahlung einer Entschädigung an den Finnentroper zu.

Zunächst erklärte sich ihre Mutter zur Zahlung der 125 Euro bereit. Doch da die 22-Jährige nach dem Zwischenstand der Verhandlung für den Betrug nicht verantwortlich war, brachten alle Beteiligten eine andere Lösung auf den Weg: Sie muss 60 Euro Schadensersatz zahlen, und im Gegenzug wird das Strafverfahren gegen sie eingestellt. Die Staatsanwältin tröstete den Geschädigten am Ende: „Sie haben ja noch das Zeugengeld!“

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