Betrügerischer Besteller lässt Pakete in eine Wohngruppe für Behinderte liefern

Angeberei vor Freunden endet mit Bewährungsstrafe

Berufung hat Erfolg: 36-jähriger Kiersper bekommt noch einmal eine Bewährungsstrafe.
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Berufung hat Erfolg: 36-jähriger Kiersper bekommt noch einmal eine Bewährungsstrafe.

Überein unerwartetes Paket freute sich der Bewohner einer Wohngruppe für geistig Behinderte im September 2018. Der Inhalt soll ihn dann eher enttäuscht haben: Asterix- und Disney-Fanartikel interessierten ihn offenbar nicht.

Kierspe - Und für ihn bestimmt war das Paket auch nicht: Ein Nachbar hatte seine Adresse genutzt, um nicht selbst als Besteller einer Ware aufzufliegen, de er nicht bezahlen wollte. Dass das Paket überhaupt in der Wohngruppe ankam, lag an einem Versehen: Es war dem betrügerischen Besteller, einem heute 36-jährigen Kiersper, nicht gelungen, es zuvor abzufangen. Ebenso landeten drei weitere unbezahlte Sendungen bis Januar 2019 in der Wohngruppe. Wegen eines Todesfalls änderte der Besteller den Namen des angeblichen Empfängers, was nicht viel änderte. Nur in einem Fall gelang es ihm, eines dieser Pakete zuvor abzufangen. Sie enthielten Hemden, Hosen und insgesamt zehn Konzertkarten im Gesamtwert von 765 Euro.

Weil der Angeklagte einige einschlägige Vorstrafen hatte, sah das Amtsgericht Lüdenscheid keinen Spielraum mehr, ihn zu einer Bewährungsstrafe zu verurteilen. „Er wollte sich ein annehmliches Leben bereiten und bei seinen Freunden angeben“, stellte das Schöffengericht in seinem Urteil fest.

Ihm drohte deshalb wegen gewerbsmäßigen Betruges in fünf Fällen und einer sogenannten „Fälschung beweiserheblicher Daten“ eine vollstreckbare Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Dazu kamen 18 Monate aus einer vorangegangenen Verurteilung, deren Haftstrafe noch zur Bewährung ausgesetzt worden war. Den letzten Ausweg vor einem längeren Knastaufenthalt bot eine Berufungskammer des Landgerichts. Und der Angeklagte hatte ein bisschen was mitgebracht: Keine weiteren Straftaten – das war das Mindeste. Außerdem hatte er eine Therapie gegen seine Spiel- und Kaufsucht gemacht. Denn sein Geld, das er lieber für die bestellten Waren hätte einsetzen sollen, hatte er in Spielhallen verzockt. Darüber hinaus hatte er sich um eine Umschulungsmaßnahme bemüht und diese bisher erfolgreich absolviert. „Er hat sich ernsthaft mit seiner Zukunft beschäftigt“, sagte Rechtsanwalt Friedhelm Wolf in seinem Plädoyer. Der Staatsanwalt sprach von „erheblicher krimineller Energie“ und dem „schäbigen Umstand, dass der Angeklagte geistig behinderte Menschen für diese Taten eingespannt hat“.

Immerhin war diesen letztlich kein Schaden entstanden. Und so stellte auch der Staatsanwalt „größte Bedenken“ zurück und sprach sich für eine Bewährungsstrafe aus. Die Richter der Berufungskammer folgten diesen Anträgen. Als Bewährungsauflage muss der Angeklagte sich um eine ambulante Nachsorge seiner Therapie gegen Spiel- und Kaufsucht bemühen. 100 Euro gehen an eine soziale Einrichtung – mehr war dem 36-Jährigen finanziell kaum zuzumuten. Er sei offenbar willig, seinen Weg in ein verändertes Leben fortzusetzen, urteilte die Kammer. Das Urteil ist rechtskräftig.

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