Neue Bestimmungen

Älteren Öfen geht‘s an den Kragen

Mike Budde Bezirksschornsteinfeger aus Kierspe
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Mike Budde am heimischen Kaminofen: „Wichtig ist, dass man versteht, was da im Ofen überhaupt für ein Prozess stattfindet“, sagt der Bezirksschornsteinfeger aus Kierspe.

Kierspe - Verringerte Belastung der Luft durch Feinstaub und Kohlenmonoxid und effizienterer Energieverbrauch – das sind die Ziele der Bundes-Immissionsschutzverordnung. Deren seit zehn Jahren gültige Fassung hat in allererster Linie für Betreiber von Holzöfen im privaten Bereich Auswirkungen.

Älteren Holzöfen geht es deutschlandweit peu à peu an den Kragen – wann genau, hängt vom Baujahr der jeweiligen Anlage ab, wobei der Gesetzgeber gewisse Übergangsfristen einräumt. So erlischt für Öfen, die zwischen 1985 und 1994 errichtet worden sind, zum 31. Dezember die Betriebserlaubnis. Was das bedeutet, erläutert Bezirksschornsteinfeger Mike Budde: „Die Feuerstätte muss ausgetauscht werden – oder man erbringt den Beweis, dass die Feuerstätte die erlaubten Feinstaubwerte einhält.“

Prüfung bei idealem Betriebszustand

Letzteres ist eher nicht die Regel und kommt ohnehin nur in Frage, wenn keine altersbedingten Mängel vorliegen, die Anlage generell erhaltenswert erscheint. Ob die erforderlichen Grenzwerte eingehalten werden, darüber gibt eine Messung durch den Schornsteinfeger Auskunft. Die Prüfung erfolgt bei möglichst idealem Betriebszustand, d. h. das verwendete Holz muss ausreichend trocken sein und die Scheite müssen die angemessene Größe haben. Ist alles im grünen Bereich, gibt’s eine entsprechende Bescheinigung, die den Betrieb des Ofens auch weiterhin erlaubt.

Filtersystem nachinstallieren

Dabei bietet die Installation eines Filtersystems die Möglichkeit, den Ausstoß von Feinstaub und Kohlenmonoxid in die erlaubten Bahnen zu lenken. Filter können ins Ofenrohr oder in den Schornstein eingesetzt werden, wobei es natürlich Kosten und Nutzen abzuwägen gilt. Die Kosten für den Einbau von Filtern bewegen sich zwischen 500 und 1500 Euro – da stellt die Anschaffung eines neuen Ofens allzu oft die bessere Option dar. „Der Betreiber muss schon sehr verliebt in seine Feuerstätte sein“, formuliert es Mike Budde schmunzelnd.

Ausnahmen möglich

Ausnahmen von der gesetzlich vorgeschriebenen Austauschverpflichtung gibt es natürlich auch. Diese gilt für offene Kamine, die im Vergleich zu Öfen deutlich geringere Betriebszeiten haben, und für sogenannte Grundöfen. Gemeint sind damit Kachel- oder Specksteinöfen, die von Grund auf gemauert sind und zu einem Großteil aus mineralischen Baustoffen bestehen. „Ein solcher Ofen“, erläutert Mike Budde, „wird morgens ein Mal mit Holz beladen und gibt dann über den ganzen Tag konstant Wärme ab.“ Eine weitere Ausnahme bilden außerdem noch Feuerstätten, „die nachweislich 50 Jahre alt sind und nachweislich auch seit 50 Jahren in dem Gebäude angeschlossen sind“.

Beratung vom Fachmann

Weil zum Portfolio des Schornsteinfegers auch die fachliche Beratung gehört, wird Kunden, deren Anlage in absehbarer Zeit der Austauschverpflichtung unterliegt, dieses natürlich entsprechend erklärt. Die Bereitschaft auszutauschen sei in seinem Kundenkreis recht groß, hat Mike Budde festgestellt – auch „weil man deutlich sieht, dass die neueren Feuerstätten auch effektiver sind und weniger Brennstoffeinsatz erfordern“. Im Laufe der Jahre hat sich schließlich so einiges getan: „Mittlerweile sind das hochmoderne Heizmaschinen – gerade im Vergleich zu den ersten Kaminöfen, die damals aus Skandinavien kamen. Das waren ja Metallkisten, bei denen von Effizienz keine Rede sein konnte...“

In den kommenden vier Jahren tickt nun die Uhr für Feuerungsanlagen der Baujahre 1995 bis 2010, die bis zum 31. Dezember 2024 außer Betrieb zu nehmen oder nachzurüsten sind. Wer dem nachkommt, erfüllt nicht nur seine Bürgerpflicht und entlastet sich und die Umwelt, sondern tut mit Blick auf den Holzeinkauf auch dem eigenen Geldbeutel durchaus einen Gefallen.

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