Kiersper wollen näher ans Wasser

Besucher-Führungen an der Kerspe-Talsperre denkbar

Ein Blick auf das Wasser der Kerspe-Talsperre, den nur wenige genießen können. Das wird wohl auch so bleiben. Vorstellbar seien aber ein bis zwei Führungen im Jahr und ein Aussichtspunkt, der einen Blick auf den künstlichen See erlaubt. 	Fotos: Becker
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Ein Blick auf das Wasser der Kerspe-Talsperre, den nur wenige genießen können. Das wird wohl auch so bleiben. Vorstellbar seien aber ein bis zwei Führungen im Jahr und ein Aussichtspunkt, der einen Blick auf den künstlichen See erlaubt. Fotos: Becker

„Ich werde bald 70 Jahre alt und bin heute das erste Mal hautnah an der Kerspe-Talsperre“, gleich zu Anfang machte die Stellvertretende Bürgermeisterin Marie Luise Linde (CDU) deutlich, dass es den Kiersper Politikern, die eine Führung an der Kerspe-Talsperre erhielten, vor allem darum ging, dass die Menschen einen besseren Zugang zu dem Gewässer erhalten.

Kierspe - Von einer gesicherten Anlage wie Fort Knox sprach dann auch Ratsmitglied Peter Philipp (CDU) und Markus Pempe sagte, er kenne die Talsperre nur von Karten und Sattelitenbildern. Und räumte auch dabei gleich einen Fehler ein: „Ich habe immer gedacht, dass die gesamte Sperre in Kierspe liege, dass wir hier in Wipperfürth stehen, habe ich gerade erst erfahren.“

Pempe war es, dem die Kiersper Politiker es zu verdanken hatten, dass es diese Führung überhaupt gab. Der CDU-Politiker nimmt als Kiersper Gesellschafter an den Sitzungen des Wupperverbandes teil – ein Amt, das er von Bernd Stubenrauch übernommen hat. Pempe hatte auch namhafte Unterstützung mitgebracht. Der CDU-Landtagsabgeordnete Ralf Nolten war gekommen. Nolten ist federführend bei dem Antrag „Freier Zugang zu Gewässern in NRW“ gewesen – einem Antrag, der einstimmig im Landtag verabschiedet wurde. Wer aber nun glaubte, dass der Berufspolitiker sich klar auf die Seite der Kiersper schlug, die eine Öffnung der Sperre für Besucher wünschen, wurde enttäuscht. Nolten sagte klar, dass man das Thema „differenzierter sehen“ müsse, und dass das Trinkwasser einen hohen Schutz genießen müsse. Statt einer kompletten Öffnung plädierte er vor allem für eingeschränkte Zugangsmöglichkeiten, die den Menschen einen Blick aufs Wasser ermöglichen.

Im Rahmen einer Führung wurde den Besuchern aus Kierspe die Talsperre und ihre Technik näher gebracht.

Das war ein Standpunkt, mit dem auch die Kiersper Politiker und der Vorstand des Wupperverbandes gut leben können. Nun wollen die Kiersper prüfen, ob solch eine – für beide Seiten akzeptable Zugangsmöglichkeit (Aussichtspunkt) geschaffen werden kann.

Georg Wulf, Vorstand des Wupperverbands, versprach darüber hinaus, in Zukunft auch kleineren Gruppen das Gelände in Form von Führungen zugänglich zu machen. Maximal zwei Besuche im Jahr und dann mit Gruppen bis 20 Personen könne er sich vorstellen. „Ansonsten bleibe ich hart bei der Ablehnung einer Öffnung. Überall dort, wo die Menschen freien Zugang zu Trinkwassertalsperren haben, gibt es Probleme mit der Vermüllung und nicht tolerierbarem Verhalten“, so Wulf.

Die Kiersper Besucher – insgesamt hatten mit CDU, FDP und UWG drei Fraktionen an der Führung teilgenommen – konnten sich am Montag aber sicher nicht beschweren, zu wenig von der Sperre gesehen zu haben. Jürgen Fries, Betriebsleiter beim Wupperverband, nahm sich viel Zeit, den Besuchern die Sperre zu erklären (Info-Kasten), lieferte Fakten zur laufenden Baumaßnahme und gewährte einen Einblick in den Kontrollraum am Fuße der Mauer und sogar einen kurzen – coronakonformen – Einblick in den Kontrollgang.

Um an den Fuß der Mauer zu gelangen, mussten die Besucher den Wanderweg nutzen, der von dem zugänglichen Stück der Mauer einen Hang hinunterführt. „Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, dann werden wir den Weg wieder in einen besseren Zustand versetzen“, versprach Wulf. Derzeit ist der Weg gesperrt, um die Wanderer nicht durch herabfallendes Material, das sich im Rahmen der Sanierung lösen könnte, zu gefährden.

Im Kontrollraum erfuhren die Besucher auch, dass sich notfalls der Betrieb auch bei einem Stromausfall aufrecht erhalten lässt und dass rund 50 000 Kubikmeter Wasser an das Wasserwerk abgegeben werden. Insgesamt liefern die beiden Sperren Kerspe und Herbringhausen rund 15 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr. Also exakt die Menge, die in die Kerspe-Talsperre passt.

Betriebsleiter Jürgen Fries erläuterte den Besuchern im Kontrollraum am Fuß der Mauer die Technik der Anlage.

Nachdem die Gruppe wieder auf der Mauer angekommen war, entspann sich erneut eine Diskussion um den Zugang. Gerd Rubel (CDU) führte aus, dass die Kerspe-Talsperre nur Nachteile für Kierspe gebracht hätte: „Sei es bei den Baugebieten, der Umgehungsstraße oder beim Gewerbe.“ Auch mahnte er an, dass der Verbindungsweg zwischen Antlenberg und Mühlenschmidthausen nach der Sanierung nicht wieder für alle Nutzer freigegeben worden sei und damit eine Vertragsverletzung vorliege. Dem widersprach Wulf entschieden: „Es gibt einen neuen Vertrag zwischen dem Wupperverband und der Stadt Kierspe und der regelt die Nutzung genauso, wie sie derzeit möglich ist.“

Eine Aussage, die auch gestern Bürgermeister Olaf Stelse gegenüber der Meinerzhagener Zeitung bestätigte: „Die derzeitige Regelung entspricht dem Vertrag, der zwischen der Stadtverwaltung und dem Wupperverband geschlossen wurde. Doch wir setzen uns dafür an, dass zukünftig auch die Anwohner aus Antlenberg und Rhienschenschmidthausen den Mittelteil des Weges mit ihren Pkw nutzen können, was derzeit nicht möglich ist.“

Die Kerspe-Talsperre

Die Kerspe-Talsperre wurde in den Jahren von 1908 bis 1912 gebaut. Ihre Mauer ist 360 Meter lang und im unteren Bereich rund 29 Meter stark, im oberen Bereich sind es sechs Meter. Ist die Sperre komplett gefüllt, fasst sie 15 Millionen Kubikmeter Rohwasser, aus denen dann im Wasserwerk Herbringhausen Trinkwasser für die Stadt Wuppertal gemacht wird. Umfangreiche Sanierungsarbeiten erfolgten in den Jahren 1992 bis 1995. Damals wurde auch die Mauer mit einer Betonwand auf der Wasserseite verstärkt. Die Luftseite, die unter Denkmalschutz steht, wurde damals nicht saniert. Das geschieht derzeit – mit einer geplanten Sanierungszeit von eineinhalb Jahren und Kosten von rund 3,5 Millionen Euro. Im unteren Bereich der Mauer stehen zwei kleine Turbinen, die jeweils 60 kW Strom unter Volllast produzieren. Die Talsperre befand sich bis vor rund fünf Jahren im Besitz der Wuppertaler Stadtwerke und wurde von diesen an den Wupperverband verkauft, der dadurch nun 14 Talsperren in seinem Besitz hat. Lediglich die Kerspe-Talsperre, die Talsperre Herbringhausen und die Große Dhünntalsperre dienen dabei der Trinkwasserversorgung der Stadt Wuppertal, die anderen Talsperren werden zur sogenannten Brauchwassergewinnung und im Hochwasserschutz eingesetzt.

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