Weihnachtliche Musik aus vergangenen Jahrhunderten

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Zu einem Konzert der leisen Töne hatten Martin Wanat, Antje Bischof und Andreas Koch eingeladen. ▪

KIERSPE ▪ Leise, zart, fast meditativ durchzog der Klang von zwei Gitarren und der Sopran Antje Bischofs am Sonntagabend die Kirche St. Josef.

Die Kerzen im Altarraum und an den Wänden spendeten ein warmes Licht und die 110 Besucher des „Konzertes zum Advent“ saßen ruhig und entspannt auf ihren Plätzen. Eingeladen hatten der Kiersper Gitarrist Andreas Koch, sein Duo-Partner Martin Wanat und die vielen Kierspern noch bekannte Sopranistin Antje Bischof, die viele Jahre mit ihrer Familie in der Volmestadt gewohnt hat und nun in Nümbrecht zu Hause ist. Ein Konzert der leisen Töne mit der Möglichkeit der Besinnung oder einfach nur des Genießens stellten diese 60 Minuten adventliche Musik als Anspruch.

Werke von Michael Praetorius, John Dowland, Luys de Narváez und Josquin des Prés standen auf dem Programm und zeigten einen Querschnitt adventlicher und weihnachtlicher Musik aus Europa aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Behutsam schlugen Andreas Koch und Martin Wanat ihre Gitarren an und gaben Antje Bischof den richtigen Ton für das erste Lied „Es ist ein Ros entsprungen“. Leise und mit viel Gefühl interpretierte Antje Bischof dieses erste der drei Lieder von Michael Praetorius. Michael Schultheiß war der Zivilname des bekannten Komponisten, der in Creuzburg bei Eisenach geboren war. Diese drei Lieder aus Musae sionia entstammen aus seiner mittleren Schaffenszeit und lehnen sich eng an die deutsche Tradition der protestantischen Choralbearbeitung an.

Aus dem Englischen hingegen kamen die Kompositionen John Dowlands, die ursprünglich für Sopran und Laute komponiert waren. Antje Bischof wurde hier von Andreas Koch auf einer elfseitigen Gitarre begleitet. Nach einem Sprung nach Spanien spielten Martin Wanat und Andreas Koch instrumental eine Komposition von Luys de Narváez, wobei Martin Wanat zu einer Vihuela gegriffen hat, die das Vorläuferinstrument der heutigen Gitarre ist. Sie unterscheidet sich im äußeren von der Gitarre durch eine Decke, die mit einem oder mehreren Schalllöchern und meist kunstvoll geschnitzten Rosetten versehen ist. Ihr Klang entspricht eher der einer Laute und kommt dadurch vielen Kompositionen aus dieser Zeit entgegen.

Auch das „Recercare concertate“ von Francesco da Milano wurde im Original für zwei Lauten geschrieben. Es war das Lieblingsstück von Karl V. von Spanien, der damit den Tod seiner Ehefrau betrauert hatte. 100 Jahre später schrieb der flämische Musiker Joanne Martelart eine zweite Stimme hinzu und das Ergebnis dieser Symbiose bekamen die Besucher des Konzertes zu hören. Besonders einfühlsam und schön interpretierte Antje Bischof als letztes Lied des Konzertes das „Minuit, Chrétiens“ von Adolphe Adam, ein französisches Weihnachtslied.

Ohne Zugabe wollten die Zuhörer das Trio nicht gehen lassen, welches als besonderes musikalisches Bonbon „Stille Nacht, heilige Nacht“ erklingen ließ und allen Besuchern noch eine schöne Adventszeit und Weihnachtszeit wünschte. ▪ geg

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