Jugendzentrum: Scheint die Sonne auch für Nazis?

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Im Internet begaben sich die Schüler auf die Suche nach Symbolen des Nationalsozialisten. Da stand das Hakenkreuz natürlich an erster Stelle.

Kierspe - In dem Lied „Ein Sommer nur für mich“ fragen die Mitglieder der Band „Ärzte“ „Scheint die Sonne auch für Nazis?“. Und dieser Frage gehen nun auch Schüler des siebten und achten Jahrgangs nach – im Rahmen eines Projektes im Jugendzentrum.

Von Johannes Becker

Die Nationalsozialisten, die die elf Gesamtschüler zu Beginn des Projektes auf großformatige Blätter gemalt haben, sehen alle ein bisschen wie Hitler aus – geschmückt mit Hakenkreuzen und White-Power-Darstellungen. Dass dieses Bild nur noch sehr bedingt mit den Nationalsozialisten zu tun habe, machte Christian Schwanke, Erzieher im Jugendzentrum, klar – und auch, dass die Verwendung vieler Symbole verboten ist und deshalb auch von den Neo-Nazis nicht mehr öffentlich gezeigt werden. Das wurde den Jugendlichen auch klar, als sie sich gestern im Internet auf die Suche nach Hakenkreuzen, Runen und rechtsextremen Zahlenkombinationen machten.

Bereits zum dritten Mal nutzt das Team des Jugendzentrums die Projektwoche der Gesamtschule, um das Thema Nationalsozialismus zu bearbeiten. „Im Kiersper Alltag spielt das zum Glück keine große Rolle, auch nicht an der Gesamtschule. Aber in anderen Städten, gar nicht weit von uns, sieht das ganz anders aus. Zum Beispiel in Lüdenscheid oder Radevormwald, dort gibt es eine große rechte Szene“, erklärt Schwanke. Grundsätzlich steht das Projekt bis zu zwölf Schülern offen. Mit einer Beteiligung von elf Gesamtschülern sind die Mitarbeiter der Einrichtung daher sehr zufrieden. „Vor allem in diesem Jahr, in dem zwei Jahrgänge fehlen, denn die Neuner sind im Praktikum und die zehnten Klassen haben die Berufsvorbereitung als Thema“, so Schwanke. Der Erzieher ist aber grundsätzlich mit dem Interesse der Jugendlichen sehr zufrieden, „wobei das auch sicher daran liegt, dass wir ein außerschulisches Projekt anbieten und auch kein Lehrer daran teilnimmt.“

Nachdem gestern der „typische Nazi“ Thema war, sollen heute „Opfer, Täter und Vorurteile“ betrachtet werden, dabei geht es auch um die Entstehung von Hass und Ideologien.

Morgen gibt es dann was auf die Ohren. Denn dann dürfen die Jugendlichen in rechte Musik hineinhören – und darüber reden. Dann geht es aber auch um die NS-Zeit und die Entstehung des sogenannten „Dritten Reiches“.

Letztgenanntes Thema wird auch am Donnerstag fortgesetzt – dann allerdings an einem authentischen Ort, denn in Köln wird das ehemalige Gestapo-Gefängnis besucht (siehe untenstehenden Info-Kasten). Die Jugend in der NS-Zeit und der Horror der Konzentrationslager sind am Freitag Thema.

Die Ergebnisse des Projektes werden am Samstag von 14 bis 18 Uhr in der Gesamtschule präsentiert.

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