Oft nicht mal die engste Familie

Bestatter müssen sich auf immer neue Regeln einstellen

In der alten Kapelle des Kiersper Friedhofs dürfen nur zehn Menschen gemeinsam an einer Trauerfeier teilnehmen. In die große Kapelle werden derzeit 15 Trauernde eingelassen.
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In der alten Kapelle des Kiersper Friedhofs dürfen nur zehn Menschen gemeinsam an einer Trauerfeier teilnehmen. In die große Kapelle werden derzeit 15 Trauernde eingelassen.

„Erst in der vergangenen Woche haben wir die Änderungen der Regeln bei Beerdigungen wieder so bekommen, dass wir von einem auf den anderen Tag reagieren mussten. Das ist für die Angehörigen natürlich furchtbar, wenn wir ihnen sagen müssen, dass sie am nächsten Tag mit deutlich weniger Menschen Abschied nehmen können, als geplant“, sagt Sina Wende, die gemeinsam mit ihrer Mutter Dorothea Hunsmann-Wende das gleichnamige Bestattungsunternehmen in Kierspe leitet.

Seit vergangener Woche dürfen wieder nur 15 Menschen zu einer Trauerfeier in die große Kapelle des Kiersper Friedhofs. In der alten Kapelle und auch in der in Rönsahl sind derzeit nur zehn Menschen zu einer Trauerfeier zugelassen. „Das ist schon sehr wenig. Selbst 15 Personen sind oft nicht einmal die engste Familie. Das ist für die Trauernden schon sehr belastend, wenn sie nicht gemeinsam Abschied nehmen können“, sagt Sina Wende. Im Freien sei man noch nicht wieder eingeschränkt worden. Wende: „Dort gelten natürlich auch nach wie vor der Mindestabstand und das Tragen von Masken.“ Nach der Beerdigung auf dem Friedhof ist dann offiziell Schluss mit der Feier, da ein gemeinsames Kaffeetrinken schon allein aufgrund der geschlossenen Cafés und Restaurants nicht möglich ist. „Das ist für manche auch kein großes Problem, andere leiden schon sehr darunter, da diese Einschränkung das Alleinsein in dieser Situation noch einmal verschärft“, so Wende.

Immerhin ist es nach wie vor möglich, dass die Angehörigen am offenen Sarg Abschied nehmen. Das geschieht in den Räumen des Bestattungsunternehmens. „Auch dort gelten natürlich die Abstandsregeln und das Tragen von Masken. Die Menschen, die von dem Verstorbenen Abschied nehmen möchten, müssen sich dann abwechseln. Es sei denn, sie leben in einem Haushalt zusammen“, erklärt die Bestatteterin. Grundsätzlich sei das Abschiednehmen am offenen Sarg aber nur dann möglich, wenn der Verstorbene nicht an Covid-19 gelitten hat. „Ist jemand mit oder an Covid-19 verstorben, bleibt der Sarg zu“, sagt Sina Wende.

Für die Bestatter selbst sei der Umgang mit Verstorbenen, die mit dem Coronavirus infiziert seien, kein neues Problem. „Wir haben immer wieder Verstorbene, die an einer Infektionskrankheit gelitten haben. Dafür gibt es bestimmte Verhaltensregeln, um die Mitarbeiter zu schützen. Wir sind aber sowieso sehr vorsichtig, da wir uns keinesfalls infizieren möchten. Zum einen natürlich wegen der gesundheitlichen Gefahren für uns und unsere Mitarbeiter, aber auch, weil wir verhindern möchten, dass es zu einer Quarantäne kommt, die dann das Unternehmen stilllegen könnte“, erklärt Sina Wende. Diese Vorsicht ist auch deshalb geboten, weil die Bestatter noch nicht geimpft seien. „Wir gelten zwar mittlerweile als systemrelevant, dadurch gehören wir zur Gruppe 3. Doch wann Menschen mit dieser Priorität geimpft werden, kann ja noch niemand sagen“, so Wende.

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