Wohnzimmer wird zum Tonstudio

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Erhebliche finanzielle Einbußen, keine Gemeinschaft und keine Auftritte, so stellt sich für die Bigband Swingsound und die anderen drei Ensembles der Musikgemeinschaft Kierspe die Zeit in der Coronvirus-Pandemie dar.

Kierspe - Seit Anfang März gibt es keine Proben mehr, keinen Zugang zum Probenraum. Die Auftritte sind abgesagt, die sozialen Kontakte beschränken sich auf soziale Medien. Gleichwohl sind die Musiker der Bigbands Swingsound und High Vol(u)me nicht untätig.

Denn Dirk Pawelka, Leiter der beiden Ensembles der Musikgemeinschaft Kierspe, hat am vergangenen Freitag ein besonderes Projekt initiiert. Es gibt die Filmmusik Captain Future: Dieser Song wird nun von jedem Musiker der Bigband Swingsound alleine Zuhause eingeübt und dann aufgenommen. Da wird das Wohnzimmer zum Tonstudio und der Computer von Dirk Pawelka zum Mischpult.

Denn der Leiter der beiden Bigbands – bei High Vol(u)me steht eine ähnliche Aufgabe auf dem Plan – wird Musik und Bilder zusammenfügen. „Das ist eine große Herausforderung“, sagt Clemens Wieland, Vorsitzender der Musikgemeinschaft, „da fällt jedes musikalische Schummeln auf“. Es mache aber auch sehr viel Spaß. Denn beim Zusammenspiel von beispielsweise vier Trompeten falle es nicht so auf, da werde man von den anderen getragen.

Doch Zuhause spiele man ganz alleine, ohne Rhythmusbegleitung, ohne andere Instrumente. „Es ist aber auch ein Licht am Ende des Tunnels“, freut sich Wieland auf das besondere Projekt, das voraussichtlich schon in der kommenden Woche über die sozialen Medien veröffentlicht werden soll. Denn Wieland spricht von einer erheblichen Belastung für die Musikgemeinschaft: Seit März keine Probe mehr, die Vatertagsveranstaltung bei Axels Rauk abgesagt, der Auftritt bei der UWG Nachrodt zum 50-Jährigen abgesagt, das Schlossinnenkonzert in Ostwig am 27. Juni abgesagt, und für das Gastspiel bei „Genuss am Fluss“ in Werdohl am 27. August erwartet man ebenfalls eine Absage, da es bis Ende des Monats keine großen Veranstaltungen geben darf.

„Wir wollen aber gemeinsam Musik machen“, beschreibt Wieland, dass man derzeit auf (physische) soziale Distanz geht. Ob es mit dem Vorhaben „Swing meets Classic“ im November klappt, steht noch in den Sternen. Ähnliches gilt für High Vol(u)me – die hätten eigentlich am 1. Mai in Bollwerk beim Maibaumaufstellen und am 8. Juni beim Europafest in Frankreich spielen sollen – „Sixx4Jazz“ und die Rockband: Keine Proben, keine Auftritte.

Was für die Musikgemeinschaft und ihre Ensembles natürlich auch erhebliche finanzielle Folgen hat. Allein durch den Überschuss, den die Bigbands bei der Vatertagsveranstaltung einspielen, könne sich die Gemeinschaft fast ein Jahr finanzieren. Dies fällt ebenso weg wie die Gagen, die man für Auftritte erhalten hätte. „Wir müssen auf unsere Rücklagen zurückgreifen“, erklärt Clemens Wieland, dass die Musikgemeinschaft sich durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und Gagen finanziert und keine Unterstützung und Förderung erhält. Keine soziale Gemeinschaft, finanzielle Einbußen und kein Erreichen der musikalischen Ziele sind die Coronavirus-Folgen.

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