„Amphetamin das Klo hinunter-gespült“

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Kierspe/Lüdenscheid - Weil es einem 30-jährigen Kiersper offensichtlich rechtzeitig vor einer Wohnungsdurchsuchung gelungen war, Amphetamin das Klo hinunter zu spülen, wurde er jetzt nur zu einer Geldstrafe verurteilt.

Offenbar wenig willkommen waren drei Polizeibeamte, die an der Haustür eines 30-jährigen Kierspers klingelten. Erst tat sich lang Zeit gar nichts, dann öffnete sich die Tür ein wenig und wurde den Beamten sofort wieder vor der Nase zugeschlagen.

"Klospülung wurde mehrfach betätigt"

Was sich dann in der Wohnung abspielte, schilderte einer der Beteiligten so: „Die Klospülung wurde mehrfach betätigt.“ Und da die Beamten ausgerückt waren, um dem Verdacht eines unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln nachzugehen, lag eine Schlussfolgerung nahe: „Es sah so aus, als sei tatsächlich Amphetamin das Klo hinuntergespült worden.“ Darauf deutete auch der Geruch des Aufputschmittels hin, den die Beamten im Badezimmer der Wohnung wahrnahmen. Der Angeklagte erzählte gestern im Amtsgericht Lüdenscheid eine etwas andere Geschichte: Es sei ihm nicht darum gegangen, jemanden draußen zu halten. Vielmehr habe er wegen einer akuten Magen-Darm-Erkrankung und dem damit verbundenen Druck ganz schnell die Toilette aufsuchen müssen.

Polizisten stellten Wohnung auf den Kopf

Die Polizisten, die wenig Grund hatten, an ihrer Version der Geschichte zu zweifeln, ließen sich von dem anfänglichen Misserfolg nicht verdrießen. Vielmehr stellten sie auf der Grundlage des mitgebrachten Durchsuchungsbeschlusses die Wohnung auf den Kopf, überprüften Verpackungsmaterial und Tütchen, kratzten in vorhandenen Ritzen und bekamen auf diese Weise noch 1,5 Gramm der verbotenen Substanz zusammen.

Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte

Dazu kamen 18 Gramm einer unbekannten Substanz, die die toxikologische Analyse als Koffein identifizierte – eine häufige Beigabe in Amphetamin-Pillen. Die gefundenen 1,5 Gramm Amphetamin reichten zusammen mit dem Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte für eine Anklage. Für diesen Tatbestand genügt es schon, Polizeibeamten die Tür vor der Nase zuzuschlagen.

„Wir alle wissen, was passiert ist“

„Zu der Geschichte mit der Magen-Darm-Infektion will ich gar nicht viel sagen“, zeigte sich Richterin Kristina Thies skeptisch. „Das kann man glauben, muss man aber nicht.“ Der Angeklagte habe schlicht „Glück“ gehabt, dass es ihm gelungen sei, das Beweismittel rechtzeitig zu vernichten: „Wir alle wissen, was in der Wohnung passiert ist, als die Beamten vor der Tür standen.“ Sie verurteilte den 30-Jährigen wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und unerlaubten Besitzes von lediglich 1,5 Gramm Betäubungsmitteln zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 40 Euro und lag damit zwischen dem Anträgen des Vertreters der Anklage (70 Tagessätze) und Strafverteidiger Friedhelm Wolf (30). Der Angeklagte nahm das Urteil sofort an.

Ratten wenden sich angewidert ab?

Nicht überliefert wurde übrigens, wie die Ratten in der Kanalisation die unverhoffte Spülung aufnahmen. Fete oder ein angewidertes Sich-Abwenden? – Ratten sollen ja schlaue Tiere sein.

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