Drei Monate Haft – ohne Bewährung

Kierspe - Drei Monate auf Bewährung hatte der Angeklagte für einen Diebstahl bekommen. Damit war die Staatsanwaltschaft aufgrund der Vorstrafen nicht einverstanden. Das Schöffengericht am Hagener Landgericht bewertete den „Werdegang“ auch anders als die Kollegen in Meinerzhagen und widerrief die Bewährung.

Von Johannes Becker

Gefühlt nahm alleine das Verlesen der Straftaten und der ergangenen Strafen die Hälfte der Verhandlungszeit in Anspruch. Letztlich wurde bei einer dreimonatigen Haftstrafe, die das Amtsgericht Meinerzhagen im letzten Fall verhängt hatte, die Bewährung widerrufen. Damit muss der aus Kierspe stammende 39-jährige Angeklagte nun für ein Vierteljahr ins Gefängnis – nicht das erste Mal, dass er zu einem Freiheitsentzug verurteilt wurde.

Der Kiersper kann oder besser gesagt muss auf ein Leben zurückschauen, das von privaten Rückschlägen, einer schweren Heroinabhängigkeit und vielen Gerichtsterminen geprägt ist.

Seit Ende der 1990er Jahre wurde er immer wieder straffällig und auch immer wieder verhaftet und verurteilt. Fahren unter Drogeneinfluss, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Diebstahl, schwerer Diebstahl, Erwerb von Betäubungsmitteln, Hehlerei, Strafvereitelung und Hausfriedensbruch. Viele der Straftaten wiederholen sich – vor allem die Diebstähle, mit denen der Angeklagte versuchte, seine Drogensucht zu finanzieren. Meist hatte das Diebesgut geringen Wert. Mal Parfüm für 70 Euro, mal ein Hemd für 24 Euro und dann wieder Handschuhe und andere Lederwaren für 80 Euro. Da fiel ein Brillengestell für 250 Euro schon fast aus dem Rahmen, genau wie der Einbruch in ein Kiersper Autohaus, wo er einen Computer und ein Handy stehlen wollte, aber von der Polizei noch in den Geschäftsräumen verhaftet wurde.

Neben Geld-, Bewährungs- und Haftstrafen gab es von den jeweiligen Richtern auch immer wieder die Auflage, sich Therapien zu unterziehen. So kamen über die Jahre zahlreiche Entgiftungen, zwei abgeschlossene Therapien und eine abgebrochene Therapie zusammen.

Im vergangenen Jahr war der Täter auch einige Zeit drogenfrei, bis er im September rückfällig wurde und in einem Kiersper Baumarkt Werkzeug entwendete, um dieses zu verkaufen und von dem Erlös Heroin zu erwerben. Doch daraus wurde nichts. Noch im Laden wurde er erwischt und später von einem Meinerzhagener Amtsrichter zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt – ausgesetzt zur Bewährung. Damit wollte sich die Staatsanwaltschaft aber nicht zufrieden geben.

Deshalb wurde am Dienstag vor dem Landgericht in Hagen erneut verhandelt. Wobei nicht die eigentliche Tat im Mittelpunkt stand, sondern das Strafmaß.

Vor den Plädoyers von Staatsanwältin und Verteidigung kam auch noch der Bewährungshelfer des Kierspers zu Wort. Dieser bescheinigte dem Angeklagten den Willen zur Zusammenarbeit und auch, dass dieser seine Termine zur Methadonabgabe gewissenhaft einhalte: „Der Angeklagte wird im Klinikum Lüdenscheid betreut. Das ist eine anspruchsvolle Substitutionsstelle, nicht so ,luschig’ wie viele andere. Da muss man pünktlich morgens früh erscheinen, sonst fliegt man raus.“ Doch letztlich konnte auch diese Fürsprache das Schöffengericht nicht zur Milde verleiten. „Mit den drei Monaten sind sie noch gut bedient, hätten die Meinerzhagener sechs Monate verhängt, wären diese hier auch bestätigt worden“, so der vorsitzende Richter bei der Urteilsbegründung.

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