Berufung endet mit Einstellung des Verfahrens und deutlich geringerem Schmerzensgeld

Nach Schlag auf die Nase bricht das Nasenbein

Berufung endet mit Einstellung des Verfahrens und deutlich geringerem Schmerzensgeld
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Berufung endet mit Einstellung des Verfahrens und deutlich geringerem Schmerzensgeld

Manchmal zahlt sich Hartnäckigkeit auch vor Gericht aus: Das Amtsgericht verurteilte einen Angeklagten aus Kierspe Anfang 2020 zu einer Geldstrafe von 90 Tagesätzen, was in der Summe eine Zahlung von weit mehr als 1000 Euro an die Staatskasse zur Folge gehabt hätte.

Kierspe - Dazu kamen 1000 Euro Schmerzensgeld für das Opfer, das einen „mit massiver Gewalt“ ausgeführten Schlag auf die Nase bekommen und dadurch einen Nasenbeinbruch erlitten hatte. So jedenfalls stellte es das Amtsgericht fest, gegen dessen Entscheidung der Kiersper in Berufung ging.

Letztlich hatte er damit Erfolg: Die Prozessbeteiligten einigten sich auf eine Einstellung des Verfahrens und ein stark reduziertes Schmerzensgeld: Sobald er 300 Euro an das mutmaßliche Opfer der Attacke bezahlt hat, schließen sich die Aktendeckel über der Sache endgültig. Damit gab sich auch die Hauptbelastungszeugin zufrieden, die sich vom Gericht eine „schnelle Verhandlung“ wünschte.

Da seine Ex-Freundin letztlich als Zeugin nicht mehr angehört werden musste, trug nur der Angeklagte seine Version der Ereignisse vor: Demnach kam er Ende März 2019 zu nächtlicher Stunde an einer Wohnung in Meinerzhagen vorbei, auf deren Balkon sie kichernd und rauchend zusammen mit ihrer Freundin gestanden habe. Diese habe ihn dann aufgefordert reinzukommen.

„Wieso rauchst Du?“

Dort habe er seine damalige Freundin wegen des Glimmstängels zur Rede gestellt: „Wieso rauchst du?“ Daraufhin habe er von ihrer Freundin ohne weitere Vorwarnung mehrere Ohrfeigen bekommen. An einen eigenen Schlag konnte er sich nicht erinnern. Deshalb habe ein Anruf seiner Freundin und die Drohung einer Strafanzeige ihn völlig überrascht: „Ich konnte das gar nicht glauben. Ich hatte nichts gemacht. Meine Freundin war der Meinung, dass ihre Freundin sie nicht anlügt.“

Ich konnte das gar nicht glauben. Ich hatte nichts gemacht.

Angeklagter vor dem Amtsgericht

Denn bei dem angeblichen Schlag auf die Nase waren die Beteiligten offenbar unter sich. Aber selbst die Frage, ob die Ex-Freundin den oder die Schläge gesehen hätte, war strittig.

Auch die Geschichte des Angeklagten, wie es zu der erheblichen Verletzung gekommen sein könne, überzeugte nicht: „Ich habe schon bessere Geschichten gehört“, bemerkte der Vorsitzende Richter Dr. Christian Voigt. Das vom Angeklagten gezeichnete Bild eines saufenden und rauchenden Monsters sei nicht schlüssig. Und es gab eine weitere Frage zum Verhalten des Kierspers in jener Nacht: „Warum gingen Sie in die Wohnung?“ Die bisherigen Aussagen der beiden Belastungszeuginnen waren offenbar ebenfalls nicht von wünschenswerter Klarheit: „Wir haben eine völlig offene Beweissituation“, stellte der Vorsitzende fest.

Und so verzichteten alle Beteiligten an diesem Prozess auf eine mögliche Fortsetzung der Streitigkeiten jener Nacht und einigten sich schließlich auf ein kleines Schmerzensgeld. Denn viel mehr war bei dem Angeklagten, der seinen Job coronabedingt verloren hatte, nicht mehr zu holen.

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