Berufsorientierung spielt große Rolle an Gesamtschule

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Lehrer, Schüler und Kooperationspartner freuen sich über die erneute Verleihung des Berufswahl-Zertifikats.

Kierspe - Wenn Hans-Georg Englmann über die Berufsorientierung an der Gesamtschule spricht, für die er zuständig ist, findet er kein Ende. Nicht weil er schwafelt, sondern einfach, weil dieses Gebiet einen so großen Raum an der Schule einnimmt und über die Jahre so angewachsen ist, dass die Vielfalt kaum zu beschreiben ist.

Doch genau diesen Versuch unternahmen nun Lehrer, Schüler und Projektpartner im Gespräch mit der MZ.

Es ist gerade einmal eine Woche her, da wurde der Schule ihre hohe Kompetenz im Bereich der Berufsvorbereitung offiziell bescheinigt, mit der Übergabe des Zertifikats als „Berufswahlorientierte Schule in der Märkischen Region“ durch die Agentur Mark – und das bereits zum zweiten Mal (die Meinerzhagener Zeitung berichtete).

„Von dem 5. bis zum 13. Jahrgang werden die Schüler in jedem Jahr mit der Berufsvorbereitung konfrontiert. Insgesamt gibt es 15 Pflichtmodule, die jeder Schüler absolvieren muss, darüber hinaus gibt es Module, die die Schüler freiwillig absolvieren können, insgesamt hat so jeder Schüler theoretisch die Möglichkeit, an 21 Modulen teilzunehmen“, erzählt Englmann. Zu diesen Modulen gehören Praktika im achten, neunten und elften Jahrgang, wobei das Praktikum in der Acht bereits eingeführt wurde, da wussten andere Schulen noch gar nicht, was Berufsfelderkundung ist.

Längst ist es selbstverständlich geworden, dass die Schule eng mit Kooperationspartnern aus der Wirtschaft zusammenarbeitet, diese in Info-Veranstaltungen einbindet oder mit ihnen maßgeschneiderte Projekte entwickelt. Allein mit der Firma GWK gibt es elf verschiedenen Projekte, zu denen auch der Girls Day oder ein spezielles Angebot für eine kleine Schülergruppe gehören, die die Firma als anderen Lernort mehrtägig kennenlernen. „Durch diese Zusammenarbeit bekommen wir die Möglichkeit, die verschiedenen Berufe, in denen wir ausbilden, vorzustellen und bekannter zu machen“, erklärt Martin Bremicker, Leiter der Ausbildungswerkstatt bei GWK. „Natürlich nutzen wir auch die Chance, uns die Schüler im Rahmen des Praktikums genauer anzusehen und zu schauen, ob er auch als Auszubildender zu uns passen würde“, ergänzt Sascha Kampkes, der als Serviceleiter im Autohaus Knabe arbeitet. Allein in diesem Autohaus verbringen jährlich vier Schüler ihr Praktikum in der achten Jahrgangsstufe.

Wie wichtig für die Schüler solche Praktika und andere Module zur Berufsvorbereitung sind, erklärt Niklas Tenzer. Der Schüler des 13. Jahrgangs entdeckte seine Liebe zur Technik im gleichnamigen Wahlpflicht-Unterricht, im achten Jahrgang folgte dann das erste Praktikum bei GWK. „Da wusste ich, dass das genau das Richtige für mich ist. So habe ich mir auch wieder ein Praktikum im technischen Bereich für die Neun gesucht“, erzählt Tenzer. Nach den Wochen bei der Firma Fuchs war für den jungen Mann klar, dass er auch im elften Jahrgang wieder in diesen Bereich wollte. Heute, kurz vor seinem Abitur, ist für ihn klar, dass er Maschinenbau studieren möchte – am liebsten in einem dualen Studium.

Gero Land, ein Schüler des zwölften Jahrgangs, sieht das ganz ähnlich. Gleich drei Praktika verbrachte er bei heimischen Banken. Für ihn kommt nach dem Abitur auch kein anderer Arbeitgeber in Frage. „Ich habe während der Aufenthalte in den Banken so viel Bestätigung bekommen, dass ich mir nichts anderes vorstellen kann.“

Aber auch in der Schule selbst nimmt die Wirtschaft eine immer größere Rolle ein. So beispielsweise in der Schülerfirma, in der bis zu 15 Schüler in den Pausen Snacks und Getränke verkaufen, bei Veranstaltungen Angebote machen oder auch Waffeln backen und verkaufen. Einkäufe, Buchführung und Abstimmung finden ausschließlich in der Freizeit statt. „Den Schülern sind der wirtschaftliche Erfolg und der Teamgeist, den sie erfahren, Motivation genug, um mitzuarbeiten“, freut sich Lehrerin Kerstin Eichmann, die dieses Projekt koordiniert.

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