Berufskolleg an Freier Schule kommt später

Das geplante neue Berufskolleg Agrarwirtschaft und Umwelt der Freien Schule ist wichtig, wie Geschäftsführer Heiko Kositzki informiert, um den Schülern der alternativen Bildungseinrichtung einen Sek II-Abschluss anzubieten.

KIERSPE ▪ Mit dem neuen Berufskolleg Agrarwirtshaft und Umwelt will die Freie Schule einen eigenen Weg in Richtung Hochschulreife beschreiten. Mit dem Starttermin gibt es nun aber Probleme.

Geplant war ursprünglich, dass schon nach den Sommerferien mit dem Schuljahr 2012/13 gestartet werden sollte. Doch vor kurzem flatterte den Eltern, die ihre Kinder angemeldet, hatten ein Brief ins Haus, in dem die Freie Schule darüber informiert, dass für den Start keine ausreichende Schülerzahl zusammengekommen ist und aus dem Grund der Start zum beabsichtigten Termin abgesagt werden muss.

Dass der Beginn schwierig werden würde, wusste Heiko Kositzki von vornherein, dass es aber so problematisch werden würde, hatte er nicht vermutet. „Wir hatten 15 Anmeldungen. Die Bezirksregierung jedoch fordert für den Betrieb mindestens 20“, betont der Geschäftsführer der Freien Schule. Die Schüler kamen aus Kierspe, Meinerzhagen, Halver, Schalksmühle, Lüdenscheid und Attendorn. Bemühungen, dass im Rahmen einer Sondergenehmigung mit einer geringeren Schülerzahl angefangen werden konnte, scheiterten. Was nicht zuletzt auch bedauerlich für die damit verbundene Steigerung der Vielfalt und Attraktivität der Schullandschaft in Kierspe sowie im gesamten heimischen Raum ist.

Hinzu kam natürlich, dass sich für die Schule der Start auch betriebswirtschaftlich darstellen lassen muss, was bei einer so niedrigen Schülerzahl schwierig sei, besonders im zweiten und dritten Jahr, so der Geschäftsführer. Dabei ist er sicher, dass das Berufskolleg nach der Startphase einen regen Zulauf haben wird, weil es es eine interessante Alternative für viele Schüler darstellt. Hinzu komme, so Kositzki weiter, dass das Angebot Agrarwirtschaft und Umwelt optimal zur Konzeption der Freien Schule sowie ebenfalls ihrem Umfeld passt. „Uns steht eine Fläche von 14 Hektar zur Verfügung, auf denen dann verschiedene Pflanzen angebaut werden können“, erläutert er, dass es unter anderem eine praktische Ausrichtung geben wird. Schon im Vorgriff wurde jetzt Mess- und Analysetechnik für den theoretischen Naturwissenschaftsunterricht angeschafft, so dass vieles an notwendiger Ausstattung bereits vorhanden ist.

Während der Anmeldezeit musste Heiko Kositzki feststellen, dass viele Eltern leider erst kurzfristig von dem neuen Angebot gehört hatten, obwohl er die Informationen und Handzettel Ende 2011 gestreut hatte. Das wertete der Geschäftsführer als sehr schade. Dabei sind die Vorbereitungen konzeptionell wie von der Genehmigungsseite her bereits so weit gediehen, dass es mit mehr Schülern sofort hätte losgehen könnte. Dies gilt für die Schulaufsicht wie für die geplante Errichtung noch notwendiger Erweiterungsbauten. „Hier ist uns die Stadt sehr entgegengekommen und hat uns unterstützt“, betont Kositzki und lobt gleichermaßen Bürgermeister Frank Emde, Olaf Stelse als Beigeordneten und Rainer Schürmann vom Bauplanungsamt.

Allein bislang, schätzt er, sind im Rahmen der Vorbereitung für die Freie Schule schon Kosten von rund 18 000 Euro für Werbemittel oder auch die Planung des Anbaus entstanden, der ganze Arbeitsaufwand noch nicht mitgerechnet. „Das darf ich nicht in den Sand setzen“, bemerkt er. Daher wird der Start bloß auf 2013 verschoben. Bis dahin, hofft der Geschäftsführer, sollen dann auch genügend Schüler zusammensein. Aus Fehlern, die jetzt im Verfahren passiert sind, werde gelernt und alles im zweiten Anlauf besser gemacht.

Das Berufskolleg stellt eine wichtige Perspektive für die Freie Schule und ihre Schüler dar sowie natürlich auch für welche, die von anderen Schulen ans Berufskolleg wechseln möchten. Aus dem Grund wird konsequent an der Umsetzung festgehalten. Dabei, so Kositzki, könnten die Erweiterungsbauten allerdings sukzessive errichtet werden.

Ausgefallen ist zudem praktisch in letzter Minute noch der vorgesehene Leiter Thilo Frisch, der längerfristig erkrankt ist. „Die Leitungsfrage kann aber kurzfristig geregelt werden“, hat der Geschäftsführer keinerlei Zweifel. Jetzt bleibt ihm genügend Zeit, um in aller Ruhe die weiteren Gespräche mit der Bezirksregierung zu führen. Außerdem denkt Kositzki als weitere Möglichkeit noch über eine Kooperation mit einem anderen Berufskolleg nach. So ist er optimistisch, dass bis zum nächsten Jahr der Weg für das neue Angebot endlich geebnet werden kann.

Von der Struktur her gibt es am Berufskolleg im ersten Jahr Praktika mit begleitendem Unterricht und dann im zweiten Jahr nur noch Unterricht. Verfolgt wird als Leitbild eine nachhaltige Entwicklung, die Umweltaspekte mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten gleichberechtigt miteinander verbindet. Fachliche Inhalte sollen im Einzelnen Agrartechnologie, allgemeine Ökologie, Naturschutz und Landschaftspflege, vernetztes Denken in Theorie und Praxis sowie betriebliches Umweltmanagement sein.

Rolf Haase

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