Turnen, Feldhandball und Prellball: TV Berkenbaum blickt auf 125 Jahre zurück

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Der Sportplatz des TV Berkenbaum ist auf diesem alten Foto aus den 1950er-Jahren gut zu erkennen.

Kierspe - Kein geringerer als der langjährige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Johannes Rau war der Schirmherr der Festtage, die der Turnverein Berkenbaum zu seinem 100-jährigen Bestehen feierte. Das ist mittlerweile auch schon wieder 25 Jahre her – ein weiterer Grund, diesen besonderen Geburtstag zu feiern.

Das wird am Samstag, 31. August, geschehen. Dann präsentieren sich in der Zeit von 11 bis 16 Uhr die verschiedenen Abteilungen des TV Berkenbaum (TVB) auf dem Vereinsgelände (heute Tennisanlage), während ab 19.30 Uhr in der vereinseigenen Turnhalle alle, die beim TVB sonst immer mithelfen und arbeiten, einmal mit Freunden, Nachbarn und anderen das besondere Jubiläum feiern können.

Damit wird auch schon deutlich, dass der TVB zu den wenigen Vereinen gehört, die nicht nur über eine eigene Sportanlage, sondern auch über eine Turnhalle verfügen und beides ohne Unterstützung von dritter Seite unterhalten. 

Und dies auch trotz gesellschaftspolitischer Änderungen: Denn im Jahr 1894 war es wohl im Wesentlichen Turnvater Jahn, der die Menschen in Berken veranlasste, einen Verein ins Leben zu rufen, um sich sportlich zu ertüchtigen – zu turnen – und dafür nicht weite Wege auf sich nehmen zu müssen.

Erfolgreiche Zeit mit dem Feldhandball

Aus der kleinen Zelle, wie es in der Jubiläumsschrift zum 100-jährigen Bestehen hieß, ist im Laufe der Zeit ein Verein mit einer beachtlichen und relativ gleichbleibender Mitgliederzahl von 350 bis 400 geworden. Was zweifellos auch daran lag, dass sich die sportlichen Angebote des Vereins änderten: Das Turnen geriet mehr und mehr in den Hintergrund.

Die erste Handballmannschaft im Jahr 1929/30.

Dafür nahmen (Feld-) Hand-, Volley-, Prellball – eine Sportart, die den TV Berkenbaum aufgrund der großen Erfolge bundesweit bekannt machte – , Tennis und andere Sportarten ihren Platz ein. Voraussetzung, Sport vor Ort betreiben zu können, sind natürlich entsprechende Anlagen: Von 1922 bis 1928 wurde der erste Sportplatz gebaut, der Ende der 1950er-Jahre eine 100-Meter-Laufbahn erhielt.

Die Prellballer können auf zahlreiche große Erfolge zurückblicken.

Nach der Hochzeit des Feldhandballs verlagerten sich die Aktivitäten zum Prellball und zum Tennis. Der Sportplatz wurde in der bestehenden Form nicht mehr benötigt, daher entstanden auf dem Gelände ab 1980 zwei Tennisplätze, fünf Jahre später ein dritter. Und 1991/92 auch ein Tennisheim. Zudem war nicht nur Anfang der 1960er-Jahre ein Ehrenmal – im Übrigen wie das meiste andere auch durch Eigenleistungen – gebaut worden, sondern ebenso war ein Umkleide- und Duschraum an den alten Turnsaal (der große Raum in der heutigen Gaststätte Haus Berkenbaum) errichtet worden.

Da der Platz in diesem Turnsaal – in dem im Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeiter untergebracht wurden, die Sportler mussten in die Schule Berken ausweichen – bald nicht mehr ausreichte, errichteten die Mitglieder des TVB in den Jahren 1973 bis 75 ihre eigene Turnhalle, der etwa ein Jahrzehnt später um einen Gerätetrakt erweitert wurde.

Männer aus stillen einsamen Dörfern

Der Turnverein Berkenbaum war am 29. April 1894 von 41 turnfreudigen „Düörmärkern“ gegründet worden, ist in einer Festzeitschrift zu lesen und weiter: „Es waren Männer aus jenen einsamen, stillen Dörfern und Ortschaften, die rechts und links des Volmeflußes von Oberbrügge bis Vollme gelegen sind.“ Nach dem Kriegsende 1945 war der TVB kurzzeitig eine Abteilung des Zentralvereins, zu dem auch Kierspe 1879, Jahn 04 und später Rönsahl gehörten. Doch schnell wurde der Verein wieder eigenständig – kurzzeitig sogar unter dem Namen V.f.L. Berkenbaum.

Spielmannszug und Theatergruppe

Natürlich gab es auch beim TVB in der langen 125-jährigen Geschichte einige Besonderheiten, die wenig bis nichts mit Sport zu tun hatten, aber wesentlich zum gesellschaftlichen Miteinander beigetragen haben dürften. So war bereits im Jahr 1897 ein Spielmannszug gegründet worden. Ein Jahr danach wurde gar ein Raucherclub ins Leben gerufen und um die Jahrtausendwende war eine Theatergruppe (unter der Leitung von Fritz Linde) aktiv.

Die Frauenturnriege in Vereinskleidung vor 91 Jahren.

Letzte Aufführung dieser Gruppe war beim 75-Jährigen des TVB. Über viele Jahre gab es ebenfalls den Männergesangsverein „Heimatklänge“ und ebenso die berühmt-berüchtigten „Buschklepper“, die mittels Gesang Sport und gesellschaftliches Leben von der humoristischen Seite betrachteten. Aktuell gibt es sieben unterschiedliche Möglichkeiten, sich beim TVB sportlich aktiv zu betätigen:

Heute Prellball und Tennis erfolgreich

Neben Prellball und Tennis sind dies das Mutter-/Vater-Kinder-Turnen, Gymnastik 50+, Tai-Chi, Aerobic und – noch relativ neu – Fußball. Nach den „Blauen Bombern“, eine Fußballmannschaft, die es in dern 1980er-Jahren gab, heißt die Freizeitmannschaft nun Dreamteam.

Die Tennis-Abteilung zählt heute zu den größten beim TV Berkenbaum.

Dagegen spielt Feldhandball, der mehr als sechs Jahrzehnte eine Erfolgsgeschichte auf Berken war, heute keine Rolle mehr. Noch erfolgreicher war die Prellball-Abteilung des TVB: Die Teams gewannen Deutsche Meisterschaften und noch heute spielen die Damen in der Prellball-Bundesliga. Das Problem insbesondere bei den Männern ist, dass sie nach Ende der Schulzeit ins Studium und damit weggehen, nicht mehr trainieren können, erklärt TVB-Vorsitzender Uwe Alberts. Auch wenn sie zwischendurch oder nach dem Studium wieder zurückkommen würden.

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