Rund 2000 mal zu schnell unterwegs

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Um die Zahlen schwerer Unfälle mit Toten und Schwerverletzten zu reduzieren setzt das Netzwerk Geschwindigkeit auf sich widerholende Kontrollen an den gleichen Messpunkten.

Kierspe – „Die Geschwindigkeit ist die Hauptursache für schwere Unfälle“, da ist sich Matthias Baumeister von der Polizei sicher. Der Leiter des Netzwerkes Geschwindigkeit nutzte die Sitzung des Umwelt- und Bauausschusses eben dieses Netzwerk und seine Arbeit vorzustellen.

„Als wir das Netzwerk 2009 gründeten, war unser Ziel die damals hohen Unfallzahlen mit Schwerverletzten und Toten deutlich zu senken. Das ist uns gelungen. Hatten wir damals noch rund 80 Unfälle dieser Art, sind es seit Jahren rund 50 Prozent weniger“, führte der Beamte aus.

Mittel der Wahl seien wiederkehrende Geschwindigkeitskontrollen an den Unfallschwerpunkten. Dafür arbeiteten die Polizei, der Kreis und alle Kommunen zusammen, wobei Iserlohn und Lüdenscheid besonders gefordert sind, weil sie ihre Fahrzeuge, mit denen Geschwindigkeitskontrollen möglich sind, in die Arbeit des Netzwerkes eingebracht haben.

„Jede Kommune kann ihre Unfallschwerpunkte melden. Letztlich entscheidet eine Unfallkommission bei ihren regelmäßigen Zusammenkünften über die Maßnahmen“, erklärte Baumeister. Bei den Meldungen von problematischen Bereichen riet Baumeister aber davon ab, jede 30er-Zone zu melden, „wo 37 statt 30 gefahren wird“.

Tempo 30 war aber das Stichwort, zu dem Gudrun Hornemann, Leiterin des Fachdienstes Verkehrsordnungswidrigkeiten des Märkischen Kreises (Bußgeldstelle), etwas zu sagen hatte.

Hornemann hatte nämlich die Zahlen mitgebracht, die sich aus dem Einsatz der mobilen Geschwindigkeitsanlage ergeben haben, die in den vergangenen beiden Jahren an der Friedrich-Ebert-Straße im Einsatz war.

2018 wurde dort der sogenannte „Enforcement Trailer“ erstmals im ganzen Kreisgebiet eingesetzt. Der Wagen ist nicht nur in der Lage Fahrzeuge auf beiden Fahrspuren zu messen, er kann auch verschiedene Geschwindigkeiten, die zu unterschiedlichen Zeiten auf dem gleichen Streckenabschnitt gelten, messen.

2018 wurden insgesamt 623 Geschwindigkeitsverstöße bearbeitet, wovon 23 zu einer Anzeige führten. Im Jahr 2019 stand das Gerät deutlich länger am Felderhof, sodass 1364 Geschwindigkeitsverstöße verfolgt werden konnten, 46 davon führten zu Anzeigen.

Ursprünglich war geplant, den mobilen Blitzer deutlich häufiger an dieser Stelle einzusetzen. Doch die dauernden Angriffe, denen das Gerät ausgesetzt war, führten zu einer Änderung in den Überlegungen des Kreises. „Wir hatten 2018 keinen Tag, in denen es nicht zu Beschädigungen kam. Mal wurde die Scheibe nur mit einem Döner zugeschmiert, mal wurde Farbe eingesetzt, um das Gerät unwirksam zu machen. Dazu kam, dass die Alarmanlage häufig in den Nachtstunden auslöste, wenn es Beschädigungsversuche gab. Das führte zu vielen Beschwerden durch die Anwohner“, erklärte Hornemann.

Der „Enforcement Trailer“ wurde in den vergangenen beiden Jahren immer wieder an der Friedrich-Ebert-Straße (Felderhof) eingesetzt.

Jede Beschädigung habe dazu geführt, dass Techniker aus Iserlohn nach Kierspe fahren mussten, um den „Enforcement Trailer“ zu reparieren oder zu säubern. „Das ist schon ein ziemlicher personeller Aufwand“, so die Leiterin der Bußgeldstelle. Die Fachdienstleiterin räumte aber auch ein, dass es im vergangenen Jahr deutlich weniger Beschädigungen gegeben habe.

Grundsätzlich würde man aber beim Märkischen Kreis überlegen, die seit Jahren defekte stationäre Messstelle (Starenkasten) durch eine neue Messsäule (Vitronic-Säule) zu ersetzen. Gegen Vorwürfe, es werde auch oft dort geblitzt, wo man viel Geld machen könne“ wie sie Peter Christian Schröder von den Freien Wählern Kierspe erhob, verwehrte sich die Mitarbeiterin des Kreises: „Wir blitzen nur dort, wo Gefahren bestehen, es Unfallschwerpunkte gibt oder uns Anwohner bitten, tätig zu werden.“ Sie unterstrich, dass sie hier nur über die Praxis des Märkischen Kreises und nicht für die Polizei oder die Kommunen, die eigene Messfahrzeuge betreiben, spreche.

Hoffnung wollte Hornemann den geplagten Anwohnern der K 3 im Kerspetal oder den Ausflüglern, die diese Straße gerne für Radfahrten nutzen würden, nicht machen. Hermann Reyher hatte die Situation angesprochen, da Motorradfahrer die kurvenreiche Straße am Wochenende gerne für Ausflüge nutzen.

„Bei Motorradfahrer haben wir gleich zwei Probleme. Wir blitzen grundsätzlich von vorne. Dort gibt es aber am Zweirad kein Kennzeichen. Aber selbst wenn es dieses gäbe, bliebe die Ermittlung des Fahrers erfolglos, da dieser unter dem Helm nicht eindeutig identifizierbar ist“, führte Hornemann aus.

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