Bergung unter deutlich erschwerten Bedingungen

Zum Glück musste am Ende der Übung nur eine – wenn auch 90 Kilogramm schwere – Puppe geborgen werden. Dabei kam es vor allem auf die Unterstützung der Helfer am Boden an.

KIERSPE ▪ Unfälle mit Lastwagen, Bussen, Wohnmobilen aber auch Geländewagen und sogenannten SUVs machen ein besonderes Vorgehen der Feuerwehr notwendig. Um in solchen Fällen Hilfe zu leisten, muss auf Bühnen gearbeitet werden. Doch dort finden nur wenige Helfer Platz. Ein spezieller Simulator ermöglicht es nun den Wehrleuten, sich auf solche Situationen vorzubereiten. Die ersten vier Kiersper Helfer haben bereits an einem speziellen Training teilgenommen.

„Früher kamen Unfälle mit sogenannten hochgestellten Fahrzeugen so gut wie nie vor. Mittlerweile haben wir – auch bedingt durch die Zunahme des Güterverkehrs – einen bis zwei Unfälle im Jahr, wo wir auf Bühnen und damit unter extrem schwierigen Bedingungen arbeiten müssen“, erklärt Wehrleiter Georg Würth, der seine Feuerwehrleute bei dem Training im Kreis Siegen-Wittgenstein begleitete.

„Übungen an einem Personenwagen sind einfach. Da bekommt man immer mal einen Wagen von einem Verwerter. Bei Lastwagen sieht das ganz anders aus. Deshalb haben zwei Firmen, die Rettungsgeräte herstellen, einen Simulator gebaut, an dem sich unter realistischen Bedingungen üben lässt. Spezielle austauschbare Module ermöglichen es, alle Rettungsgeräte zum Einsatz zu bringen. Die Wehrleute können schneiden, spreizen und sägen wie bei einem echten Lkw. Doch nach dem Ende der Übung geht der Wagen nicht in die Presse, sondern wird für den nächsten Einsatz hergerichtet. Dadurch wird die Übung sehr realitätsnah“, freut sich Würth über die neuen Möglichkeiten der Übung. Er führt weiter aus: „Setzt ein Wehrmann beispielsweise die Rettungsschere an der falschen Stelle an, dann ertönt ein Warnsignal, der Instruktor unterbricht dann die Übung und bespricht den Fehler. Bei einem reellen Unfall wäre dann eventuell der Airbag aufgegangen und hätte die Retter oder die Insassen des Fahrzeugs gefährdet. Das macht nur deutlich, wie unverzichtbar auch bei Lkw-Unfällen Rettungskarten sind, auf denen vermerkt ist, wo wir unser Rettungsgerät ansetzen können.“

Aber die Übung am Simulator mache auch deutlich wie beschwerlich das Arbeiten in der Höhe ist. So wiegt die Kabinentür eines Lkw rund 100 Kilogramm. Ein Sichern, um ein Herabstürzen zu vermeiden, ist unvermeidlich, denn die beiden Wehrleute auf der Arbeitsbühne könnten die Tür nicht halten.

So lasse sich auch kein abgeschnittenes Dach von Hand wegtragen. Vielmehr müssten hydraulische Rettungszylinder eingesetzt werden. Außerdem müsse man beim Einsatz von Trennschneidern darauf achten, dass der Funkenflug keinen Brand in der Schlafkabine des Fahrers verursache.

„Die Übung im Kreis Siegen-Wittgenstein hat gezeigt, dass wir in diesem Bereich noch viel tun müssen“, so Würth, der in der kommenden Woche vier weitere Wehrleute auf einen solchen Kursus schickt – dann steht der Simulator in Hagen bei der Berufsfeuerwehr. „Ich könnte mir aber auch gut vorstellen, dass wir den Wagen mal für ein Wochenende mieten, um dann – vielleicht gemeinsam mit der Meinerzhagener Feuerwehr – noch mehr Leute zu schulen.“

Für die Insassen der hochgestellten Fahrzeuge wäre dieses sicher wünschenswert. Denn als zum Ende der Übung eine rund 90 Kilogramm schwere Puppe geborgen wurde, erlebten die Wehrleute noch einmal ganz deutlich, wie problematisch solch eine Rettung auf einer schmalen Bühne ist. Da muss jeder Handgriff im Zusammenspiel mit den Helfern auf dem Boden sitzen. „Bei einem Ernstfall gibt es nun mal keinen zweiten Versuch“, so der Kiersper Wehrleiter. ▪ Johannes Becker

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