Unbekannte stehlen Teddys vom Kindergrab

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Jeden Tag kommt Kerstin Holve zum Grab ihrer Tochter Celine-Sophie, meist mit ihrem Sohn Leon. Viel zu oft muss sie dabei einen neuen Diebstahl feststellen. ▪

KIERSPE ▪ Immer wieder werden von dem Grab der kleinen Celine-Sophie Stofftiere und Skulpturen gestohlen. Trotz Anzeigen und regelmäßigen Besuchen fehlt von dem Täter bislang jede Spur.

Es sind die Gräber, die Friedhofsbesucher innehalten lassen, auch wenn sie mit den Verstorbenen weder bekannt noch verwandt sind. Zu groß für ein Urnengrab und zu klein für eine „normale“ Grabstelle macht schon der flüchtige Blick klar, das dort ein Mensch begraben wurde, der viel zu früh gestorben ist. Betritt man den Rönsahler Friedhof von unten kommend über die Steintreppe, dann befinden sich drei dieser Gräber gleich am Anfang des Gräberfeldes. In einem davon liegt Celine-Sophie. Nur neun Wochen nach der Geburt wurde bei dem kleinen Mädchen ein Gehirntumor festgestellt. Doch wie durch ein Wunder waren Operation und Chemotherapie erfolgreich. Gerade als die Eltern wieder Vertrauen fassten und auf eine normale Entwicklung ihrer kleinen Tochter hofften, kam der Rückschlag. Kurz nach dem ersten Geburtstag des Kindes trat ein Immundefekt auf, der verbunden mit den Folgen der Chemotherapie zum Tod des Kindes im Alter von 17 Monaten führte.

Für die Eltern des kleinen Mädchens ändert der Tod des Kindes aber nichts an der Liebe zu ihrer Tochter. Seit mehr als zwei Jahren vergeht im Grunde kein Tag, an dem nicht Vater oder Mutter – meist aber beide – an dem Grab stehen, die Schnittblumen wechseln und an die viel zu kurze gemeinsame Zeit zurückdenken. Doch vom ersten Tag an, wurde den beiden der Weg auf den Friedhof von Unbekannten noch schwerer gemacht, als er ohnehin schon ist. Denn bereits am Tag der Beerdigung wurde ein kleiner Stoffbär, der auf dem kleinen Hügel aus Blumengestecken und Kränzen saß, entwendet.

Dieser Diebstahl sollte nicht der letzte bleiben. Bereits kurze Zeit später fehlte auch ein neues Kuscheltier, das die Eltern auf das Grab gesetzt hatten. „Mittlerweile ist acht Mal etwas von dem Grab gestohlen worden“, erzählt Mutter Kerstin Holve. Sechs Mal hat sie bereits bei der Polizei in Meinerzhagen Anzeige erstattet – bislang ohne Erfolg.

Holve: „Wir hatten am Anfang gedacht, es wären vielleicht Kinder oder Tiere, die die Teddys mitgenommen hätten. Doch im Winter konnten wir deutlich sehen, dass es wohl ein Erwachsener war. Im frisch gefallenen Schnee führte eine einzige Fußspur zu dem Grab unserer Tochter und dort fehlte wieder ein Stofftier. „Die Schuhgröße lag über der 43, die mein Mann trägt“, so Holve.

Nach den ersten Diebstählen war lange Zeit nichts entwendet worden. Doch dann ging es wieder los. Eine kleine Landschaft, beleuchtet mit dezenten weißen Leuchtdioden hatten die Eltern ausgesucht und Weihnachten auf das Grab der Tochter gelegt, die Batterie extra noch ein paar Zentimeter tief eingegraben. Doch bereits nach wenigen Tagen war die Landschaft samt Energiespender verschwunden. Besonders schmerzlich war kurze Zeit später der Verlust eines Keramikengels. „Der hatte die gleiche liegende Haltung wie unsere Tochter. Deshalb haben wir die kleine Figur gekauft und vorsichtshalber unter den kleinen Busch auf der Mitte des Grabes gelegt“, erinnert sich die Mutter. Doch auch diese Vorsichtsmaßnahme nützte nichts. Denn bereits nach wenigen Tagen war die Figur verschwunden. Holve: „Jedes Mal, wenn wieder etwas gestohlen wurde, haben wir alle Mülltonnen durchgeschaut und auch in den Hecken nachgesehen, doch gefunden haben wir nie etwas“, erzählt die Mutter, die einfach die Motivation des Täters nicht versteht: „Wenn uns jemand schaden möchte, dann würde derjenige doch sicher den Grabstein beschmieren oder die Pflanzen rausreißen. Doch das ist noch nie passiert.“ Allerdings kann sich die Rönsahlerin auch nicht erklären, was der Täter mit den Stofftieren anfangen könnte: „Ich habe mit einem wasserfesten Stift unter jeden Teddy unseren Familiennamen geschrieben. Da kann doch niemand wirklich Spaß dran haben. Außerdem hat die Witterung den Stofftieren, wenn sie denn mal einige Tage oder Wochen auf dem Grab standen, stark zugesetzt. Mit solch einem Tier will doch kein Kind mehr spielen.“

Nachfragen beim Friedhofsamt blieben ebenfalls ohne Ergebnis, dort hatte man keine Hinweise auf eine Häufung von Diebstählen auf den beiden kommunalen Friedhöfen. Und auch der Polizei ist nichts von vermehrter krimineller Aktivität bekannt.

In ihrer Verzweiflung hat sich Kerstin Holve jetzt an die beiden Nachbarn gewandt, die von ihren Wohnhäusern auf die kleine Grabstelle im unteren Teil des Rönsahler Friedhofs schauen können. „Die Anwohner haben uns auch versprochen, stärker darauf zu achten. Hoffentlich nützt das was.“

▪ Johannes Becker

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