Die Bemühungen der Kooperation sind messbar

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Kooperationsmitglied Christoph Klose, Stadtwerke-Mitarbeiterin Friedrike Mürkens und Marius Bußmann (v.l.), Berater bei der Landwirtschaftskammer, vor einem Gülle-Silo, das von den Stadtwerken mitfinanziert wurde. ▪

KIERSPE ▪ „Wir waren auch bereits vor dem Zusammenkommen der Kooperation auf einem guten Weg. Doch früher war es tatsächlich mehr Konfrontation als Kooperation in der sich die Landwirtschaft mit dem Wasserversorger befand“, erinnert sich Peter Braches, Leiter der Kerspe-Talsperre, an längst vergangene Tage.

Doch nicht nur in Kierspe, das im Einzugsbereich der Talsperre liegt, gab es Probleme zwischen Versorgern und Landwirten. Letztlich auf Vermittlung des Umweltschutz-Ministeriums kam es zu einer Einigung, die als Ergebnis die Schaffung der Kooperationen zwischen Landwirtschaft und Wasserwirtschaft zur Folge hatte. 21 Jahre ist dieser Beschluss, der im Düsseldorfer Ministerium gefällt wurde, nun alt. Zwei Jahre später (1991) wurde dann die Kooperation in Kierspe ins Leben gerufen.

42 Landwirte waren dort damals versammelt, um gemeinsam mit dem Wasserversorger Wege zu finden, die Qualität des Trinkwassers zu verbessern, ohne Verluste für den eigenen Betrieb hinnehmen zu müssen.

Letztlich war und ist das nur möglich, weil die Stadtwerke Wuppertal, in deren Besitz sich die Kerspe-Talsperre befindet, den Landwirten Ausgleichszahlungen gewähren.

Am deutlichsten wird die Einschränkung, mit der die Landwirte im Trinkwasserschutzgebiet leben müssen, bei der Möglichkeit zur Ausbringung der Gülle, zu der diese Landwirte zwei Monate weniger Zeit haben als ihre Kollegen, die außerhalb solcher Gebiete ihre Höfe haben. Damit verbunden war für die Kiersper Landwirte der Bau größerer Gülle-Silos. Aber auch regelmäßige Bodenuntersuchungen, mit denen der Landwirt nachweist, dass er den Boden nicht überdüngt, müssen in kürzeren Abständen erfolgen. Die Mehrkosten die durch die großen Silos und die häufigeren Untersuchungen entstehen, übernehmen die Stadtwerke.

„Außerdem müssen die Landwirte im Wasserschutzgebiet einen größeren Abstand zu den Gewässern einhalten“, erklärt Friedrike Mürkens, die bei den Stadtwerken Wuppertal für die Kooperation zuständig ist. Während der Gesetzgeber vorschreibt, dass auf einem Streifen von 15 Metern neben dem Bachlauf nicht gedüngt werden darf, sind es im Schutzgebiet 30 Meter. „Den größeren Ausfall durch diesen Abstand zahlen natürlich wir“, so Mürkens.

Neben diesen Ausgleichszahlungen (rund 40 000 Euro im vergangenen Jahr für Fördermittel und Beratungsleistung) genießen die Landwirte, die Mitglied in der Kooperation sind, eine kostenlose Beratung durch Marius Bußmann, der bei der Landwirtschaftskammer angestellt ist. Der Agraringenieur steht den Bauern zur Seite, wenn es um Fragen des Anbaus und der Düngung geht. Bußmann hilft aber auch bei Antragstellungen und unterstützt bei Verhandlungen mit den Stadtwerken.

Mittlerweile sind die Bemühungen, die die Kooperation unternommen hat, auch messbar. „Lag der Nitratgehalt vor 20 Jahren noch bei rund 15 Milligramm pro Liter Kerspewasser sind es jetzt etwas mehr als zehn Milligramm“, erklärt Barches, der darauf hinweist, dass die Kerspe rund 60 Prozent des Wassers liefert, das in der Talsperre gesammelt wird. Der Talsperrenleiter ist mit diesem Wert sehr zufrieden: „Damit belegen wir in Deutschland sicher einen Spitzenplatz. Der Grenzwert liegt bei 50 Milligramm pro Liter.“

Probleme machen den Wasserversorgern mittlerweile auch immer mehr die privaten Grundstücksbesitzer. „Die Pflanzenschutzmittel, die wir bei unseren Untersuchungen finden und gefunden haben, stammen nicht aus der Landwirtschaft“, so Mürkens, die damit zu dem Schluss kommt, dass die Landwirte umweltbewusster seien, als die Gartenbesitzer.

In der Zukunft soll das Augenmerk der Kooperation stärker auf die Wasserver- und -entsorgung der Höfe gelegt werden. Außerdem läuft derzeit ein Versuch, der sich mit dem Ausbringen der Gülle beschäftigt. „Ziel ist es dabei, den optimalen Zeitpunkt zu finden, an dem der Boden die Gülle aufnehmen kann. Denn wenn der Boden mit Feuchtigkeit übersättigt ist, wird die Gülle abgeschwemmt und landet unter Umständen im Wasser“, erklärt Braches. ▪ Johannes Becker

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