Beirat ist die erste Adresse bei allen Seniorenfragen

Aufsehenerregend: Im Mai 2006 wurde das Stadtgebiet auf Rollstuhl- und Gehhilfentauglichkeit getestet.

KIERSPE ▪ Der demografische Wandel sorgt für große Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur und der Gesellschaft, die die Politik in vielen Bereichen vor neue Herausforderungen stellen.

Die Menschen werden immer älter und die Zahl der Alten nimmt weiter zu, weil parallel auch die Geburtenzahlen rückläufig sind. In dem Bewusstsein hat der Rat gezielt Akzente gesetzt und unter anderem aus dem früheren Sozialausschuss nach der Kommunalwahl den Sozial- und Seniorenausschuss gemacht, um die Senioren mehr in den Fokus zu rücken. Aber es soll nicht nur über Seniorenthemen gesprochen werden, sondern die älteren Menschen sollen trotzdem weiterhin ihr Mitbestimmungsgremium behalten und aus dem Grund soll auch die jahrelange, erfolgreiche Arbeit des Seniorenbeirats fortgesetzt werden.

Darüber freut sich ganz besonders die Seniorenbeauftragte der SPD, Helga Stahl, die dieses Gremium in den vergangenen Jahren geleitet und in sehr kreativer Weise mit Inhalten gefüllt hat. Ob es einen Test des Stadtgebiets auf seine Rollstuhl- und Gehhilfentauglichkeit gab, praktische Bewegungsübungen für Senioren mit einer Physiotherapeutin, einen Bürgerbustest und vieles mehr. Einmal im Jahr hat sie über die Arbeit im Fachausschuss berichtet.

Im Seniorenbeirat sind alle Vereine mit Delegierten vertreten, die sich mit Seniorenarbeit befassen wie Arbeiterwohlfahrt, Sozialverband und DRK-Ortsverein, Mitglieder sind zudem die städtische Altenstube, das Seniorentanzteeteam, die Kirchen und Gemeinden, die Stadtverwaltung und die im Rat vertretenen Parteien. Der Beirat berät die parlamentarischen Gremien wie Rat und Ausschüsse sowie auch die Stadtverwaltung in allen Fragen rund um ältere Menschen. Eine wichtige Aufgabe ist es zudem, die Öffentlichkeit über die Probleme von Senioren zu informieren, Anregungen und Wünsche aus dieser Bevölkerungsgruppe an die zuständigen Stellen weiterzugeben und deren Bearbeitung dann selbstverständlich auch weiterzuverfolgen.

Für ganz wichtig hält Stahl es in Kierspe, die Ergebnisse der Seniorenbefragung aus dem Jahr 2008 im Blick zu behalten und zu versuchen, einige der Verbesserungsvorschläge umzusetzen wie mehr Querungshilfen, Bordsteinabsenkungen und rollstuhlgerechte Fußwege allein im Bereich Verkehr sowie mehr Angebote für ältere Menschen wie Diskussionen, Ausflüge oder einen Besuchsdienst im Bereich Kontakte. Beim Bau von alten- und rollstuhlgerechten Wohnungen, dem Verzicht auf Treppen im Stadtgebiet sowie neuen Angeboten des betreuten Wohnens ging es um die Wohnsituation von Senioren. Und auch Informationen wurden gewünscht oder Fahrangebote und Einkaufshelfer.

Als jetzt feststand, dass der Beirat erneut gebildet werden soll, fiel auf, dass versäumt worden war, in die Geschäftsordnung ebenfalls einen Wahlmodus aufzunehmen, was aber demnächst nachgeholt werden soll. Helga Stahl bleibt dem Gremium als Vorsitzende zumindest bis dahin erhalten. Doch gilt ihre gute Arbeit ohnehin auch als unstrittig und daher war es für die FDP, die mit Nils Dietrich den Vorsitzenden des Sozialausschuss stellt, klar, die engagierte Seniorenbeauftragte der SPD zu fragen, ob sie die Arbeit weitermachen würde.

„In Halver erfolgt die Neuwahl alle zwei Jahre. Von der Landesseniorenvertretung wird jedoch vorgeschlagen, die Wahl immer zusammen mit der Neubildung nach der Kommunalwahl vorzunehmen“, macht die Vorsitzende aufmerksam. Sie informiert außerdem, dass es in Nordrhein-Westfalen in rund 140 Kommunen Seniorenbeiräte gibt, in der Nachbarstadt Meinerzhagen bislang allerdings noch keinen, wie sie bedauert.

Inzwischen ist die Einladung für die erste Sitzung des Beirates rausgegangen, die am Montag, 15. März, um 17 Uhr im Bürgerzentrum des Rathauses anberaumt ist. Dann steht erst einmal die Wahl eines neuen stellvertretenden Vorsitzenden auf der Tagesordnung, da Manfred Hamatschek vom früheren Reichsbund Rönsahl sein Amt zur Verfügung gestellt hat. Vorgeschlagen ist Johann Grella von der FDP.

Auch über die weitere Arbeit der Seniorenvertretung soll dann diskutiert werden: „Wichtig wäre mir analog zur aufsuchenden Jugendarbeit in Zukunft auch eine aufsuchende Seniorenarbeit“, macht sich Helga Stahl schon erste eigene Gedanken. Sie begründet die Idee damit, dass es kein Problem sei, über die verschiedenen Gruppen die Bürger zu erreichen, die in diesen aktiv seien. Schwieriger sei es aber bei denen, die keinen Kontakt hätten und nirgendwo hingingen. Interessiert zeigt sich die Sozialdemokratin auch an der Generation 50 plus, also an den künftigen Senioren. Zudem möchte sie Aktionen initiieren, die das Trennende der Generationen aufbrechen, so dass also die Jungen mit den Alten etwas unternehmen und es zu generationsübergreifenden Kontakten kommt. „Wichtig wäre es zudem, wenn Seniorenthemen viel mehr als bisher Thema würden bei allen gesellschaftlichen Gruppen und auch den politischen Parteien“, meint Stahl.

Außerhalb der Tagesordnung soll in der Sitzung noch Sigrid Lauterjung, der nach dem Ausscheiden von Iris Hacker-Maack einzigen städtischen Seniorenbeauftragten, Gelegenheit gegeben werden, sich und ihre Arbeit vorzustellen: So hat sie im Rathaus Beratungszeiten an jedem ersten Dienstag im Monat, informiert über Seniorentreffs, Freizeit-, Kultur- sowie Bildungsangebote und zeigt Möglichkeiten auf, wie ältere Menschen aktiv werden und sich engagieren können. Auch Wohnen im Alter ist ein Thema, in dem sie sich auskennt, wie auch bei den ambulanten Pflegediensten, Pflegeheimen, Essen auf Rädern, Hausnotrufen oder Hilfen in Krisenzeiten.

Zu der ersten Sitzung des Gremiums sind alle Vereine, Verbände, Kirchen und Parteien aufgerufen, ihre Delegierten zu entsenden. „Falls Mitglieder ausscheiden, sollte nicht versäumt werden, Nachfolger zu benennen“, bittet Helga Stahl. Ansonsten sind alle Sitzungen aber auch öffentlich, so dass interessierte Bürger immer teilnehmen können.

Der Seniorenbeirat ist Mitglied der Landesseniorenvertretung und erhält von dieser umfangreiche Materialien, um auch hinsichtlich neuer Gesetze stets auf dem Laufenden zu sein. „Ich bekomme regelmäßig sehr interessante Broschüren und Schriften wie zu aktivem Alter, altengerechte Stadt, Sport und Bewegung als Senior oder Pflegeversicherung“, berichtet Stahl.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare