Sperrmüll: Nur noch sechs Abfuhren im Jahr möglich

Für die Abfuhr des illegal entsorgten Grünschnitts muss letztlich der Waldbesitzer zahlen. - Archivfoto: Kasprowiak

Kierspe - Um Kierspern, die unbedacht oft die Sperrmüllabfuhr rufen, um mitunter nur einen einzelnen Gartenstuhl abzuholen, in Zukunft dieses Handeln zu verwehren, hat der Ausschuss für Umwelt und Bauen beschlossen, die Abholpraxis zu verändern. Stimmt nun auch noch der Rat zu, darf jeder Haushalt in Zukunft sechs Sperrmüllabfuhren im Jahr beantragen – auf Wunsch der CDU erst einmal auf ein Jahr zur Probe.

Klaus Müller, der bei der Stadt Kierspe für die Entsorgung zuständig ist, schilderte noch einmal die Fälle, in denen eine Abfuhr von Sperrmüll beantragt wird, tatsächlich aber kaum sperriges Gut am Straßenrand steht: „Ich habe gerade noch einen Antrag bearbeitet von einem Kiersper, der allein in diesem Jahr 22 Mal das EntsorgungsFahrzeug hat kommen lassen.“

Die Freien Wähler hatten, nachdem die Meinerzhagener Zeitung vor einigen Monaten über die Problematik berichtete, beantragt, dass die Zahl der Abfahrten reglementiert wird. Dem schlossen sich am Dienstag auch die anderen Parteien und Wählergemeinschaften mit Mehrheit an, lediglich die CDU wollte eine einjährige Probezeit, da die Christdemokraten befürchten, dass „frustrierte“ Bürger ihren Sperrmüll dann illegal in der Natur entsorgen könnten.

Diese Sorge trieb die Freien Wähler auch um, als sie in ihrem Antrag forderten, in Zukunft Grünschnitt kostenlos, an zusätzlichen Tagen und auch in Rönsahl anzunehmen. Davon wollte die Verwaltung und letztlich die Mehrheit der Politiker aber nichts wissen.

In ihrer Begründung führte die Verwaltung aus, dass die bisherige Praxis – am Bauhof zu eingeschränkten Zeiten und unter Aufsicht den Grünschnitt gegen Gebühr anzunehmen – zu keinen nennenswerten Beschwerden geführt habe. Im vergangenen Jahr habe man 120 Tonnen Grünabfall eingesammelt, dadurch seien Kosten von rund 21 700 Euro entstanden, eingenommen habe man lediglich rund 8050 Euro.

In anderen Kommunen sei die Entsorgung des Grünschnitts anders geregelt, dort habe man, aufs Stadtgebiet verteilt, Container aufgestellt, in die der Grünschnitt geworfen werden könne. Das würde aber zu einer deutlich steigenden Menge führen, Fehlwürfe seien vorprogrammiert und der Reinigungsaufwand im Umfeld erheblich. Außerdem würden dann auch die Kiersper zur Kostendeckung herangezogen, die aufgrund ihrer Wohnsituation in großen Mehrfamilienhäusern nicht zu dem Grünschnittaufkommen beitragen würden. Eine Ansicht, die auch von den Grünen geteilt wurde.

Die Verwaltung räumte zwar ein, dass vermutlich „ein nicht unerheblicher Teil der Grünabfälle aus Gründen der Gebührenersparnis den Weg in die freie Landschaft sucht.“ Dass es sich dabei um ein Eigentumsdelikt und eine Ordnungswidrigkeit handele, sei den Verursachern dabei wohl egal.

Trotz dieser Vermutung sagte Müller: „Wenn Abfall aus privaten Gärten im Wald eines Privatbesitzers landet, dann ist dieser für die Entsorgung zuständig und nicht die Stadt.“ Diese Position machte sich auch Oliver Busch von der SPD zu eigen: „Wenn ein Privatmann seinen Grünschnitt in den Wald fährt und dort auf dem Grundstück eines privaten Waldbesitzers abkippt, dann geht das die Stadt nichts an.“

Dem widersprach Dieter Grafe (UWG) entschieden: „Die Waldbesitzer müssen ihre Wälder für jeden öffnen und bei den Schranken darauf achten, dass diese ohne Probleme von Radfahrern und Spaziergängern passiert werden können. Doch wenn die dann ihren Müll in unsere Wälder werfen, dann will die Stadt nichts davon wissen.“

Das hielt ihn aber nicht davon ab, für die Beibehaltung der Regelung zu stimmen, wie alle anderen Politiker auch – bis auf Peter Christian Schröder von den Freien Wählern.

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