„Bei Mathe denkt man einfach zu kompliziert“

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Jan Kolm und Yasemina Buran waren vor der Prüfung voller Zuversicht. ▪

KIERSPE ▪ Dicht gedrängt standen die Schüler der zehnten Klassen am Donnerstagmorgen vor den Türen zur ihren Klassenräumen an der Gesamtschule. Hier und da wanderten Zettel mit Notizen hin und her. Äpfel, Butterbrotdosen und eine Vielzahl unterschiedlicher Getränke hielten sie in den Händen. Etwas Nervosität war bei allen zu spüren, auch wenn der eine dies mit lockeren Sprüchen herunterspielen wollte, während andere eher schweigsam waren.

Die zentrale Abschlussprüfung in Mathematik stand an. Nach Deutsch und Englisch in den vergangenen Wochen fiel damit am Mittwoch die Entscheidung über die Lebenswege der Gesamtschüler, zumindest für die nächsten Jahre. Für den einen ging es um die Zulassung für die Oberstufe und damit die Möglichkeit, sein Abitur zu machen, für den anderen stand nur das Bestehen der Prüfung auf dem Plan, um nach den Sommerferien eine Ausbildungsstelle antreten zu können.

Spannung herrschte somit auch bei Yasemina, Alina, Jan und Christian: „Welche Aufgaben müssen wir wohl lösen? Welchen Schwierigkeitsgrad gilt es zu bestehen?“ Und noch andere Fragen spukten auch in ihren Köpfen herum, ehe es zur Prüfung in die Klassenräume ging.

Ebenfalls dem Abteilungsleiter der Stufe 9/10, Johannes Gläßer, standen ein paar Schweißperlen auf der Stirn. Per verschlüsselter E-Mail waren die Prüfungsaufgaben am Nachmittag des Vortages in der Schule eingetroffen, und im Beisein von zwei Schulleitungsmitgliedern auf einem nicht mit dem Internet verbundenen Rechner entschlüsselt worden. Neben den Aufgaben waren dann gestern alle Schüler der immerhin neun Mathe G- und E-Kurse pünktlich in der Schule. „Ich bin schon etwas aufgeregt, aber es gibt keinen Nachschreiber. Alle sind angetreten“, war Gläßer erleichtert, da er in diesem Jahr zum ersten Mal die Verantwortung für die Prüfungen hatte.

„Handys aus oder besser gar nicht dabei“, hieß dann um 9 Uhr im Kursraum von Mathelehrerin Pia Litkewitz. Bis kurz nach 11 Uhr hieß es dann für die Schüler, ihr Wissen parat zu haben und nicht an den Aufgaben zu verzweifeln.

„Das ist schon ein kleines Abi“, betonte Gläßer, während die Schüler schon über den Aufgaben brüteten. Die Abschlussprüfungen in Deutsch, Englisch und Mathematik machen 50 Prozent der Gesamtnote in diesen Fächern aus. Die andere Hälfte wird aus den beiden Halbjahresnoten der zehnten Klasse ermittelt. Mit der Deutschprüfung waren Lehrer und Schüler in diesem Jahr sehr zufrieden, während die Arbeiten in Englisch „schon anspruchsvoll waren“, betonten sie gemeinsam.

„Immer wenn ich ein gutes Gefühl habe, wird’s schlecht“, sagte Alina bei abfallender Anspannung nach der Prüfung, „obwohl es nicht super schwer war“. Jan haderte eher mit der Länge der Klausur, denn „unsere halbe Note hängt davon ab. Ich fand die Zeit arg kurz.“ Mit einer „Popcorn-Aufgabe“ beschäftigte sich Yasemina noch eine halbe Stunde nach der Arbeit.

Auch Lehrerin Pia Litkewitz schaltete sich in das Gespräch der Schüler auf dem Pausenhof ein: „Es war sehr viel Text dabei. Die Aufgaben an sich waren einfach, aber die Schüler denken viel schwieriger.“ Dies bestätigte auch Yasemina: „Bei Mathe denkt man einfach viel zu kompliziert.“ Alina wollte die Last dann ganz abstreifen und anscheinend erstmal nicht mehr an die Arbeit denken. „Bitte hört auf zu reden“, war ihr Kommentar zum Gespräch über eine Aufgabe, die ihr wohl nicht besonders gelegen hatte.

Die Zukunftspläne der jungen Kiersper hängen jetzt – obwohl schon relativ klar – auch von dieser Abschlussprüfung ab. Jan hat schon eine Ausbildungsstelle in Wipperfürth, Yasmina möchte in die Oberstufe und Christian macht seinen Realschulabschluss im nächsten Jahr am Berufskolleg nach. Auch Alina hat schon eine Ausbildungsstelle. Sie will Rettungssanitäterin werden.

Nach der Prüfung war der Schultag für die Schüler noch nicht beendet: Im folgenden Unterricht ging wahrscheinlich schon der ein oder andere Gedanke an den Tag der Notenbekanntgabe am 29. Juni. Erst danach kann gefeiert oder vielleicht auch etwas getrauert werden. „Und dann sind wir von der Schule auch noch zum Wandertag verpflichtet worden“, sahen die Schüler am Ende des Gesprächs schon wieder ein Problem auf sich zukommen, das sie wahrscheinlich jedoch etwas leichter ertragen können als die gerade beendeten Prüfungen. ▪ David Schröder

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