Reinhard Distel: Rückblick auf ein erfülltes Leben

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Bürgermeister Frank Emde gratulierte am Montag Reinhard Distel zum 90. Geburtstag.

KIERSPE - 90 Jahre ist es her, da wurde Reinhard Distel in Kierspe geboren – und wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er seine Heimatstadt wohl nie verlassen – doch da machte ihm der Zweite Weltkrieg einen Strich durch die Rechnung.

Von Johannes Becker

In Windfuhr geboren zog Distel im Alter von fünf Jahren mit seinen Eltern ins neu gebaute Haus an der Straße An der Währ, in dem er heute noch lebt. Nach dem Besuch der Pestalozzischule trat er 1938 als Lehrling in den Dienst der Deutschen Reichsbahn, für die er zunächst in Kierspe tätig war. Mit Vollendung seines 17. Lebensjahres wurde Distel Reichsbahngehilfe und als vollwertige Arbeitskraft an den Bahnhöfen, Lüdenscheid, Meinerzhagen, Krummenerl und ab 1942 wieder in Kierspe eingesetzt.

Doch auch der Staatsdienst bewahrte den Kiersper nicht vor einer Einberufung in die Wehrmacht. Für den Dienst in der Kanzel eines Kampfflugzeugs auserkoren, begann im Januar 1943 ein Ausbildungsmarathon, der den jungen Mann durch das ganze damalige Deutschland, aber auch durch Belgien und Pommern führte.

Doch letztlich sorgte der Spritmangel dafür, dass Distel nicht mehr aus der Luft in das Kriegsgeschehen eingreifen musste. Statt dessen kam der damals 21-Jährige 1945 zu einer Fallschirmjägereinheit in Halberstadt. Am 8. Oktober rückte er mit seiner Einheit an die Ostfront aus, die aber bereits westlich der Oder verlief. Bereits einen Tag später ging es nach Berlin, um die Rote Armee abzuwehren. Bei Straßenkämpfen in der untergehenden Hauptstadt wurde der Kiersper durch einen Granatsplitter am Kopf verletzt. Am 1. Mai kam er als Insasse eines Lazaretts in sowjetische Gefangenschaft. In Fußmärschen ging es dann von Sammellager zu Sammellager. Letztlich wurde Distel dann in Kowel in der heutigen Ukraine inhaftiert.

Zurück nach Kierspe kam der ehemalige Soldat am 31. Juli 1947. Zwei Jahre später heiratete er Anna Ellen Blever, die er einige Jahre zuvor während eines Heimaturlaubes kennengelernt hatte. 1950 kam der erste Sohn Hans Reiner zur Welt, 1954 wurde Tochter Annelie geboren. Inzwischen wurde die Familie durch zwei Enkeltöchter, einen Enkelsohn und eine Urenkeltochter vergrößert.

Beruflich hatte der Kiersper Glück, er wurde gleich nach der Heimkehr bei der Bahn angestellt – am Bahnhof in Kierspe, 1959 konnte er sogar die gehobene Laufbahn einschlagen und Karriere in Frankfurt machen, wo er in verschiedenen Bereichen der Deutschen Bahn eingesetzt wurde. Mit 65 Jahren trat er 1989 in den Ruhestand.

In Frankfurt setzte er auch den Sport fort, mit dem er bereits vor dem Krieg beim TV Jahn begonnen hatte. Später übernahm der begeisterte Fußballer auch ein Traineramt. Nach dem Ende dieser Tätigkeit wurde dann das Wandern zum großen Hobby – unter anderem ging es einmal von Frankfurt bis Kierspe.

Nach seiner Pensionierung widmete sich Distel intensiv der Heimatforschung. Dabei kam ihm zugute, dass er alte und schlecht lesbare Schriften entziffern kann. Zusammen mit dem damaligen Ortsheimatpfleger Hans Ludwig Knau transkribierte er zwei Heimatbücher deren Daten die Zeit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zum Jahre 1809 umfassen. Als im Jahr 2003 die Vortragsreihe „Werkstatt Geschichte“ ins Leben gerufen wurde, hielt Distel zahlreiche heimatgeschichtliche Vorträge und beteiligte sich an der Herausgabe etlicher heimatgeschichtlicher Schriften – eine Arbeit, die er auch in Zukunft ausüben möchte, wenn es die Gesundheit erlaubt. - jobek

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