Befragung am Swimmingpool

Zahlreiche Bürgerfragen liefen vor allem im Vorfeld und zu Beginn des Zensus’ im Rathaus auf. Sie wurden meist am Telefon von Hauptamtsleiterin Dorette Vormann-Berg und ihrem Mitarbeiter Andreas Lockemann beantwortet. ▪

KIERSPE ▪ Kurz nach dem gemütlichen Frühstück auf der Terrasse hat der Rönsahler Georg Seidel auch das Ehepaar Karin und Karl-Otto Thiele erwischt. Bereitwillig füllen die beiden am späten Vormittag gemeinsam mit dem sogenannten Interviewer den Fragebogen aus. Es geht um den Zensus 2011, also die erste Volkszählung in Deutschland seit 1987. 

Damals formierte sich vielfach massiver Widerstand gegen die Datenerhebung. In diesem Jahr läuft allerdings, entgegen anders lautenden Befürchtungen, fast alles reibungslos.Damals formierte sich vielfach massiver Widerstand gegen die Datenerhebung. In diesem Jahr läuft allerdings, entgegen anders lautenden Befürchtungen, fast alles reibungslos.„Ich habe als ehemaliger Hauptamtsleiter schon bei der Stadt Kierspe an statistischen Erhebungen mitgewirkt. Da macht man hier dann auch mit.“, beschreibt Georg Seidel seine Beweggründe, sich freiwillig als Interviewer für den Zensus 2011 in Kierspe zu bewerben. Aufgrund seiner Erfahrung kam der Pensionär zudem zu einer weiteren Aufgabe. Seidel ist bei der Personenbefragung auch für die sogenannte Sondererhebung in Senioren- und Kinderheimen sowie Pflegestellen und Behinderteneinrichtungen zuständig.

Seit Anfang Mai laufen im gesamten Bundesgebiet die Haushaltebefragungen. Zehn Prozent der Bevölkerung wurden per Zufallsprinzip ausgewählt und sind demnach verpflichtet, Auskunft über Familienstand, Bildung, Wohnort, Beruf und weiteres zu geben. Die Möglichkeiten zur Ausfüllung des Fragebogens sind sehr flexibel gehalten. So können die Befragten den Bogen im Internet ausfüllen, per Post verschicken oder einem der geschulten Interviewer direkt mitgeben.

„Die meisten haben den Fragebogen gleich mit mir zusammen ausgefüllt“, gibt Georg Seidel eine eher unerwartete Auskunft. „Ich habe einfach meine Hilfe angeboten und dann haben sie mich auch in Anspruch genommen“, so Seidels einfache Erklärung. Um die 100 Befragungen musste der ehemalige Hauptamtsleiter in den vergangenen Wochen durchführen. Schwierigkeiten verzeichnete der Rönsahler in seinem Gebiet dabei kaum. „Selten musste ich eine Terminkarte hinterlassen. Meistens habe ich vorher nur kurz angerufen“, so Seidel. Mit den auffallenden grünen Mappen, in denen sich die Unterlagen befanden, machte sich Georg Seidel dann auf den Weg. Häufig waren die Befragungen bei einem Kaffee oder einem Glas Wasser schnell erledigt. Eine Befragung fand sogar im Auto statt, denn die Familie war fast schon unterwegs in den Urlaub. In einem anderen Haus bellten laut die Hunde, so dass ein Fensterbrett als Schreibunterlage dienen musste. Besonders kurios war eine Befragung, bei der es sich die Familie im eigenen Swimmingpool gemütlich gemacht hatte. „Da hab ich dann am Rand gesessen und mitgeschrieben“, erzählt Seidel amüsiert.

Ebenfalls nur positive Erkenntnisse aus dem bisherigen Zensusverlauf kann der Erhebungsstellenleiter des Märkischen Kreises, Helmut Wehn, ziehen: „Wir haben von unseren Interviewern über 90 Prozent positive Rückmeldungen. Überall bekommen wir viel Verständnis. Zudem haben die Interviewer ausgezeichnete Erfahrungen insbesondere in Familien mit Migrationshintergrund gemacht. Das ist dann auch eine persönliche Bereicherung.“ Bisher ist Wehn keine besondere Beschwerde eines Befragten bekannt, und das bei 52 000 Befragungen im Kreisgebiet, die bis zum 15. Juni zu großen Teilen im Lüdenscheider Kreishaus zurückerwartet werden. Einzig bei der Beschreibung der Berufstätigkeit – die letzte Frage im Bogen – hätten sich die Menschen etwas schwerer getan, so der Erhebungsstellenleiter.

Auch im Kiersper Rathaus kann Dorette Vormann-Berg mit dem Verlauf der Befragungen in der Volmestadt bisher zufrieden sein. 28 Interviewer mit einer Altersspanne vom jungen Erwachsenen bis zum Rentner waren zwischen Rönsahl und Bollwerk unterwegs. Nicht einer ist davon abgesprungen. „Alles läuft reibungslos“, freute sich Vormann-Berg. Nur vereinzelt kamen Nachfragen, aber eher zur schon länger laufenden Gebäudeerhebung. Dort wurde dann unbürokratisch geholfen.

Auch das Ehepaar Thiele hatte keine Schwierigkeiten, seine Fragebögen auszufüllen. „Das war ein Kinderspiel“, so Karl-Otto Thiele, der auch die Notwendigkeit der neuen Volkszählung vollkommen einsieht. „Das hat schon eine Bedeutung und ich bin damit völlig einverstanden“, betont der frühere Lehrer. Als Vorteil sahen die Eheleute zudem, dass „man im ländlichen Raum den Befrager persönlich kennt.“

Ganz fertig ist Interviewer Georg Seidel mit seiner Aufgabe allerdings in diesen Tagen noch nicht. Einige Bauernhöfe in den Rönsahler Randgebieten stehen noch auf seiner Liste. Zudem müssen noch einige Sonderbefragungen in Seniorenheimen durchgeführt werden. Auch hier gab es bisher keine größeren Probleme, denn das Pflegepersonal stand dem Interviewer meistens helfend zur Seite. Außerdem sind die Fragebögen hier etwas kürzer gehalten.

Das alles bestätigt das umfassend gute Bild des Erhebungsstellenleiters Helmut Wehn in Lüdenscheid: „Wir sind einfach positiv überrascht.“

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