Genug Platz für Senioren

Der Weg durchs Haus wird mit den Jahren immer beschwerlicher. Ohne Aufzug werden die Treppen für Senioren oft zu einer hohen Hürde. Deshalb suchen viele eine barrierefreie Wohnung. Foto: Meyer

Kierspe - Der Sozialverband VdK in Nordrhein-Westfalen schlägt Alarm. Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen wird in den kommenden Jahren stark steigen. Aktuell sind 550 000 Menschen auf Hilfe anderer angewiesen – bis 2050 wird diese Zahl auf 930 000 anwachsen. Der Verband prognostiziert einen Engpass an senioren- und pflegegerechten Unterkünften.

Von Martin Meyer

Der VdK fordert deshalb: Mehr barrierefreie Wohnungen in NRW. Bundesweit sind von 40 Millionen Unterkünften nur rund 500 000 barrierearm. Alleine in unserem Bundesland würden so fast eine halbe Million senioren- oder pflegegerechte Unterbringungsmöglichkeiten fehlen. Die Kosten, um diese Versorgungslücke zu schließen, berechnet der Sozialverband mit rund acht Milliarden Euro. Dabei lägen die Kosten für den Umbau einer Wohung unter Aspekten der Barrierefreiheit bei durchschnittlich 1600 Euro. Viele Senioren könnten sich wegen ihrer geringen Rente und trotz günstiger Kassenkredite diese Baumaßnahme nicht leisten, so der VdK.

Während in den NRW-Ballungszentren der barrierefreie Wohnraum für Senioren knapp werde, sieht der Sozialverband in den ländlichen Regionen noch ein anderes Problem. Viele Menschen hätten dort in den 1970er Jahren ein Eigenheim gebaut, um im Alter mietfrei wohnen zu können. Nun wollten sie aber wegen gesundheitlicher Einschränkungen in eine seniorengerechte Wohnung ziehen. Die Schlussfolgerung des VdK: „Die ländlichen Regionen sind nicht für den Verbleib im Alter geeignet.“

Den Prognosen des VdK kann Stefan Kriegeskotte vom Bauverein nicht zustimmen: In Kierspe habe man ein ausgeglichenes Verhältnis von Angebot und Nachfrage im Bezug auf seniorengerechte Wohnungen. Kriegeskotte: „Wir haben 60 Seniorenwohnungen im Bestand, die öffentlich gefördert werden. Eine Warteliste auf freie Wohnplätze haben wir nicht.“ Der Bauverein verwaltet unter anderem Wohnungen für ältere Menschen am Haunerbusch, am Stormweg und in der Seniorenwohnanlage Thaler Bach. Dabei versuche der Verein diese Unterkünfte auf dem neusten Stand zu halten. „Wir modernisieren unsere Wohnungen ständig. Doch wir können die Bauten aus den 1970er Jahren nicht den heutigen Standards an Barrierefreiheit anpassen. Dafür ist die Bandbreite der Ansprüche zu groß“, erklärt das Vorstandsmitglied des Bauvereins. Assistenzmittel, wie Aufzüge seien in den Häusern nicht vorhanden. Auch gebe es keine aktuellen Baupläne, die seniorengerechte Wohnungen beträfen.

Auch bei der Stadt Kierspe liegen derzeit keine Anträge für barrierefreie oder -arme Wohnungen vor, weiß die Demografiebeauftragte der Stadt Monika Land. „Doch das wird in Zukunft immer wieder ein Thema im Rathaus, etwa im neugebildeten Ausschuss für Demografie, Familie und Soziales sein“, versichtert sie. Durch die Seniorenresidenz an der Montigny-Allee, dem Awo-Seniorenzentrum am Haunerbusch, den Wohnungen des Bauvereins und zahlreicher privater Anbieter sei der Bedarf an senioren- und pflegegerechten Unterkünften in Kierspe gut abdeckt, so die Demografieexpertin.

Derzeit gibt es im Stadtgebiet 7779 Wohnungen. Bei einer Gesamtbevölkerung von 16 976 liegt der Anteil der Menschen im Alter von 65 oder älter bei 19 Prozent. Dabei sieht Monika Land in der Stadt, vor allem im Neubaugebiet Östlich Rathaus, einen Gegentrend zum demografischen Wandel: „Dort haben wir viel Zuzug. Das Gebiet füllt sich mit Leben und es gibt immer neue Anfragen.“ Zudem kann sich die Demografiebeauftragte dort durchaus auch den Bau von seniorengerechten Wohnungen vorstellen, etwa durch private Bauherren. Auch neben der Seniorenresidenz sieht Land Potenzial für eine mögliche Baumaßnahme von barrierearmen- oder freien Unterkünften.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare