Bauern beim Grünland zum Notschnitt gezwungen

Aufgrund der Trockenheit sind auf den Wiesen ganze Grasbereiche schon vertrocknet. Der letzte Regen war daher ein Segen, wie Bauernvorsitzender Heinz Wennekamp sagt – nur immer noch viel zu wenig. ▪

KIERSPE ▪ „Zumindest den flachwurzelnden Pflanzen wie Gräsern und auch Mais tat der mehrere Stunden über den Tag anhaltende Regen sehr gut“, freut sich Bauer Heinz Wennekamp aus Höhlen über die Erfrischung auf seinen Wiesen und Feldern.

Wobei er natürlich genau weiß, dass das Jahr bislang trotzdem ebenfalls für die heimische Landwirtschaft viel zu trocken war und daher nach wie vor im Winter eine möglicherweise sogar ganz gravierende Futtermittelknappheit droht, wenn sich das Wetter nicht bald durchgreifend ändert. Am vergangenen Dienstag, dem einzigen Regentag seit langem, waren der eigenen Messung Wennekamps zufolge genau 18 Liter pro Quadratmeter gefallen. Das ist zwar mehr als der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein, längst jedoch nicht die erhoffte Trendwende.

Insgesamt habe es in den vergangenen drei Monaten aufgrund der andauernden Trockenheit nur 130 bis 150 Liter Wasser pro Quadratmeter geregnet. Dabei sei die Region sonst als Regenloch Nordrhein-Westfalens berüchtigt. Das führte dazu, wie der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes weiter aufmerksam macht, dass der erste Grünlandschnitt für ihn und seine Berufskollegen quasi nur ein Notschnitt war.

„Die ersten haben Anfang Mai gemäht, andere haben noch gehofft und zwei Wochen gewartet, aber es kam kein Regen und das Gras wuchs kaum“, schildert Wennekamp die dramatische Situation für die Bauern. Auch er habe dann vor zehn Tagen den Grasschnitt vorgenommen.

Der hiesige Raum ist überwiegend eine reine Grünlandregion, wo nur vereinzelt Weizen, Gerste und Hafer angebaut werden. Dann schon eher Mais, der als Silomais im Winter als Futterzugabe zur Grassilage genutzt wird. Einige füttern sogar zu 100 Prozent Grassilage, andere zu 70 Prozent. Die meisten Bauern beschäftigen sich auf ihren Höfen mit der Milchproduktion, so auch Wennekamp, der 135 Kühe und dazu 80 männliche Jungtiere besitzt. „Allein für die Kühe brauche ich fünf Tonnen Futter pro Tag“, nennt der Bauernvorsitzende die enorme Menge, die er an seine Tiere verfüttert. Und da kann es im Winter, wenn nicht genug Silo zusammenkommt, schon arg eng werden.

„So ein trockenes Frühjahr hatten wir seit 200 Jahren nicht mehr“, weiß Wennekamp. Problematisch sei das besondern nach dem insgesamt auch ziemlich trockenen Sommer im vergangenen Jahr. Alle Reserven seien aus dem Grund nahezu verbraucht. Es gebe dann keine Alternative, als auf dem Markt Futter wie Stroh zuzukaufen, was aber ebenfalls teuer werden könne, zumal Getreide an vielen Stellen schon vertrocknet sei. Alternativ böten sich noch Biertreber, Pressschnitzel aus der Zuckerrübenherstellung oder eben Mais an, der vielleicht noch am besten mit der Trockenheit fertig werde.

Notgedrungen, so befürchtet Wennekamp außerdem, könnte es zudem passieren, dass die Landwirte gezwungen seien, Vieh abzustoßen, um den Futterbedarf zu reduzieren. Das plant er auch für sich bereits. Damit, dass sich die Futtermittelknappheit auf den Michpreis niederschlagen könnte, rechnet er dagegen nicht.

„Ein feiner Landregen, wie er am vergangenen Dienstag gefallen sei, wäre das, was ich mir wünschen würde, dann aber für eine ganze Woche“, fasst der Landwirt aus Höhlen seine große Hoffnung für die nächste Zeit zusammen. ▪ Rolf Haase

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