Bauern befürchten bei mildem Wetter Mäuseplage

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Heinz Wennekamp, Reiner Grafe, Michael Kremer und Karl-Peter Dick vom Vorstand des landwirtschaftlichen Ortsverbandes ziehen Bilanz zum Jahr 2011 und geben einen Ausblick auf 2012. ▪

KIERSPE ▪ Wenn es nur nach den Wünschen ginge – geht es beim Wetter, das gerade in jüngerer Zeit bekannt ist für seine Kapriolen, aber leider nicht. Brauchen könnte die Landwirtschaft jetzt mäßigen Frost, damit Schädlinge sich nicht zu sehr vermehren.

Denn falls auf die aufgeweichten Böden jetzt Schnee fällt, befürchten die Bauern eine starke Vergrößerung der Mäusepopulation mit den damit verbundenen negativen Auswirkungen auf den Feldern. Diese werden regelrecht unterhöhlt und die kleinen Nager fressen das Getreide. Mäuse und Wildschweine, so betonen der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Ortsverbands, Heinz Wennekamp, sein Stellvertreter Reiner Grafe, Schriftführer Michael Kremer und Karl-Peter Dick als Vertreter der Nebenerwerbslandwirte im Vorstand, machen den Landwirten am meisten zu schaffen.

Immer wieder werden besonders Maisbestände vom Schwarzwild verwüstet, was zu erheblichen Ernteausfällen führt. Die Horden machen teilweise große Flächen komplett platt. Wenn jetzt etwas Frost käme, würde dies einer übermäßigen Mäuseausbreitung entgegenwirken. Ohne Frost dagegen könnten sich die Tiere unter einem wärmenden Schneemantel ungehindert entwickeln. Gerade Mäuse haben in der letzten Zeit durch die Wohlstandgesellschaft mit Nahrung im Überfluss und die milden Temperaturen extrem überhand genommen.

Ansonsten zeigen sich die vier Vorstandmitglieder des örtlichen Landwirtschaftsverbandes aber genau wie alle anderen Bürger gespannt, was der Winter in den nächsten Wochen noch bringt, denn sie wissen trotz intensiver Wetterbeobachtung letztlich auch nicht mehr. Doch hätten die letzten Jahre gezeigt, dass da noch alles möglich sei. Wenn ein Anhalten der relativ warmen klimatischen Bedingungen seit November sicher auch vermuten lasse, dass Schnee und Frost vielleicht diesmal nicht so zuschlagen wie in den Vorjahren.

Wennekamp, Grafe, Kremer und Dick bereiten derzeit die Generalversammlung des landwirtschaftlichen Ortsverbandes vor, die am Dienstag, 17. Januar, um 10.30 Uhr im Hotel Unter den Linden stattfindet, direkt im Anschluss an die vorher auf 9.30 Uhr terminierte Versammlung der Jagdgenossenschaft. Die Landwirte-Versammlung beinhaltet in diesem Jahr die Neuwahl des Vorstandes, der Vertrauensleute sowie der Mitglieder für den Milchausschuss und den Kreisvorstand. Ansonsten sind diverse Berichte vorgesehen wie vom Vorsitzenden Heinz Wennekamp, der Kassenbericht von Peter Frettlöh sowie außerdem seitens Verband und Kammer. Ihr Kommen angekündigt haben bereits Kreisverbandsvorsitzender Günter Buttighofer, Kreisgeschäftsstellenleiter Ludwig Krämer, Dr. Friedrich-Wilhelm Lütgemüller als Geschäftsführer der Kreisstelle der Kammer in Unna und Kreislandwirt Dirk Voss. Darüber hinaus wird es ein Referat von Nikola Galla vom Verband aus Lüdenscheid geben, die die bäuerliche Situation aus rechtlicher Sicht thematisieren und insbesondere etwas zur Privilegierung von Bauvorhaben im Außenbereich sagen will. Zudem ist im gemütlichen Teil ein Diavortrag über eine Kanadareise einiger Mitglieder geplant.

Anlässlich der bevorstehenden Generalversammlung ziehen Heinz Wennekamp, Reiner Grafe, Michael Kremer und Karl-Peter Dick schon einmal eine erste Bilanz zum Jahr 2011: „Wir sind mit Schnee in den Januar gestartet und hatten dann ein extrem trockenes Frühjahr“, erinnern sie. Anfangs hatten die Bauern große Sorge, weil das Gras auf den Grünflächen kaum wachsen wollte, weil einfach Feuchtigkeit fehlte. Es gab schon die schlimmsten Befürchtungen wegen einer möglichen Futterknappheit, die Preise zogen bereits an. Dann aber setzte beim zweiten Schnitt endlich Regen ein – allerdings fiel viel zu viel. „Die Qualität war eine Katastrophe, damit haben wir jetzt zu kämpfen. Es fehlte Sonne und somit Eiweiß als Energiespender“, erklären die vier. Trotzdem hatte sich die Situation beim zweiten und dritten Grasschnitt erst einmal etwas entspannt. Der Herbst sei für den Maisanbau dann sogar super gewesen. Aufgrund des vielen Regens habe es aber Schwierigkeiten bei der Weizen- und Gersteernte gegeben, wobei es da vor Ort keine nennenswerten Bestände gebe.

Die Mitgliederzahl des landwirtschaftlichen Ortsverbandes ist leicht rückläufig: So wurden Ende 2009 135 Mitglieder gezählt, Ende 2011 waren es dann 126. Die Zahl der Betriebe ist weitgehend konstant geblieben, der dramatische Rückgang der Vergangenheit scheint also zunächst gestoppt. Gegenwärtig arbeiten in Kierspe noch 18 Vollerwerbsbetriebe, die zu 100 Prozent den Schwerpunkt auf Milchwirtschaft gelegt und in den vergangenen Jahren überwiegend kräftig investiert haben, um die Rentabilität bei steigenden Betriebskosten und niedrigen Milchpreisen aufrechterhalten zu können, so Wennekamp, Grafe, Kremer und Dick. Konnten früher Höfe noch mit 20 Kühen auskömmlich wirtschaften, sind heute 100 Kühe notwendig. Hinzu kommt in der Regel noch die gleiche Anzahl an Nachzucht, jeweils zur Hälfte Fersen und Bullen. Außerdem gibt es vor Ort mindestens noch die gleiche Anzahl Neben- und Zuerwerbsbetriebe.

„Wir können mit dem Milchpreis von 33 Cent pro Liter zufrieden sein“, stellen die Vorstandmitglieder fest und informieren darüber, dass sich die Situation bei den Molkereien gegenüber früher völlig umgekehrt habe: So zahle die heutige „Supermolkerei“ Campina, die in den Niederlanden praktisch ein Monopol habe, aktuell sogar vier Cent mehr. 2001 waren zahlreiche Kiersper Landwirte von Campina zu Hochwald gewechselt, die damals zwei bis drei Cent mehr bezahlte. Zwischenzeitlich war der Milchpreis 2009 bis auf 20 Cent gesunken. Demgegenüber sind die Produktionskosten geradezu nach oben geschnellt, so allein der Getreidepreis in den letzten zwei Jahren von 12 auf über 20 Euro pro Doppelzentner, also pro 100 Kilo. Strom sei ebenfalls deutlich teurer geworden, der Dieselpreis starken Schwankungen unterworfen, die Baukosten für Ställe seien aufgrund der großen Nachfrage angezogen und genauso die Maschinenkosten, zählen sie weiter auf.

Was die Verbandsaktivitäten vor Ort angehe, sei 2011 eher ein „ruhiges Jahr“ gewesen nach dem ziemlich bewegten 2010, als der Kreisverband auf der Landesgartenschau in Hemer rege Aktivitäten am eigenen Stand entfaltete und dabei auch die Kiersper aktiv mitwirkten. In beiden Jahren wurde zusammen mit dem Verband Halver zur Kontaktpflege ein Grillfest gefeiert, das ebenfalls 2012 wieder geplant ist. Es gab auch eine Gegeneinladung nach Halver. Für 2012 ist wieder das große Ortsverbandsfest geplant, diesmal am 31. März auf Gut Haarbecke.

Positiv äußerten sich Wennekamp, Grafe, Kremer und Dick zu der MZ-Artikelserie in 2010 über die Landwirtschaft, die prima angekommen sei in der Bevölkerung. Hingewiesen wurde schon auf den Tag des offenen Hofes am 3. Juni, für den der Betrieb von Fritz Hermann Schriever in Vorderste Berg ausgesucht wurde, weil es sich um einen besonders vielseitigen Hof handelt, der Milchvieh, Schweine und Geflügel hält und außerdem Direktvermarktung mit einem eigenen Hofladen betreibt.

Rolf Haase

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