Bauausschuss Kierspe beschäftigt sich mit Verkehr auf Verbindungsweg

Mit Pinselstrichen gegen Raser

Nach Wünschen des Bau- und Umweltausschusses soll mit einer weißen Linie ein Bereich für Fußgänger und Radfahrer auf der Straße, die zum Fritz-Linde-Stein führt, abgetrennt werden.
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Nach Wünschen des Bau- und Umweltausschusses soll mit einer weißen Linie ein Bereich für Fußgänger und Radfahrer auf der Straße, die zum Fritz-Linde-Stein führt, abgetrennt werden.

Kierspe – Schutzstreifen, Fahrradstraße, Geschwindigkeitsbegrenzung, bauliche Verengung, Geschwindigkeitskontrolle – Ideen gibt es viele, die Straßen, die zum Fritz-Linde-Stein führen, zu beruhigen

zu beruhigen. Die meisten sind aber nicht umsetzbar, das wurde im Ausschuss für Umwelt und Bauen deutlich. Trotzdem werden nun zwei Möglichkeiten geprüft .

Gleich am Anfang der Aussprache stellte Oliver Knuf, Leiter des Sachgebiets Ordnung, fest, dass die Einrichtung einer Tempo-30-Zone nicht möglich sei, da dies nur innerörtlich gehe.

Ein Schild mit der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde schloss der Verwaltungsfachmann nach einem Ortstermin mit Polizei und Kreisverwaltung aus, da die Straße weit zu überblicken sei und eine Unfallhäufung nicht vorliege. „Das heißt aber nicht, dass man dort mit 100 km/h fahren darf, denn jeder Verkehrsteilnehmer muss seine Geschwindigkeit den Gegebenheiten anpassen“, erklärte Knuf.

Das heißt aber nicht, dass man dort mit 100 km/h fahren darf, denn jeder Verkehrsteilnehmer muss seine Geschwindigkeit den Gegebenheiten anpassen.

Oliver Knuf, Stadt Kierspe

Allerdings führe die fehlende Begrenzung dazu, dass man auch keine Geschwindigkeitsmessungen durch die Polizei vornehmen lassen könne, da es keinen sinnvollen Wert gebe, den man bei der Messung zugrunde legen könne. Knuf: „Das Messgerät auf 100 einzustellen, wird nichts bringen.“ Der Sachgebietsleiter räumte auch ein, dass es keine verlässlichen Daten über die tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeiten gebe, da das Seitenradar mangels einbetonierter Befestigungsmöglichkeiten (z. B. Straßenlampe) nicht angebracht werden könne. „Bei dem Preis dieses Geräts reicht ein einfacher Holzpfosten nicht aus“, so Knuf.

Dem Vorschlag von Carsten Möller, dann doch wenigstens mit baulichen Maßnahmen die Durchfahrt zu „erschweren“, widersprach Knuf, der darauf hinwies, dass bei der geringen Straßenbreite dann größere landwirtschaftliche Fahrzeuge massiv behindert würden.

Schließlich brachte der Ausschussvorsitzende Christian Reppel (SPD) einen weißen Streifen ins Gespräch, mit dem optisch Kraftfahrzeuge von Fahrradfahrern und Fußgängern getrennt würden. In einer Ausschussunterbrechung, die notwendig war, um die Besucher an der Diskussion zu beteiligen, schlug ein Gast vor, doch eine Fahrradstraße einzurichten.

Marie-Luise Linde warnte ihre Ausschusskollegen eindringlich davor, einen Präzedenzfall zu schaffen: „Wir machen ein riesen Fass auf. Wenn wir dort Maßnahmen umsetzen, werden auch Nutzer anderer Straßen in den Außenbezirken solche Streifen fordern.“

Dieter Grafe (UWG) warnte davor, dass ein aufgemalter Streifen eine falsche Sicherheit suggeriere, und außerdem würde jeder, der sich vernünftig verhält, einen solchen Streifen nicht brauchen und der, der unvernünftig sei, sich an einer Markierung nicht stören.

Rüdiger Däumer führte vor Augen, was ein solcher Streifen bedeuten würde, der nach seiner Meinung 2,50 Meter breit sein müsse: „Auf der schmalen Straße ist dass dann ein Mittelstreifen, ob das dann noch jemand versteht, bezweifele ich.“

Wir machen ein riesen Fass auf. Wenn wir dort Maßnahmen umsetzen, werden auch Nutzer anderer Straßen in den Außenbezirken solche Streifen fordern.

Marie-Luise Linde, CDU

Doch nichts zu tun, widerstrebte einigen Ausschussmitgliedern sichtlich. So wiesen Armin Jung (FDP) und der Grüne Thomas Nies (als Besucher) darauf hin, dass nahezu alle Parteien vor der Wahl eine Förderung des Radverkehrs versprochen hätten. Nies: „Jetzt müssen auch Taten folgen.“

Das sah auch Gina Baukloh, eine Anwohnerin aus Wolzenburg so. Allerdings betrachtete sie die Verkehrssituation aus Sicht einer Anwohnerin, die die Straße jeden Tag mit ihrem Auto nutzt: „Ich fände einen Streifen gut, dann würden wenigstens die Fußgänger und Radfahrer auf der Seite bleiben und nicht die ganze Straße in Anspruch nehmen.“

Bevor Christian Reppel einen von ihm formulierten Antrag zur Abstimmung brachte, warnte Knuf noch einmal eindringlich: „Wenn wir damit anfangen, weiß ich nicht, wo wir aufhören sollen.“

Helmut Heidemann, Sachgebietsleiter Tiefbau, schätzte die Kosten für eine dauerhafte Markierung auf rund 4000 Euro.

Letztlich stimmten zwölf Ausschussmitglieder – bei vier Gegenstimmen und einer Enthaltung – dafür, dass sich die Stadtverwaltung mit der Kreisverwaltung in Verbindung setzt, um zu klären, ob das Aufbringen eines Streifens überhaupt möglich sei. Außerdem soll angefragt werden, ob die Straße in eine Fahrradstraße umgewandelt werden kann. Außerdem soll geklärt werden, welche Kosten durch die Maßnahmen entstehen würden.

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