Mehr Zeit und Chancen für Schule und Schüler

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Günther Barth setzt sich für einen Anschluss der Schule Volmetal im übernächsten Jahr ein.

KIERSPE/MEINERZHAGEN - Was ist schon ein Jahr für eine Schule, die seit fast 35 Jahren besteht? Wenn man Günther Barth zuhört, dann entscheidet dieses eine Jahr über Chancen von Kindern, den Erhalt bewährter Konzepte und das Bewahren von Kompetenz. Geben können ihm dieses Jahr die Räte der Städte Kierspe und Meinerzhagen. Dafür setzt sich der Schulleiter der Schule Volmetal in Gesprächen mit heimischen Politikern und mit Medien ein.

Von Johannes Becker

Wer Günther Barth zuhört, der merkt schnell, es geht ihm nicht um den Erhalt von Verwaltungsstrukturen oder Besitzstand, sondern um die besten Chancen für seine Schüler. Schüler, die aufgrund ihres besonderen Förderbedarfs grundsätzlich schon größere Startschwierigkeiten hatten als andere. Und Schüler, deren Eltern Seite an Seite stehen, um möglichst viel von dem, was die Schule Volmetal ausmacht, in eine neue, noch zu gründende Schule des Märkischen Kreises einzubringen.

Die Ausgangslage: Nach Jahrzehnten der sonderpädagogischen Arbeit wurde die Schule, die in Trägerschaft von Kierspe und Meinerzhagen liegt, im Jahr 2008 zum Kompetenzzentrum für sonderpädagogische Förderung, um dazu beizutragen, dass möglichst viele Kinder an allgemeinbildenden Schulen unterrichtet werden konnten und möglichst wenige an eine Förderschule wechseln mussten. Dazu wurden Lehrer der Förderschule an allgemeinbildende Schulen abgeordnet und Konzepte mit den Schulen in den beiden Volmestädten entwickelt. „So gesehen, war das gemeinsame Lernen für uns schon Ziel, bevor die Inklusion politischer Wille wurde“, erklärt Barth, „in den Jahren als Kompetenzzentrum haben wir festgestellt, dass viele Schüler mit ausreichend gemeinsamer Zeit für Zusammenarbeit von Pädagogen der allgemeinen Schulen und Sonderpädagogen an allgemeinen Schulen erfolgreich unterrichtet werden können. Allerdings gibt es auch einige Schüler, die eine Umgebung brauchen, die auf sie zugeschnitten ist und in der sie die Betreuung finden, die ihre Situation erfordert. “

Das sieht auch der Gesetzgeber so und möchte eine Beschulung solcher Schüler vor Ort erhalten, allerdings bindet er den Erhalt einer Verbundschule an die Mindestgrößen von 144 Schülern. Durch die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre besuchen derzeit nur noch 85 Schüler die Schule Volmetal. So besteht die einzige Überlebens-Chance darin, dass der Kreis aus vier Förderschulen – Erich-Kästner-Schule und Astrid-Lindgren-Schule in Lüdenscheid, Schule am Drescheider Berg in Altena und Schule Volmetal – eine Schule bildet, die dann an den bisherigen Schulstandorten unterrichtet. „Das ist sicherlich keine Optimallösung, aber eine wichtige Perspektive für das Förderschulangebot in Meinerzhagen und Kierspe“, stellt Barth fest und freut sich, dass das auch vom Schulträger unterstützt wird.

Nun besteht die Möglichkeit, dass die heimische Schule dem neuen Konstrukt im kommenden Jahr oder erst im übernächsten Jahr beitritt (die Meinerzhagener Zeitung berichtete, die Entscheidung fällt in den Räten Meinerzhagens und Kierspes Ende dieses Monats). Die Eltern, die Lehrer und Schulleiter Barth möchten möglichst erreichen, dass das erst 2016 passiert. „Die pädagogischen und organisatorischen Herausforderungen bei der Zusammenführung von vier eigenständigen Schulen sind enorm und brauchen deshalb mehr Zeit, als uns jetzt noch in diesem Schuljahr bleibt“, so Barth.

Die gesetzlichen Grundlagen ermöglichen diesen Prozess, da das zuständige Schulministerium den Kompetenzzentren ein Jahr längeren Bestandsschutz gewährt, damit diese positiv auf die Umsetzung der Inklusion einwirken können.

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