„Mann mit Eiern“ gibt gelungenes Gastspiel

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Mit wenigen Requisiten gestaltete der Stand-Up-Comedian Ken Bardowicks ein gelungenes Programm.

Kierspe - Der „Mann mit Eiern“ Ken Bardowicks ist mit einer Hebamme liiert. Bei wem der Programm-Titel schlüpfrige Assoziationen weckte, der lag falsch: Die Eier waren Requisit zahlreicher Zauberkunststücke, die Hebamme Teil des Kabarett-Programms.

Bardowicks bot am Freitagabend im PZ der Gesamtschule eine rundum gelungene Mischung aus Comedy, Slapstick, Pantomime und Zauberei. Letztere betreibt er seit Kinderzeiten, inzwischen gehört er zu den Großen seiner Zunft. Dabei waren die klassischen Zutaten des Zauberers – Zylinder, Kartenspiel und nicht zuletzt die zersägte Jungfrau – nur ein Teil des Programms.

Die hübsche Assistentin früherer Zeiten war bei ihm ein Wischmopp mit Sonnenbrille und stilisiertem Mund, darüber hinaus gab es noch ein Pult, dass er in einer Pantomime scheinbar in der Luft schweben ließ. Zum Schluss klappte er es zum Zeitschriftenkatalog zusammen. Erzählungen vom Leben an der Seite einer Hebamme, Erlebnisse mit der Katze oder dumme Sprüche von Zeitgenossen über seinen Beruf als Zauberer zogen sich ebenfalls durchs Programm.

Gleich zu Beginn gelang der Kontakt zum Publikum schnell und mühelos mit einem Witz. Bardowicks ließ abstimmen: Wer fand den Witz gut, wer schlecht? Wer hatte ihn nicht verstanden oder einfach keine Lust auf Publikumsbeteiligung? Sein trockener Humor kam gut an und funktionierte im weiteren Verlauf des Programms auch bei schwachen Gags.

Für Höhepunkte war gesorgt, wenn die Beteiligung der Zuschauer gefragt war. Die sollten nicht vorhandene Karten mischen, sich einzelne Karten merken oder Gegenstände für weitere Zaubertricks beisteuern. Einmal benötigte Ken Bardowicks einen Ehering, ein andermal ein Handy. Tatsächlich gab es vertrauensvolle Menschen, die bereit waren, sich von diesen wichtigen Gegenständen zu trennen. Die waren dann erstmal weg. Der Ring fand sich im Inneren eines Hühnereis wieder, das Bardowicks zuvor aus einer Zitrone geschält hatte. Aber bekanntlich klappt nicht alles beim Zaubern. Vier Anläufe unternahm er, um beim furiosen Finale dann endlich doch das berühmte Kaninchen aus dem Hut zu zaubern. Damit schloss sich der Kreis zum Berufsbild der Hebamme: Das Kaninchen war schwanger und gebar – ein Handy. Erleichtert nahm es der Eigentümer wieder in Empfang.

Ohne Zugabe wollte das Publikum den Künstler aber nicht gehen lassen. Der hatte sich einen Knalleffekt bis zum Schluss aufgehoben, machte aber erst einmal „Schleich“-Werbung für seine DVDs. Dazu bewegte er sich in Zeitlupe auf den Stapel zu, um sodann auf die prekäre Arbeitssituation von Zauberkünstlern zu sprechen zu kommen; die würden zunehmend durch Roboter ersetzt. In einer hinreißenden Pantomime demonstrierte Bardowicks, wie es aussieht, wenn so ein Maschinen-Mensch zaubert.

Birgitta Negel-Täuber

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