Baptisten holen größte Bibelausstellung nach Kierspe

+
Arthur Klassen von der Gemeindeleitung zeigt eine der vielen Bibeln der Ausstellung. Er freut sich schon auf viele Besucher. Immerhin ist es Europas größte mobile Bibelausstellung.

KIERSPE - Es war das Jahr 1947, als eine der größten archäologischen Entdeckungen aller Zeiten begann und Beduinen in einer Höhle nahe dem Toten Meer antike Schriftrollen, darunter die ältesten Bibelhandschriften der Welt, entdeckten.

Von Rolf Haase

Bis 1956 wurden in insgesamt elf Höhlen bei Qumran rund 1000 Schriftrollen gefunden. Davon waren nur zehn gut erhalten, der Rest war zerfallen in über 80 000 Bruchstücke, die die Forscher in jahrzehntelange Arbeit im Rahmen des größten wissenschaftlichen Puzzles aller Zeiten wieder zu 15 000 Textgruppen zusammensetzen. So erfährt es der Besucher der Bibelausstellung, die in den nächsten Wochen von der Baptistengemeinde präsentiert wird. Es handelt sich um Europas größte mobile Bibelausstellung.

Mit einem Lastzug sind die in zahlreiche Kisten verpackten Exponate angeliefert und von rund 30 Gemeindemitgliedern unter der Leitung von Andreas Warkentin in den vergangenen Tagen ausgepackt, sortiert, aufgebaut und so als unbedingt sehenswerte Ausstellung gestaltet worden. Gestern wurde sie noch ergänzt durch den Nachbau einer Gutenberg-Buchdruckpresse des Kierspers Dieter Hermes, der von Beruf Setzer ist und die Presse 1981 von einem Schreiner aus Lantenbach hat nachbauen lassen. Für die Gemeindemitglieder gab es eine Einweisung zur richtigen Handhabung - und schon die ersten Drucke wussten zu überzeugen.

Von besonderer Bedeutung war in Qumran vor allem die große Jesaja-Rolle aus dem Jahr 175 vor Christus, die eine hervorragende Überlieferungstreue für das Alte Testament belegt und über 1000 Jahre älter ist als die bis dahin erhaltenen hebräischen Bibelhandschriften.

Vom 30. September bis zum 20. Oktober gastiert nun die größte Erlebnisausstellung Deutschlands zur Entstehung der Bibel und eine in Europa einmalige Dokumentation über die berühmten Schriftrollen vom Toten Meer im Gemeindehaus der Evangeliums-Baptisten-Brüdergemeinde Kierspe. Die Ausstellung entstand auf Initiative des renommierten theologischen Publizisten und Qumranexperten Alexander Schick im Jahr 1992 und wurde bereits in vielen Orten Deutschlands und Europas von über 500 000 Besuchern mit Begeisterung aufgenommen.

Die Bibel gilt nicht nur unter den Christen als das Buch der Bücher. Aufgrund ihrer großen Bedeutung und Einflussnahme auf die abendländische Gesellschaft ist dieses Buch aus dem Kulturgut der Menschen auch heute noch nicht wegzudenken. Unabhängig vom persönlichen Glauben des Einzelnen kommt jeder zwangsläufig mit dem Inhalt der Bibel in Kontakt: Sei es durch die christlichen Feste, die Bräuche und Traditionen, Vorstellungen vom Himmel, die Ethik oder gesellschaftlichen Werte, vieles davon findet seinen Ursprung in der Bibel.

Die Ausstellung umfasst zehn Abteilungen, die die Geschichte der Bibel von der Entstehung der Schrift über die Überlieferung und die Verbreitung der Bibel bis hin zur Gegenwart auf über 100 Schautafeln und durch eine Fülle von Exponaten dokumentiert. Anschaulich und spannend werden die einzelnen Stationen bei einem Rundgang erarbeitet.

Die berühmten Schriftrollen vom Toten Meer, eine einmalige Modellanlage von Qumran im 1:100-Maßstab, Faksimile-Seiten aus dem Codex Vaticanus und Codex Sinaiticus, die Geschichte der Bibel in Russland mit einer Druckmaschine aus einer Untergrunddruckerei der damaligen UDSSR, wo der Druck von Bibeln den Gläubigen untersagt war, der Nachbau einer Gutenberg-Presse, zahlreiche historische Bibeln und vieles mehr erwarten die Besucher.

1844 fand der Leipziger Bibelforscher Konstantin Tischendorf im Katharinenkloster auf dem Sinai 129 Pergamentblätter einer großformatigen Bibelhandschrift in griechischer Sprache aus dem Alten Testament. Zwischen 1953 und 1959 stieß er auf weitere 346 Blätter, darunter das ganze Neue Testament in einer Abschrift aus dem Jahr 350 nach Christus. Damit ist der Codex Sinaiticus die älteste vollständige Fassung, wie der Besucher auf einer Infotafel nachlesen kann. Zu sehen sein werden auch die häufig in den Scriptorien der Klöster von den Mönchen künstlerisch sehr aufwändig gestalteten Prachtbibeln des Mittelalters.

Neben der reinen Informationsvermittlung legt die Gemeinde viel Wert darauf, dass die Besucher auch einiges entdecken und selber erarbeiten können. „Zusätzlich zu den zahlreichen Exponaten stehen daher die Gutenberg-Buchdruckpresse sowie eine Papierschöpfanlage zur Papierherstellung wie im Mittelalter zum Ausprobieren bereit. Die erzeugten Exemplare dürfen selbstverständlich mit nach Hause genommen werden. Weitere Stationen dienen dazu, die Bibel und ihren Inhalt mit allen Sinnen zu entdecken“, macht Andreas Warkentin aufmerksam.

Weiterhin gibt es am Samstag, 5. Oktober, einen Tag der Offenen Tür in dem inzwischen komplett fertiggestellten Gemeindehaus, mit dessen Planung 2005 und Bau dann 2006 begonnen wurde. 2008 stand es zwar, doch die Innenausgestaltung folgte dann im Laufe der nächsten Jahre, wie Arthur Klassen von der Gemeindeleitung informiert. Dort ist auch die Bibelausstellung zu bestaunen.

Von 10 bis 18 Uhr an, beginnend mit einem kurzen Dankgottesdienst im benachbarten Bethaus, können interessiere Bürger das Gebäude besichtigen. Es wird Führungen geben durch die Bibliothek, die Gruppen- und Jugendräume, die Büros, den Konferenzsaal, auch den Bereich für die humanitäre Hilfe im Untergeschoss und natürlich die Bibelausstellung.

Ansonsten ist die Ausstellung vom 30. September bis 20. Oktober täglich immer in der Zeit von 14 bis 20 Uhr zu besichtigen. Die Gemeinde hat benachbarten Kirchengemeinden und auch die Schulen eingeladen und freut sich aber auch ansonsten auf zahlreiche Besucher.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare