Jazz und Luther passen zusammen

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„Elfland“ mit Thomas Wurth, Tobias Link, Max Jalaly, Guido Schlösser, Fritz Schmid, Omid Issa, Christoph Steiner, Dr. Oliver Ilgner, Sabine Ilgner (von links) zeichneten für die Musik verantwortlich.

Kierspe - „Jazz und Luther, passt das?“, war die Frage, die Pastor Reiner Fröhlich nicht nur sich, sondern auch den gut 100 Besuchern des Konzertes zum Lutherjahr in der Margarethenkirche stellte. „Und wie das passt“, waren sich nach fast zwei Stunden Musik mit der Band Elfland alle einig und spendeten lang anhaltenden Beifall.

Es gab eine Mischung aus Chorälen im Jazzformat, Jazzkompositionen und Bekenntnissen zum Thema „Mein Luther“. Die Pfarrer Reiner Fröhlich und Ulrich Schreiber, Oliver Ilgner, Ulli Czastrau und Fritz Schmid, alle berichteten über ihre Erfahrungen mit Luther und die waren höchst unterschiedlich.

Während Pastor Reiner Fröhlich Martin Luther als einen Mensch sah, der die Angst des Menschseins vollständig durchlitten hat, berichtete Pfarrer Ulrich Schreiber kurzweilig über sechs prägende Szenen mit dem Reformator. Die ersten drei, die der Kindheit, des Konfirmandenunterrichts und der Oberstufe im Gymnasium, waren wenig erfreulich.

Sein Interesse für Luther begann mit dem Theologiestudium. Ihren Höhepunkt erfuhr seine Begeisterung jedoch bei einem Rombesuch in den 1980er-Jahren, als Schreiber dort bewusst wurde, wie dieser kleine Reformator sich gegen den großen weißen Papst gestellt hatte. „Heute ist er für mich der Maßstab der Ökumene und der Freiheit eines Christenmenschen, der sein Leben in Freiheit, Fröhlichkeit und Verantwortung lebt“, so Schreiber.

Gut 100 Besucher genossen ein Konzert mit einer Mischung aus Chorälen im Jazzformat, Jazzkompositionen und Bekenntnissen zum Thema „Mein Luther“.

Ulli Czastrau hingegen macht Luther nachdenklich, auch ein wenig ängstlich. „Was ist der richtige Weg?“, fragte Czastrau sich. „Welche Sicht auf Gott ist die richtige, die katholische oder die evangelische?“.

Für Fritz Schmid war Luther ein Held. „Er stellte sich aus seinem Glauben und seinem Wollen gegen den Kaiser. Das war für mich eine Riesengeschichte“, so Schmid. „Ich selbst leiste Widerstand gegen Ungerechtigkeit und gegen Doktrinen, die mir aufgezwungen werden“, gestand er.

Doch einen Großteil des Abends nahm die Musik ein. Es waren zum Teil sehr alte Choräle, die zu hören waren. Einige von ihnen hatten bereits zu Luthers Zeiten eine Überarbeitung erfahren, wie der Pfingstchoral „Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist“, der aus dem 9. Jahrhundert stammt und von Luther mit einer neuen Melodie versehen wurde.

Auch das Pfingstlied „Komm Heiliger Geist, Herre Gott“ war ursprünglich ein Wechselgesang von 1480 und wurde von Luther bearbeitet. Diese beiden Choräle, aber auch weitere christliche Lieder waren in ihrer Jazzbearbeitung kaum wiederzuerkennen.

Fröhlich, swingend und leicht beschwingt wurde das Publikum in die Welt der geistlichen Musik mitgenommen. Pure Lebensfreude strahlte die Musik nun aus und die Zuhörer fühlten sich von den einzelnen Instrumenten an die Hand und mitgenommen, auf dem Weg zu Gott.

Während der erste Teil des Konzerts eingängig war, gestaltete sich der zweite Teil moderner, experimenteller und freier. Das lag nicht nur an einer orientalischen Jazz-Improvisation, die ein ganz anderes Klangbild in die Margarethenkirche brachte.

Beim Lied „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ motivierte der Rhythmus zum Tanzen, so leicht und beschwingt klang das Kirchenlied. „A Sailor’s Life“ wurde gesanglich begleitet von Sabine Ilgner. Ohne Zugabe ließ das Publikum die Band Elfland natürlich nicht gehen.

„Emma“ hieß die Zugabe, die Dr. Oliver Ilgner am Schlagzeug, Christoph Steiner an der Gitarre, Guido Schlösser am Piano, Max Jalaly am Kontrabass, Fritz Schmid am Saxofon und der Geige, Sabine Ilgner mit Gesang, Thomas Wurth an der Trompete, Tobias Link an der Posaune und Omid Issa an der Trommel und der Saz spielten.

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