Kierspe: Wenige Zentimeter fehlen

Bahnübergang beim Haus Rhade gleicht einer Posse

Das kurze Teilstück der Gemeindestraße zwischen Haus Rhade  und der B54 bleibt für Lastwagen gesperrt.
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Das kurze Teilstück der Gemeindestraße zwischen Haus Rhade und der B54 bleibt für Lastwagen gesperrt, es gibt auch kein „Anlieger frei“.

„Das hat sich total verschlechtert“, ist UWG-Ratsherr Dieter Grafe außer sich, „vorher durften Lastwagen mit Anhänger bis zu einer Länge von zehn Metern hierher fahren“. Warum? Es geht ihm wieder einmal um den Bahnübergang Haus Rhade. Der ist mittlerweile, rund sieben Monate später als ursprünglich geplant, frei gegeben – allerdings nur für Kraftzeuge bis zu einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen.

Kierspe – Lastwagen dürfen weder von der B 54 nach Haus Rhade und auch nicht umgekehrt fahren. Das ist lediglich Sonderfahrzeugen wie Feuerwehr, Rettungsdienst oder auch Holztransporter, wie Oliver Knuf, Leiter des Sachgebiets Ordnung und Umwelt erklärt, gestattet. „Ich bin mit einem Schlepper mit Anhänger aus Richtung Oberbrügge gekommen und musste einen langen Umweg zu meinem Hof fahren“, weiß Dieter Grafe, dass landwirtschaftliche Fahrzeuge nicht zu den Sonderfahrzeugen zählen.

Kein Verständnis für die Maßnahme

Warum die Deutsche Bahn im Rahmen der Bahnübergangssicherung das alte Brückenbauwerk abreißen und durch ein neues ersetzen ließ – mit dem Ziel der Durchlassverbreiterung –, wisse heute keiner mehr, schüttelt der UWG-Ratsherr nur noch den Kopf. Die Maßnahme wurde durchgeführt, damit Lastwagen vor dem Bahnübergang nebeneinanderstehen können – und nun dürfen sie gar nicht dorther fahren. Das komme auf der Liste der Steuerverschwendungen des Bundes der Steuerzahler ganz weit nach oben, ist sich Dieter Grafe sicher.

Noch bevor bekannt war, dass die Brücke komplett abgerissen und durch eine neue ersetzt werden musste, sprach die Bahn von einer Investition von rund 600 000 Euro, einschließlich der Schranken, Lichtzeichenanlage und andere Dinge für den Bahnübergang. Dieser Betrag dürfte sich also deutlich erhöht haben – damit die Aufstellfläche auf beiden Seiten des Bahnübergangs auch breit genug wird, damit sich Lastwagen dort begegnen können, nicht auf den Gleisen stehen bleiben müssen.

Anordnung auf Veranlassung des Baulastträgers

Doch Lastwagen werden sich nach der jetzt erfolgten Öffnung der Straße dort nicht begegnen können. Denn das kurze Stück der Gemeindestraße zwischen Haus Rhade und der Bundesstraße 54 bleibt für Lkw gesperrt. Diese Anordnung sei von der Straßenverkehrsbehörde des Märkischen Kreises getroffen worden, erklärt Oliver Knuf, wobei der Baulastträger, in diesem Fall die Deutsche Bahn, dies veranlasst habe.

Der Grund dafür, so hat man im Rathaus von der Bahn erfahren, sei eine Änderung einer hausinternen Richtlinie, die offensichtlich vorgenommen wurde, als die Bauarbeiten liefen. Danach sind die Breiten der Aufstellflächen auf beiden Seiten des Übergangs und die des Bahnübergangs selbst zu klein. In Zahlen ausgedrückt: An der Straße fehlten auf beiden Seiten 15 Zentimeter und am Übergang 84 Zentimeter.

Verbreiterungen geplant

Dies soll, so hieß es weiter in der Mitteilung von der Bahn, geändert werden. Voraussichtlich im August oder September werde man am Bahnübergang aufschottern und diesen wie auch die Straße verbreitern. Ob das dann wieder unter Vollsperrung der Gemeindestraße passiert, konnte der Sachgebietsleiter nicht sagen. Sicher scheint jedoch zu sein, dass danach zwar Lastwagen dort her fahren dürfen – aber die dürfen dann, ob mit oder ohne Anhänger, nicht mehr eine Gesamtlänge von zehn, wie vor den Bauarbeiten, sondern von zwölf Metern haben.

Als ein weiterer Grund dafür wird angeführt, dass das Gleis am Bahnübergang eine Kurve beschreibt und daher die Schienen unterschiedlich hoch sind. Dadurch könnten bestimmte Lastwagen aufsetzen. „Das kann ich mir vielleicht bei einem Tieflader, der einen Bagger transportiert, vorstellen“, meint Knuf. Doch er wie auch die Stadt und Dieter Grafe müssen die Anordnungen und Regelungen der Deutschen Bahn wohlt akzeptieren, da die Schiene Vorrang vor der Straße hat.

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