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Bäcker zu hohen Preisen: „Das Brötchen darf kein Luxus sein“ 

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Von: Thilo Kortmann

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Gudrun Dwillies verkauft Brötchen und Brot bei der Bäckerei Kelm in Rönsahl.
Gudrun Dwillies verkauft Brötchen und Brot bei der Bäckerei Kelm in Rönsahl. © Thilo Kortmann

Noch kosten die normalen Brötchen bei der Bäckerei Kelm in Rönsahl 40 Cent. Noch! Sollten die Lebensmittel- und Energiekosten weiter steigen, dann weiß auch Bäcker Sascha Kelm noch nicht, in wieweit er mit den Preisen höher gehen soll. Seine Philosophie ist nämlich: „Das Brötchen darf kein Luxus sein. Das Brötchen soll für jedermann erschwinglich sein“, erklärt Sascha Kelm.

Doch bei dieser Inflation können Philosophien auch mal schnell ins Wanken geraten, weil: „Ich muss ja auch von etwas leben“, sagt der Bäckermeister. Jedoch versucht er, die Inflation so abzuwehren, indem seine Kunden möglichst wenig tiefer in die Geldbörse greifen müssen. Dafür zieht Kelm andere Konsequenzen: „Wir haben unser Brotsortiment reduziert und insgesamt die Menge des Tagesangebotes etwas runtergefahren“, erklärt Kelm.

Die Preiserhöhungen sind an der Grenze des Akzeptablen.

Brotsommelier Ralf Gießelmann.

Momentan lägen die Kosten für die meisten Zutaten fürs Backen beim Doppelten als vorher. Aber auch das Kilogramm geriebener Käse koste jetzt 7,50 Euro und nicht mehr 4 Euro. Und Mandeln und andere Nüsse seien noch nie so teuer gewesen. Seinen Backofen betreibt Kelm mit Strom und nicht mit Gas. Aber auch die Stromkosten seien deutlich gestiegen, sagt Kelm.

Brotsommelier Ralf Gießelmann findet die Preiserhöhungen am Rande des Akzeptablen.
Brotsommelier Ralf Gießelmann findet die Preiserhöhungen am Rande des Akzeptablen. © BESTGEN.BIZ

Bei seiner Kundschaft hat Kelm beobachtet, dass diese verstärkt anders als sonst einkaufen. „Statt Brötchen greifen die Kunden jetzt lieber zum ganzen Brot. Man hat länger was davon und es ist günstiger.“ Auch seine Kundschaft bestätigt das. „Ich habe zwei Kinder, die zur Schule gehen. Da muss ich viele Brote schmieren“, sagt Yvonne Seidel aus Rönsahl. Ganze Brotlaibe seien dann auch die kostengünstigere Variante. Auf die Brötchen möchte sie aber auch nicht verzichten.

Die Samstags- und Sonntagsbrötchen von Kelm gehörten zum Wochenende einfach dazu, findet die zweifache Mutter. „Es ist für uns ein schöner Ausflug, am Samstag oder Sonntag bei Kelm frische Brötchen zu kaufen“, sagt Seidel. Dann wüssten sie auch, dass sie gute Qualität für ihr Geld bekämen und das sei ihr und ihrer Familie sehr wichtig. „Bei gutem Brot und guten Brötchen schaue ich erst mal nicht so nicht auf den Preis. Ich möchte außerdem solche kleinen Bäcker unterstützen. Die müssen ja auch von etwas leben“, erklärt Seidel. Die Zutaten kämmen ja größtenteils aus der Region, würden ökologisch angebaut. Erst bei einem Brötchenpreis von über 1,50 Euro würde sie überlegen, ob sie Brötchen noch kaufen solle.

Das Brötchen darf kein Luxus sein. Das Brötchen soll für jedermann erschwinglich sein.

Bäcker Sascha Kelm

Auch Brigitte Henschen gehört zu den Kelm-Stammkunden. Sie reist aus Wipperfürth an, „um unser Lieblingsbrot, ein Körnerbrot zu kaufen“. Das sei zwar etwas teurer geworden, „aber ich kaufe es ja auch nicht jeden Tag. Und mir ist es das Wert. Ich bekomme hier eine sehr gute Qualität.“ Beim Lebensmittel Brot wolle sie nicht sparen, fügt Henschen hinzu.

Im Kierspe-Dorf ist bei Bäcker Ralf Gießelmann angesichts der Inflation die Stimmung dementsprechend. „Die Preiserhöhungen sind an der Grenze des Akzeptablen“, erklärt der Brotsommelier. Für 42 Cent bietet er zurzeit seine normalen Brötchen an. Ein Kollege, den er kenne, nehme noch 40 Cent. „Er hat aber schon angekündigt, dass er ab Oktober auf 45 Cent erhöht.“ Und es gibt andere, die noch 40 Cent nehmen. Wie letztere das machen, wisse er auch nicht.

Brigitte Henschen aus Wipperfürth ist Stammkundin in der Bäckerei Kelm. Sie zahlt gerne für gute Qualität.
Brigitte Henschen aus Wipperfürth ist Stammkundin in der Bäckerei Kelm. Sie zahlt gerne für gute Qualität. © Thilo Kortmann

Aufwand und die Energie seien jeden Tag groß, die in seine Bäckereien beim Backen betrieben würden, sagt Gießelmann. Jeden Tag würden in den Filialen alle klassischen Brötchen und die Körnerbrötchen bis abends frisch gebacken. Die Strom- und Gaskosten seien, so der Brotsommelier, gerade natürlich ein Hauptproblem. Rohstoffe stiegen schon seit Dezember 2021 auf teilweise das Doppelte an. Zudem kommen 60 Prozent mehr an Spritkosten für die Lieferungen. „Klar gibt es E-Fahrzeuge. Nur wartet man ein Jahr darauf und ein E-Sprinter kostet 32 000 Euro mehr als ein normaler“, erklärt der Bäckermeister. Und bei der Laufzeit eines E-Fahrzeugs rentiere sich das nur bedingt. „Das fängt dann auch unsere Photovoltaikanlage nicht auf.“

Die dadurch verursachten Mehrkosten „bringen das Fass fast zum Überlaufen“, erklärt er. Die Konsequenz ist eine Preiserhöhung der Gießelmann-Produkte um 25 Prozent. „Viele Menschen vergessen leider, dass Brot immer noch eines der günstigsten Lebensmittel ist“, sagt er. Ein Kilogramm Brot koste derzeit rund 4 Euro. Eine Scheibe koste umgerechnet rund 20 Cent, rechnet er vor. „Kaum ein anderes Lebensmittel macht so schön satt wie Brot“, findet Ralf Gießelmann.

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