Backhaus wieder ein Kiersper Unternehmen

Manfred Gante als Geschäftsführer und Uwe Möller als Werkleiter stehen an der Spitze von Kunststofftechnik Backhaus. Seit der Übernahme durch Gante zum 31. Mai ist dies wieder ein echtes Kiersper Unternehmen. ▪

KIERSPE ▪ Schon der neue Name Kunststofftechnik Backhaus GmbH dokumentiert, dass sich bei dem traditionsreichen Betrieb im Gewerbegebiet Wildenkuhlen einiges verändert hat. Mit unternehmerischen Elan will der langjährige Werkleiter, jetzige Geschäftsführer und Hauptgesellschafter Manfred Gante Backhaus in eine positive Zukunft führen.

Er hat zum 31. Mai die Mehrheitsanteile an der Gesellschaft erworben, so dass diese seitdem wieder eine echte Kiersper Firma ist.

Der 59-Jährige, der aus dem sauerländischen Finnentrop kommt, formuliert klare Ziele: „Ich will die Mitarbeiter behalten und den Umsatz in einem bis eineinhalb Jahren auf 26 Millionen Euro steigern, was dann optimal unserer Größe entspräche“. Aktuell bewegt sich dieser noch zwischen 20 und 21 Millionen Euro. Gante zeigt sich ganz zuversichtlich, dass dies gelingen wird, denn es gibt bereits erste hoffnungsvolle Anzeichen: So ist die Resonanz auf den Deal seitens der Kunden äußerst gut. „Wir hatten lange nicht so volle Auftragsbücher wie derzeit und müssen jetzt sehen, dass wir sie abarbeiten.“

Keinen Zweifel lässt da Uwe Möller, bislang stellvertretender Werkleiter, der nun die Nachfolge von Gante auf diesem Posten bei Backhaus angetreten hat, aufkommen: „Wir werden es schaffen und wenn wir bis in die Nacht arbeiten.“ Die aus dieser Anmerkung sprechende positive Stimmung und Motivation hat sich durch die wiedererlangte Eigenständigkeit inzwischen in der kompletten Belegschaft mit derzeit rund 140 Mitarbeitern verbreitet.

Hat die Firma doch gerade in den vergangenen zwei Jahrzehnten auch eine wechselvolle Entwicklung durchlaufen und es gab nicht immer nur rosige Zeiten: Gegründet wurde das Unternehmen 1925 durch Ernst Backhaus. Bis 1990 blieb der Betrieb im Familienbesitz. Dann stieg die niederländische Schuttersveld ein und es kam 1999 zur Umbenennung in Kendrion Backhaus. 2004 übernahm der US-Konzern Key Plastics das Ruder, denn der Betrieb war Bestandteil der ICT (Innovative Components Technologies GmbH) mit den Hauptsitzen in Lennestadt und Wächtersbach, die von den Amerikanern gekauft worden war. Gante hat Backhaus, wenn man so will, jetzt wieder nach Kierspe zurückgeholt.

Und das schafft zugleich Perspektiven für die Zukunft, denn er hat dabei auch an seine drei Kinder gedacht, von denen ein Junge bereits im Haus mitarbeitet. „Die Nachfolge ist also gesichert“, spielt der neue Firmenchef schmunzelnd auf ein Problem an, das vielen anderen mittelständischen Unternehmen heute schwer Kopfzerbrechen bereitet.

Inzwischen hat Backhaus schon wieder Kunden zurückgewonnen. Sie schätzen die Leistungen des kunststoffverarbeitenden Betriebes wie flexibles Reagieren auf die Anforderungen von Kunden und Markt, die zuverlässige Einhaltung getroffener Zusagen hinsichtlich Termin und Qualität, das hohe Maß an Innovation mit eigenen Projekten und neuen Verfahren, womit Backhaus immer am Puls der Zeit bleibt, sowie das auf jahrzehntelange Erfahrung und gut ausgebildete, kreativ denkende Mitarbeiter gestützte Know-how bei der Kunststoffformgebung.

Backhaus präsentiert sich jetzt im Jahr 2012 genauso als Entwicklungsdienstleister wie als Komponenten- sowie Modul- und Systemspezialist bis hin zur Montage. Aus dem Haus kommen technische Bauteile in allen Größen sowie Baugruppen. Dafür steht ein Maschinenpark mit Schließkräften von 15 bis 1000 Tonnen zur Verfügung. Thermoplaste werden in MuCell-, Carbonfaser-, 2-Komponenten-, Hybrid- und CellMould-Technik verarbeitet, genauso aber auch Duroplaste, die gerade eine Renaissance erleben.

„Unsere Produkte finden sich derzeit vor allem im Motorraum von Autos“, informiert Gante. Denn der Schwerpunkt von Backhaus liegt im Bereich der Automobil- und Automobilzulieferindustrie. So gehören renommierte Marken wie Daimler, VW, BMW, Bentley, Maybach, Continental und Brose zum Kundenstamm. „Ziel ist, dass dieser Bereich später 50 bis 60 Prozent des Geschäftes ausmacht und Non-Automotive den Rest“, plant der Chef.

Schon im vergangenen Dezember hat Manfred Gante, der bei RSL in Lennestadt erst Montage- und dann Werkleiter war, 2002 dann nach Kierspe gekommen ist und seit 2006 ebenfalls das Werk in Wächtersbach mitgeleitet hat, Kaufbestrebungen gehabt. Dann kam ihm aber ICT, die von den Amerikanern mit Sanierungsplänen konfrontiert worden waren, zuvor, so dass Gante letztlich Backhaus aus der ICT heraus kaufte. Gewinner sind beide nunmehr wieder eigenständigen mittelständischen Unternehmen. Denn die ICT konzentriert sich auf dekorative und kinematische Teile und Baugruppen, die sich beispielsweise im Autoinnenraum finden. Die Produktbereiche passten also gar nicht so richtig zueinander.

Rolf Haase

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