Azubi ist der Hahn im Korb

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Patrick Briese (Zweiter von rechts) absolviert bei Hans-Joachim Mehrens, Tim-Henrik Viebahn-Knötig und Martin Cordt (von links) seine Ausbildung

Kierspe - „Ungewöhnlich“, trifft es wohl am ehesten. Denn die Ausbildung, der Patrick Briese nachgeht, ist eigentlich von Frauen dominiert. In der Kanzlei MNCG in Kierspe wird er zum Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten ausgebildet. Als erster Mann, wie seine Chefs berichten.

Seine Chefs, das sind sind Hans-Joachim Mehrens, Martin Cordt, Tim-Henrik Viebahn-Knötig und Britta Karstens. „Wir schreiben unsere Stellen aus, auch bei der Bundesagentur für Arbeit“, sagt Martin Cordt. Über diesen Weg landete auch Brieses Bewerbung auf seinem Schreibtisch. „Dass diese von einem männlichen Bewerber kam, war außergewöhnlich“, so Cordt. Von 937 Auszubildenden im Kammerbezirk Hamm waren im Jahr 2013 nur 53 männlich, knapp sechs Prozent. „Ich wollte ursprünglich Anwalt werden, aber das hat sich nicht ergeben“, sagt Briese.

Aus Berlin in den Märkischen Kreis

Der 24-jährige kommt aus Berlin, zog vor kurzer Zeit aus persönlichen Gründen in den Märkischen Kreis. „Die Bundeswehr hatte mich damals eingezogen. Da war ich vier Jahre für die Planung von Tagungen zuständig. Ich habe aber schon immer gerne geschrieben“, sagt der Auszubildende, der seit dem 1. August in der Kiersper Kanzlei arbeitet.

Auch bei der Bundeswehr zu bleiben und dort zu studieren, konnte sich Brise vorstellen, entschied sich aber letztlich für die Ausbildung zum Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten - und ist nach den ersten Wochen sehr zufrieden. „Wenn es nach mir geht, bleibe ich länger hier“, sagt Briese und lacht. „Wir behalten ihn“, bestätigt Martin Cordt.

Komisch angeguckt werde er nicht, wenn er erzählt, welchen Beruf er erlernt. In seiner Berufsschulklasse sind 15 Mädchen, „auch unsere Lehrer sagen, dass ein Mann in der Ausbildung eher selten ist.“ Dass er sowohl zum Rechtsanwalts- als auch zum Notarfachangestellten ausgebildet werden kann, ist ebenfalls nicht selbstverständlich. „Es gibt auch Bundesländer, in denen das nicht geht. Da wird entweder zum Rechtsanwalts- oder Notarfachangestellten ausgebildet. Wenn Patrick hier fertig ist, kann er sich auf beides bewerben“, sagt Hans-Joachim Mehrens.

Die Entscheidung nie bereut

Die Entscheidung, entgegen der Gewohnheit einen männlichen Bewerber ausgewählt zu haben, bereuen Brieses Vorgesetzte nicht. „Wir haben im Auswahlverfahren einige der Bewerber zum zweitägigen Praktikum eingeladen. Er hat auch die Kolleginnen überzeugt“, so Martin Cordt.

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