Awo-Mitarbeiter kämpfen für höhere Löhne

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Mitarbeiter des Kiersper Awo-Seniorenzentrums, das zum Bezirk Westliches Westfalen gehört, waren gestern zu einem Warnstreik nach Düsseldorf gereist.

KIERSPE ▪ Im Awo-Seniorenzentrum am Haunerbusch mussten sich die Bewohner gestern mit einer Notbesetzung zufrieden geben. Vier hauptamtliche Mitarbeiter, die eigentlich Dienst gehabt hätten, waren mit einem der vier Busse, die die Gewerkschaft Verdi für den Bereich Südwestfalen eingesetzt hatte, nach Düsseldorf gefahren. Dadurch fehlten der Einrichtung 27,6 Arbeitsstunden, wie die Leiterin Karin Aubert erklärte.

Die Awo-Kindertagesstätten am Haunerbusch und an der Höherstraße nahmen nicht an der Aktion teil und waren über diesen Streik auch nicht informiert worden, weil sie zu einem anderen Bezirk gehören, dessen Tarifverträge gesondert verhandelt werden.

Die rund 80 Südwestfalen versammelten sich mit etwa 1500 anderen Streikenden aus ganz Nordrhein-Westfalen am Hofgarten, um dort an der Streikkundgebung teilzunehmen. Gegen 11.30 Uhr ging es in einem Demonstrationszug zum Verdi-Haus an der Karlstraße, wo die Tarifverhandlungen gestern Mittag in die dritte Runde gingen. „Wir wollen vor allem Druck auf die Tarifverhandlungen ausüben“, erklärte gestern Vormittag Dietmar Skowasch-Wiers, Verdi-Gewerkschaftssekretär für den Bezirk Südwestfalen.

Verdi fordert für die rund 22 000 Tarifbeschäftigten der Arbeiterwohlfahrt (Awo) unter anderem eine Erhöhung der Entgelte um 4,5 Prozent, mindestens jedoch 70 Euro monatlich. Auszubildende sollen 50 Euro monatlich mehr und eine Übernahmegarantie für mindestens zwölf Monate bekommen. Für besonders belastende Dienste wie Nachtarbeit will die Gewerkschaft höhere Zuschläge durchsetzen. Erstmalig soll auch das Einspringen an einem eigentlich freien Tag mit einem Zuschlag belegt werden. Darüber hinaus will Verdi den Einsatz von Leiharbeitnehmern begrenzen und für sie die gleiche Bezahlung wie für Stammbelegschaften sichern.

Erich Mürmann, Vorstandsvorsitzender des Awo-Unterbezirks Hagen/Märkischer Kreis, weilt derzeit im Urlaub, nahm gestern aber dennoch zu dem Streik Stellung: „Wir gönnen unseren Mitarbeitern soviel Lohn wie möglich, aber es ist eben nicht alles möglich.“

In anderen Branchen könne die Produktion schneller gefahren oder Materialien verbilligt werden, die Sparte aber, in der die Awo tätig sei, sei eine rein menschliche Dienstleistung, hier könne nichts beschleunigt oder verbilligt werden. „Wenn das Personal noch weiter heruntergefahren wird, worauf es nach einer Lohnerhöhung zwangsläufig hinausläuft, bekommen das das die Bewohner zu spüren“, so der 71-jährige Kiersper. 80 Prozent der Kosten, die die Awo monatlich aufwende, fielen für Personalkosten an. „Da können Sie sich ausrechnen, über welche Zahlen wir bei einer Lohnerhöhung von beispielsweise vier Prozent sprechen.“

Mürmann vermisst vielmehr eine Refinanzierung durch Bund und Land. „Aber statt dass wir von der öffentlichen Hand mehr Unterstützung bekommen, stehen wir da passenderweise zurzeit Kürzungen gegenüber.“ Wenn bei den jetzigen Lohnverhandlung tatsächlich eine Erhöhung beschlossen werde, führe das Mürmanns Meinung nach wieder einmal zu einer Leistungsverdichtung, die letztendlich der einzelne Bewohner aushalten müsse. ▪ isas

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