Autohändler macht nach Daihatsu-Rückzug weiter

KIERSPE ▪ Die Nachricht, dass sich der japanische Automobilhersteller Daihatsu aus dem Vertriebsgeschäft in Europa zurückzieht, kam auch für Monique und Luigi Basile, die einen Autohandel an der Waldheimstraße betreiben, überraschend. Der Auto-Mechaniker war mehr als 30 Jahre lang Daihatsu-Händler, seit zwei Jahren ist das Ehepaar nun Service-Partner des Unternehmens.

Seit 1998 verkauften die beiden am Kiersper Standort die japanischen Autos und führten Wartungs- und Reparaturarbeiten durch. Laut Monique Basile, die ihrem Mann im Büro hilft, waren die Kunden auch immer zufrieden. „Daihatsu ist ein gutes Produkt, da stimmt das Preis-Leistungsverhältnis“, meint sie. Vor zwei Jahren zogen sich die Basiles dann aus dem Neuwagengeschäft zurück, blieben aber Servicepartner von Daihatsu und reparierten und warteten Autos der Marke.

Als im vergangenen Jahr bekannt wurde, dass der Hersteller Europa verlassen will, kam das laut Luigi Basile sehr überraschend: „Das war ein Schlag ins Gesicht.“ Schon bevor sie vom Unternehmen informiert wurden, seien Kunden auf sie zugekommen und hätten das Ehepaar darauf angesprochen, dass im Internet entsprechende Gerüchte kursierten.

Der Mechaniker-Meister sieht mehrere Gründe für den Rückzug von Daihatsu auch aus dem deutschen Markt. Zum einen werden die Wagen nicht in Europa, sondern nur in Japan hergestellt. Da der Yen als relativ starke Währung gilt, ist ein gewinnbringender Verkauf in Europa schwierig. Auch die Transportkosten spielen laut Basile eine Rolle: „Die Wagen sind ja drei Monate auf dem Dampfer unterwegs.“ Zudem sei der europäische Markt schon immer eher eine „Prestigegeschichte“ gewesen. In Japan gilt Daihatsu als einer der Marktführer im Bereich der Kleinwagen und konzentriert sich jetzt wohl auf dieses Geschäft.

Die bisherigen Vertragspartner sollen ab Februar 2013 dann automatisch einen Servicevertrag bekommen, der mindestens die nächsten zwölf Jahre Bestand haben soll. Der Import von Wagen aus Japan wird zwar eingestellt. Da sich im Bremerhavener Lager des Unternehmens aber noch einige neue Autos befinden, werden Verkäufer wohl zunächst noch Nachschub bekommen. Laut Monique Basile hatten viele ihrer Kollegen schon vor Bekanntgabe des Daihatsu-Rückzugs nicht nur diese Marke im Angebot. Und die meisten anderen Vertragspartner haben diesen Weg spätestens im vergangenen oder diesem Jahr eingeschlagen, um ihre Existenz zu sichern.

Allerdings sei es seit dem Bekanntwerden des Aus von Daihatsu in Europa schwierig geworden, die Autos der Marke zu vermarkten. Trotz Garantien des Herstellers sind die Kunden verunsichert. Laut Monique Basile seien die Kunden weniger enttäuscht gewesen, sie hätten das Ganze vielmehr nicht verstanden.

Für das Ehepaar ändert sich erst einmal eher weniger. Da es sich mittlerweile auf den An- und Verkauf von Gebrauchtwagen spezialisiert hat, Autos anderer Hersteller repariert oder auch Tüv-Prüfungen durchführt, ist es von Daihatsu relativ unabhängig. Aber es wird auch in Zukunft als Servicepartner für das japanische Unternehmen tätig sein. Für Luigi Basile, der seit mehr als 30 Jahren mit Daihatsu zusammenarbeitet, wird es also ein langer Abschied.

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