Scherben und Metall landen im Futter von Milchkühen

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Heike Wennekamp zeigt das Teilstück der viel befahrenen Kreisstraße 44 zwischen Höhlen und Beerenburg, das von Autofahrern offensichtlich immer wieder für die Entsorgung von Flaschen, Dosen und anderem Abfall benutzt wird.

Kierspe - „Manche Leute denken überhaupt nicht darüber nach, was sie damit anrichten können“, ärgern sich Heike und Heinz-Josef Wennekamp. Jetzt, vor Beginn der Wachstumsperiode, kann der Müll am Rand der Wiesen entlang der Kreisstraße 44 zwischen Beerenburg und Wilbringhausen noch vergleichsweise leicht gefunden werden. Das sieht in einigen Wochen ganz anders aus.

Denn dann ist im wahrsten Sinne des Wortes Gras über die Sache gewachsen und der gefährliche Abfall - Glas, Metall, Kunststoff - bleibt unentdeckt, wird eventuell in die Silage eingefahren und landet so im Futtertrog der Kühe von Landwirt Wennekamp in Höhlen - mit möglicherweise tödlichen Folgen für das Rind.

„Wenn eine Kuh solch einen Müll aufgenommen hat, bleibt es im Pansen“, erklärt der Landwirt. Die Folge: Die Kuh frisst nicht mehr, wird apathisch, bekommt Fieber, verendet beziehungsweise müsse geschlachtet werden. Lediglich Metallstücke könnten mit einem Magneten aus dem Kuhmagen unter Umständen herausgeholt werden, bei Glas oder hartem Kunststoff sei dem Tier nicht mehr zu helfen. Fünf Tiere hat der Milchbauer, in dessen Stall rund 180 Kühe stehen, allein im vergangenen Jahr auf diese Art verloren.

Der Verlust durch den Nutzwert pro Kuh beträgt 1500 bis 1600 Euro. Wenn ein geschädigtes Tier früh genug entdeckt wurde, würde es wenigstens noch vielleicht 300 Euro durch das Schlachten geben. Wenn der Müll im Pansen der Kuh schon für Eiter gesorgt hat, legt der Landwirt für die Entsorgung des Tieres noch oben drauf. Der Verlust für den Landwirt ist die eine Seite, die Tierquälerei durch achtlos aus dem Auto geworfenen Flaschen und Dosen die andere.

Grund genug für seine Frau Heike, sich im Frühjahr auf den Weg entlang der Wiesen an der K 44 zwischen Beerenburg und Wilbringhausen zu machen und nach Müll zu suchen. Denn eine Reihe der angrenzenden Wiesen gehören zum Höhlener Milchviehbetrieb. Dabei hat die Landwirtin - die bei ihrer Aktion vor wenigen Tagen von ihrer Tochter Nadine unterstützt wurde - festgestellt, dass das Müllaufkommen in diesem Jahr deutlich höher ist. Waren es in der Vergangenheit Getränkedosen, dann Glasbierflaschen einer bestimmten Marke und sogenannte Flachmänner (kleine Schnapsflaschen), so seien es diesmal Weinflaschen gewesen. Neben diversem anderen Abfall hatten Heike und Nadine 20 Weinflaschen auf der etwa 400 Meter lange Strecke gefunden, die Hälfte davon war zerbrochen. Und damit die Gefahr sehr groß, dass die Scherben durch die Ladetechnik ins Viehfutter geraten und letztlich als Fremdkörper im Magen der Kuh entsprechenden Schaden anrichten. Dabei seien die Aktionen, die seine Frau nun schon seit Jahren durchführt, nicht die einzigen, erklärt Wennekamp. Weitere Säuberungsaktionen beispielsweise durch die UWG kämen dazu.

Eine Erklärung, warum das Müllaufkommen in diesem Frühjahr deutlich höher liege, haben die Wennekamps auch: Im Oberbergischen Kreis seien die Abfallgebühren angehoben worden. Das zeige sich in den Waldgebieten zwischen Höhlen und Wilbringhausen, wo mittlerweile Elektrogeräte und Müllsäckeweise Abfall abgeladen werde. Hinzu kämen eben noch die Autofahrer, die das Fenster herunterkurbelten und leere Flaschen an den Straßenrand werfen würden. Es zeige gleichzeitig, dass die Kreisstraße 44 für viele Autofahrer die Verbindung von Kierspe nach Marienheide beziehungsweise Gummersbach ist und entsprechend stark frequentiert wird.

Die Wennekamps hoffen nun zumindest, dass der eine oder andere Autofahrer sein Fenster (nicht nur) zwischen Wilbringhausen und Beerenburg zulässt und keine Flasche oder Getränkedose an den Straßenrand wirft. Dadurch würde verhindert, dass eine Kuh ein qualvolles Ende findet.

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