Brieftaubenzuchtverein Heimkehr Kierspe immer sehr erfolgreich gewesen

KIERSPE ▪ Hunde, Katzen oder Meerschweinchen – solche Haustiere leben für gewöhnlich in den Wohnungen oder Häusern tierlieber Menschen. Ein Verschlag im Garten, in dem es gurrt und flattert, findet sich allerdings mittlerweile eher selten.

Immer weniger Leute können sich für die Zucht von Tauben begeistern. In Kierspe und Meinerzhagen gibt es allerdings noch einige, die diesem Hobby fröhnen. Acht Züchter zählt der Verein Heimkehr Kierspe, der seit über 100 Jahren besteht, derzeit.

Momentan haben die Tauben noch Ausflugverbot und müssen in ihren Verschlägen bleiben. Je nach Größe der Unterkunft leben 50 bis 250 Tiere darin. Von Mitte Oktober bis Mitte März bleiben sie im sicheren Heim, um nicht Opfer von Greifvögeln zu werden. Im Frühjahr lassen ihre Halter sie dann zweimal täglich für ungefähr eine Stunde umherfliegen. Nach rund acht Tagen haben die Tauben wieder eine gute Kondition und dann stehen auch schon die wenigen Wochen im Jahr an, die einen ganz besonderen Höhepunkt für die Züchter darstellen: Dann finden nämlich die Flugwettbewerbe statt.

Der Kiersper Verein gehört der Sauerländischen Reisevereinigung an, in der sich 35 Züchter aus der Region zusammengeschlossen haben. Diese Vereinigung stellt dann an den Wochenenden einen speziellen Laster bereit, in dem die geflügelten Wettbewerbsteilnehmer untergebracht werden. Dann geht die Fahrt in mehrere hundert Kilometer entfernte Orte. Hier werden die Tauben freigelassen und sollen ihren Weg nach Hause finden. Nach dem Abflug werden die Besitzer der Tauben darüber informiert, dass ihre Tiere unterwegs sind. Und dann beginnt das Warten: Die Züchter hält es jetzt kaum in ihrem Haus, immer wieder gehen sie auf die Terrasse oder in den Garten und suchen den Himmel nach ihren Tauben ab. Die Tiere können zwar je nach Wetterlage über 1800 Meter pro Minute, das heißt knapp 110 Kilometer pro Stunde zurücklegen. Aber bei Strecken zwischen 200 und 600 Kilometern dauert die Rückkehr der Vögel schon einige Zeit. Wenn die Tiere ihr Ziel erreicht haben, liest der Züchter mit einem Lesegerät den Chip im Ring um den Fuß der Taube ein.

Bei den Wettbewerben gibt es verschiedene Kategorien: Es wird nach Länge des Flugs, Alter und Geschlecht der Tauben unterschieden. Das erste Drittel der Vögel, das ankommt, bekommt so genannte Preise. Diese werden dann noch je nach Rangfolge gestaffelt, das heißt die schnellste Taube bekommt mehr Punkte als die zweitschnellste und so weiter.

Und im vergangenen Jahr gelang dem Kiersper Taubenzüchterverein gleich eine ganze Reihe außergewöhnlicher Erfolge bei diesen Flugwettbewerben. Die beiden Züchter Norbert Laufer und Heinz Rasslof belegten mit ihren Tieren in zahlreichen Kategorien den ersten Platz. So wurden sie zum Beispiel Meister bei den sogenannten Alten beziehungsweise jährigen Weibchen (das heißt den weiblichen Tauben, die im Vorjahr geboren worden sind) sowie bei der Mittel- und Weitstreckenmeisterschaft der männlichen Tauben in diesem Alter. Insgesamt sprang somit mit 49 Preisen von 52 möglichen auch der Sieg auf der übergeordneten Regionalverbandsebene heraus.

Norbert Laufer hat in seinem Garten einen großen Taubenschlag. Sein Freund Heinz Rasslof wohnt nur einige Häuser weiter und gemeinsam betreuen sie ihre Tiere. Wie die meisten Züchter kamen sie schon im Kindesalter, als die Taubenzucht noch ein weit verbreitetes Hobby war, in Kontakt mit den gurrenden Vögeln – und sind bis heute fasziniert von den Tieren. Stolz zeigt Laufer Bilder seiner Tauben. Die Älteste in seinem Besitz schlüpfte 1994 aus dem Ei. Wie ihre Vereinskollegen bedauern Rasslof und Laufer die Tatsache, dass sich kaum noch jemand für die Taubenzucht begeistern kann. Sie geben allerdings zu, dass es eine zeitraubende und auch nicht ganz kostengünstige Beschäftigung ist. Urlaubsreisen sind zudem nur möglich, wenn sich jemand um die Tiere kümmern kann.

Die beiden Züchter freuen sich über ihren Erfolg beziehungsweise den ihrer Tiere, bleiben aber bescheiden. Das eine Jahr laufe es gut, das andere wiederum weniger gut, erklären sie – Angesichts der zahlreichen Pokale, die sie im vergangenen Jahr errungen haben wirkt „gut“ deutlich untertrieben.

Wie genau die Tiere über die weiten Entfernungen zurück zum heimischen Schlag finden, ist übrigens bis heute nicht vollständig geklärt. Vermutlich orientieren sie sich bei ihren Flügen am Stand der Sonne und am Magnetfeld der Erde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare