Auszeichnung für einen Pionier der Paläografie

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Bei der Feierstunde in Siegburg wurde Günter Henseler (3. v. r.) mit dem Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes ausgezeichnet. ▪

KIERSPE/SIEGBURG ▪ Der Kiersper Günter Henseler wurde in dieser Woche bei einer Feierstunde in Siegburg mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet. Henseler hat die Protokolle des Siegburger Schöffengerichtes überwiegend aus dem 16. Jahrhundert bearbeitet und editiert.

Damit habe er sich um die Heimatgeschichte verdient gemacht, betonte in ihrer Laudatio Jutta Eckenbach als Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, als er geehrt wurde. Die Dokumente sind eine aufschlussreiche und schier unerschöpfliche Quelle der regionalen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte.

In den Gerichtsprotokollen wird die Stadt und das Leben in ihr während des späten Mittelalters lebendig. Publiziert sind diese bislang nur in vier Bänden, die mit insgesamt mehr 1200 Seiten von den Archiven von Siegburg und Troisdorf herausgegeben wurden. Ehemals waren die Protokolle in losen Blättern jeweils zu dicken Folianten zusammengebunden. Im Stadtarchiv von Siegburg haben sich noch weitere solcher Folianten erhalten, insgesamt 31 Bände, die ältesten reichen bis in das Jahr 1415 zurück. Das Schöffengericht war bis zum Jahr 1662, als das Gebiet dem Herzogtum Berg eingegliedert wurde, für alle Bereiche des Rechtslebens und der Justiz zuständig.

Günter Henseler hat bis auf wenige Seiten alle Protokolle mit zusammen 8000 Blatt Papier transkribiert und so für die Fortführung der Edition weitestgehend fertiggestellt. „In der historischen Welt“, befand Eckenbach, „nennt man das Paläografie: die Kunst, alte Handschriften in ihren Einzelheiten nachzuvollziehen, Buchstabenformen und verwendete Abkürzungen zu erkennen und zu entschlüsseln. So muss ein Paläograf einen i-Punkt von einem Fliegendreck unterscheiden können“, beschrieb sie die schwierige Arbeit, die der Kiersper geleistet hatte. Um so ein Projekt anzupacken, brauche es Pioniergeist. Günter Henseler sei einer der ersten, der sich solcher Gerichtsprotokolle überhaupt angenommen hätte. Denn aus dem Bereich des Rheinlandes seien derartige Dokumente bislang noch niemals publiziert worden, wie die Vorsitzende unterstrich.

Inhaltsangabe in

modernem Deutsch

Unterstützt worden sei der Kiersper von der Archivberatungsstelle des Landschaftsverbandes und der Stadtarchivarin in Siegburg, was mit zu der wissenschaftlichen Qualität der Arbeit beigetragen habe. „Den Gerichtsprotokollen ist eine Inhaltsangabe in modernem Deutsch vorangestellt. So erhält der Leser einen hervorragenden Überblick der enthaltenen Information“, hob Eckenbach hervor, die nach der Begrüßung durch den Landrat des Rhein-Sieg-Kreises, Frithof Kühn, die Überreichung des Rheinlandtalers vornahm. Grußworte sprachen zudem noch Peter Wirtz als Bürgermeister der Stadt Königswinter und Franz Kuhn als Bürgermeister der Stadt Siegburg.

Zum Schluss hatte dann Henseler das Wort, der sich für die Würdigung seiner Arbeit in Form der hohen Auszeichnung bedankte und kurz etwas zu seiner Motivation erklärte: So habe er sich immer für die Familienkunde und die Regionalhistorik interessiert und seine Ziele, die er zu verwirklichen versuchte, langsam immer etwas höher gesteckt. Dann habe er sich nach einer größeren Aufgabe gesehnt, wofür die Siegburger Schöffenprotokolle ihm vorzüglich geeignet erschienen. „Allerdings habe ich dann doch den Umfang der Arbeit unterschätzt“, gestand er ein. Begleitet wurde Henseler unter anderem von Dieter Grafe als stellvertretendem Bürgermeister der Stadt Kierspe, der damit die Beachtung der großartigen Leistung des Kierspers auch in seiner Heimatstadt unterstrich. ▪ rh

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